Sielmingen
Ortsgeschichte von Sielmingen

Die bis 1974 selbstständige Gemeinde Sielmingen (Ortsmitte 357 m ü. NN) entstand 1923 durch den Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Ober- und Untersielmingen. Der Ursprung der Siedlung lag in Untersielmingen und geht auf die Alamannen zurück, die "Siedlung des Sigehelm".
1973 wurde beim Bahnhof Sielmingen ein alamannisches Reihengräberfeld entdeckt. Es wird vermutet, dass Sielmingen ebenso wie Plieningen, Nellingen und Grötzingen eine Ursiedlung war, von der aus ringförmig Tochtersiedlungen (wahrscheinlich Obersielmingen, Bernhausen, Neuhausen) angelegt wurden. Die territoriale Entwicklung von Ober- und Untersielmingen verlief bis ins 16. Jahrhundert völlig getrennt. Die erste urkundliche Nennung von Untersielmingen stammt aus dem Jahre 1274, als Eberhard von Stöffeln seine Güter in Untersielmingen dem deutschen König zu Lehen auftrug und sie von diesem als Reichslehen wieder zurückerhielt. Zum Reichslehen gehörte das Patronatsrecht sowie herrschaftliche Rechte, die jedoch im 14. und 15. Jahrhundert zu einem erheblichen Teil an die Grafen von Württemberg gingen. Träger des Reichslehens waren die Herren von Stöffeln (bis 1377), von Stammheim (bis 1521), Thumb von Neuburg (bis 1532) und schließlich bis 1806 das Spital Nürtingen.
Obersielmingen wurde 1275 ("Sigehelmingen superiori") erstmals erwähnt. Es zählte zur Herrschaft der Herren von Bernhausen und kam mit Waldenbuch bereits 1363 von den Herzögen von Urslingen an Württemberg. 1529 bis 1557 gehörte Obersielmingen vorübergehend zur Reichsstadt Esslingen.
Zur baulichen Entwicklung
Die ältesten Teile Untersielmingens tragen die Züge eines typischen Haufendorfs und konzentrieren sich um die Kirche, hier befinden sich Zehntscheuer, Widumhof und Pfarrhaus. Wahrscheinlich im Spätmittelalter dehnte sich der Ort entlang der Straße Richtung Nürtingen aus, dieser Teil hat den typischen Charakter eines Straßendorfs. Obersielmingen hat die Form eines Haufendorfes mit seinem Kern im Bereich Kapellenstraße, Enge und Lange Straße.
Erst nach dem Bau der Filderbahn 1897 wuchsen die Orte langsam zusammen. Die Bewohner von Obersielmingen bauten bevorzugt entlang der Langen Straße und der Gartenstraße (heute Heußstraße), um einen kürzeren Weg zum Bahnhof zu haben. Nach dem Zusammenschluss der beiden Orte im Jahre 1923 wurden bereits 1925 konkrete Pläne für ein Straßennetz erstellt, um beide Orte auch baulich zu einer Gemeinde zusammenzuschließen. Diese Pläne kamen allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Ausführung.
Sielmingen war aufgrund seiner guten Böden und seiner großen Gemarkung, ebenso wie Bernhausen, relativ wohlhabend. 1895 besaßen hier nur 27 Prozent der insgesamt 178 Bauern weniger als 2 Hektar Land. Über 50 Prozent konnten immerhin 2 bis 5 Hektar ihr Eigen nennen, 20 Prozent der Bauern besaßen noch mehr. In Untersielmingen fallen die Bauernhäuser durch ihre Größe auf. Kein anderer Ort blieb so lange von der Landwirtschaft geprägt wie Sielmingen. 1950 fanden 42 Prozent der Erwerbstätigen Beschäftigung in der Landwirtschaft (zum Vergleich: in Plattenhardt waren es damals nur 19,5 Prozent, in Bonlanden 15,8 Prozent).
Selbstverständlich hinterließ auch in Sielmingen die Filderbahn ihre Spuren. Der direkte Bahnanschluss Sielmingens erweiterte die Möglichkeit zu auswärtiger Lohnarbeit. Dennoch lag die Zahl der Pendler bis in die 60er-Jahre deutlich unter dem Durchschnitt der anderen Stadtteile. Im Gegensatz zu Bernhausen siedelte sich erst in den späten 60er und 70er-Jahren Industrie in Sielmingen an. Die Einwohnerzahl Sielmingens stieg zwischen 1950 und 1974 um 144 Prozent, zwischen 1975 und 1998 um 17 Prozent.
Zeittafel zur Geschichte von Sielmingen
7. Jh. Alamannische Siedlung. 1973 wurden im Steinigten Morgen alamannische Gräber ausgegraben.
1274 Erste Erwähnung von Untersielmingen: Zwei Drittel des Ortes sind Reichslehen, welches die Herren von Stöffeln innehaben.
1275 Erste Erwähnung von Obersielmingen.
1275 Erste Erwähnung der Martinskirche.
1310 Älteste Inschrift in Filderstadt: Weihestein der Vorgängerkirche der heutigen Martinskirche. Er befindet sich an der Kirchhofmauer.
Mitte 14. Jh. Die Kleinsiedlung Weiler und Horb auf Sielminger Markung werden verlassen (”Wüstungen”).
1363 Obersielmingen geht gemeinsam mit der Stadt Waldenbuch an die Grafschaft Württemberg.
1377 Das Reichslehen (Unter-)Sielmingen geht an die Herren von Stammheim.
1383 Erste Erwähnung der beiden Sedelhöfe (vermutlich Bei der Kirche 13/15 und Im Hof).
1417 Aufsiedlung der Wohnhäuser Hauptstr. 52 – 64 auf einem Acker der Frühmesspfründe, damit erhält der Ort endgültig den Charakter eines Straßendorfes. Diese Gebäude gehen später an die Grundherrschaft der Universtät Tübingen.
1449 Zerstörung des Dorfes im Städtekrieg durch reichsstädtische Truppen.
1489 Fertigstellung der Martinskirche.
1506 Bau von Im Hof 7, dem ältesten Wohnhaus von Sielmingen.
1521 Die Herren von Stammheim verkaufen das Reichslehen (Unter-)Sielmingen an die Herren Thumb von Neuburg.
1526 Bei einem Brand in Untersielmingen werden 30 Häuser zerstört.
1526 Bau der Kapelle in Obersielmingen durch den Ortsherrn Nikolaus Gaisberg, württ. Rentmeister.
1529 – 1557 Obersielmingen gehört zur Reichsstadt Esslingen.
1532 Das Reichslehen Sielmingen (incl. Besitzungen in Harthausen) wird durch die Herren Thumb von Neuburg an das Nürtinger Spital verkauft. Von 1532 bis 1806 hat das Spital Nürtingen das Recht, den Sielminger Pfarrer zu ernennen.
1534 Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg und damit auch in Sielmingen; Entfernung der Kunstschätze in der Kirche, die Kapelle dient zunächst noch einige Jahrzehnte als Gotteshaus, verliert dann aber diese Funktion.
1534 Bau der württ. Zehntscheuer (Bei der Kirche 17).
Ca. 1543 Erwähnung einer Schule in Sielmingen.
1559 bis 1580 Die Gemeinden Ober- und Untersielmingen schließen sich vorübergehend zusammen.
1559 Bau eines gemeinsamen Rathauses Ober- und Untersielmingen.
1572 Bau des Gebäudes Im Hof 1 durch den Schultheißen Hans Han.
1581 Bauinschrift am Hahn'schen Haus "Bei der Kirche 1", erbaut durch den Schultheißen Hans Han.
1607 Bauinschrift am Rundbogen des Gebäudes Hauptstraße 30/32.
1634 Zerstörung zahlreicher Gebäude, archivalisch belegt ist der Brand Wohnhäuser Georg-Schurr-Str. 7 und Rathausplatz 7.
1648 Durch den Dreißigjährigen Krieg vermindert sich die Einwohnerzahl von rund 520 auf 230, die Zahl der Häuser von 214 auf 147. (Vergleichszahlen: 1634 und 1655)
Ab 1700 Aufsiedlung der oberen Hauptstraße (ab Nr. 59).
1737 Anbau eines Chors an die Martinskirche.
1750 Der Sielminger Kirchturm wird durch Blitzschlag schwer beschädigt, an Stelle des spitzen Kirchturmdachs wird eine barocke Turmhaube errichtet.
1793 Aufruhr der Untersielminger gegen ihren Schultheiß Schreiber.
1796 Bau der Sägemühle in der Bahnhofstraße.
1804 Bau des Pfarrhauses.
1807 Ausbau der Hauptstraße zur Chaussee.
1837 Obersielmingen baut ein eigenes Schul- und Rathaus (Kapellenstraße). Bis dahin besuchten die Kinder von Obersielmingen die Schule in Untersielmingen.
1838 Nach Abschaffung der Zehntherrschaft Verkauf der beiden Zehntscheuern an Privatleute.
1840 Die Gemeinden Ober- und Untersielmingen roden ihren Wald "Zuckmantel" bei Harthausen und wandeln die Fläche in Ackerland um.
1843/44 Verlegung des Sielminger Friedhofs von der Kirche an den nördlichen Ortsrand, dem so genannten Unteren Friedhof.
1862 Einrichtung einer Postablage im Haus Hauptstraße 59.
1864 Andreas Schäffer, Lehrer und Kirchenmusiker, wird im Haus Hauptstr. 36 geboren.
1872 Anlegung des Obersielminger Friedhofs.
Um 1872 Zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1872 werden drei Linden bei Harthausen als Friedenslinden gepflanzt.
1894 Gründung des Darlehenskassenvereins.
1897 Fertigstellung der Filderbahn, Untersielmingen erhält damit einen Bahnanschluss.
1903 Errichtung einer gemeinschaftlichen Ortslesebibliothek für Ober- und Untersielmingen.
Um 1905 Einführung eines (gemeinsamen) Ortswappens für Ober- und Untersielmingen.
1905 Mit Wilhelm Faber wird erstmals ein Fachbeamter Schultheiß von Obersielmingen.
1906 Inbetriebnahme der Filderwasserversorgung, nur Obersiemlingen war beigetreten, Untersielmingen baut eine Quellwasserversorgung, die durch Quellen zwischen Sielmingen und Wolfschlugen gespeist wird.
1910 Mit Albert Rohleder wird erstmals ein Verwaltungsfachmann Schultheiß von Untersielmingen.
1911 Bau des neobarocken Obersielminger Rathauses, Lange Straße 31. Es konnte allerdings seine Funktion nur 12 Jahre lang erfüllen.
1912 Sielmingen erhält Anschluss an die Elektrizität.
1912 Bau der Hindenburgschule in Untersielmingen.
1913 Der Untersielminger Julius Bauer, Monteur bei Zeppelin in Friedrichshafen, stürzt in Berlin tödlich bei einem Übungsflug mit dem Zeppelin LZ 2 ab.
1914 Einrichtung einer Buslinie Nürtingen-Degerloch über Untersielmingen; sie wird allerdings mit Beginn des Ersten Weltkriegs wieder eingestellt.
1917 (Juni) Eine Agentur der Oberamtssparkasse wird in Untersielmingen eingerichtet.
1919 Der erste Versuch, Ober- und Untersielmingen zusammenzulegen, scheitert.
1. April 1923 Vereinigung von Ober- und Untersielmingen. Neuer Schultheiß wird Georg Schurr von Untersielmingen, Obersielmingens bisheriger Schultheiß Wilhelm Faber geht zur Landesversicherungsanstalt.
26. September 1923 Erster Vieh- und Krämermarkt. Als "Belohnung" für den freiwilligen Zusammenschluss erhält Sielmingen das Recht, im Frühjahr und im Herbst einen Vieh- und Krämermarkt abzuhalten.
1926 Einführung von Straßennamen und einer straßenweisen Nummerierung.
1927 Der Gemeinderat beschließt, den Bau der Kanalisation in Angriff zu nehmen und die Arbeiten als Notstandsarbeiten ausführen zu lassen.
1927 Gründung der Sauerkrautfabrik Schweizer, heute die größte Sauerkrautfabrik der Filder.
4. November 1927 Eröffnungsfahrt der Autobuslinie Degerloch-Nürtingen. Damit erhält Sielmingen nach 13 Jahren wieder Anschluss an das öffentliche Omnibusnetz.
4. November 1928 Amtseinsetzung von Pfarrer Emil Kemmler, bis 1966 Pfarrer in Sielmingen.
10. Mai 1931 Einweihung der Turnhalle des Sportvereins Untersielmingen an der Bahnhofstraße.
18. Oktober 1931 Einweihung des Anbaus der Martinskirche in Anwesenheit von Kirchenpräsident Theophil Wurm.
4. Mai 1933 Gleichschaltung des Gemeinderats Sielmingen: Er besteht aus sechs Mitgliedern der NSDAP und zwei des Bauern- und Weingärtnerbunds. Umbenennung der Lange Straße in Adolf-Hitler- und der Schulstraße in Hindenburgstraße sowie Umbenennung der Schulen.
10. September 1933 Einweihung des Sportplatzes Sielmingen, der 1932 vom Freiwilligen Arbeitsdienst begonnen worden war (heute Verkehrsübungsplatz).
1. Mai 1934 Eröffnung eines neuen Kindergartens im Obersielminger Rathaus.
5. November 1934 Der Gemeinderat beschließt, die Kapelle der Hitler-Jugend zur Verfügung zu stellen und den dort befindlichen Backofen zu verkaufen.
23. September 1936 Der Gemeinderat bildet einen Ausschuss, der sich mit dem auf Sielminger Gemarkung geplanten Militärflugplatz beschäftigen soll.
1940 - 1945 Rund 120 ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen sind in Sielmingen, vor allem in der Landwirtschaft tätig.
2. und 15. März 1944 Die ersten Luftangriffe auf Sielmingen: Beschädigung einiger Häuser und Zerstörung mehrerer Scheunen.
20. April 1945 Einmarsch französischer Truppen in Sielmingen.
5. April /28. April 1948 Der Gemeinderat beschließt den Einbau von Notwohnungen für Heimatvertriebene in der Kapelle sowie im Schafhaus Obersielmingen.
1. Juni 1948 In Sielmingen werden 590 Heimatvertriebene gezählt.
26. November 1951 Der Ministerrat Württemberg-Baden beschließt, 1,5 Mio. DM für eine Straßenbahnlinie über Plieningen nach Bernhausen - Sielmingen - Bonlanden - Plattenhardt bereitzustellen. Die Stadt Stuttgart ändert jedoch ihre Pläne und baut von den Geldmitteln eine Straße, die Mittlere Filderlinie.
1952 Gottfried Fischer wird zum Bürgermeister als Nachfolger von Georg Schurr gewählt
10. November 1953 Gründung des TSV Sielmingen durch den Zusammenschluss der bisher bestehenden zwei Sportvereine.
21. Mai 1955 Einweihung des neuen Schulhauses (Wielandschule).
1. August 1955 Einstellung des Personenverkehrs auf der Filderbahn.
1956 Fertigstellung eines 800 cbm-Wasserbehälters bei den Drei Linden (435 m ü NN).
1960 Sielmingen hat 351 landwirtschaftliche Betriebe, was den Höchststand der Nachkriegszeit bedeutet. Ihre Zahl geht in den folgenden Jahrzehnten stark zurück.
November 1960 Die ersten Aussiedlerhöfe bei den Drei Linden werden fertig gestellt.
September 1961 Wegen des wachsenden Autoverkehrs wird der Krämermarkt von der Hauptstraße in die Lange Straße verlegt.
23. Oktober 1961 Die Post zieht in das neu erbaute Gebäude Hauptstraße 56.
15. Dezember 1963 Einweihung der katholischen Michaelskirche in der Blumenstraße.
27. - 29. Juni 1964 Abhaltung des 1. Sielminger Heimatfestes, es soll nun im dreijährigen Turnus stattfinden.
30. Okt. 1964 Einweihung des 2. Abschnitts der Grund- und Hauptschule sowie des Lehrschwimmbades.
1969 Eröffnung der ersten Apotheke in Sielmingen.
Januar 1972 Einrichtung der 1. Ampelanlage in Sielmingen an der Laichkreuzung.
Februar 1973 Im Gebiet Steinigter Morgen wird ein alamannisches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert gefunden.
4. Oktober 1974 Erster Sielminger Wochenmarkt.
1974 Fertigstellung des Feuerwehrhauses
1. Januar 1975 Zusammenschluss der fünf selbstständigen Gemeinden zu einer gemeinsamen Stadt namens Filderlinden.
Bevölkerungsentwicklung
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Jahr
|
Ober-
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Untersielmingen
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1477
|
68
|
192
|
|
1545
|
o.A.
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226
|
|
1603
|
530 (Sielmingen)
|
|
|
1634
|
172
|
260
|
|
1655
|
88
|
140
|
|
1661
|
96
|
227
|
|
1703
|
178
|
364
|
|
1802
|
317
|
636
|
|
1850
|
436
|
835
|
|
1900
|
493
|
933
|
|
1922
|
639
|
1087
|
|
Sielmingen
|
|
|
Jahr
|
Einwohner
|
|
1925
|
1.767
|
|
1939
|
1.918
|
|
1950
|
2.559
|
|
1961
|
3.503
|
|
1970
|
5.219
|
|
1987
|
6.297
|
|
2003
|
7.501
|
Persönlichkeiten
In Sielmingen finden sich einige Straßen, die nach lokalen Persönlichkeiten benannt sind. Es sind dies im Einzelnen in alphabetischer Reihenfolge:
Wilhelm Faber (1879-1953), Bürgermeister von Obersielmingen 1905-23
Hans Han (um 1500-1585), Schultheiß von Untersielmingen 1529-58, und von Gesamt-Sielmingen 1558-78
Emil Kemmler (1899-1971), langjähriger Pfarrer von Sielmingen 1928-1966
Andreas Schäffer (1868-1941), Lehrer am Lehrerseminar Heilbronn und Liederdichter
Georg Schurr (1887-1964), Bürgermeister von Untersielmingen 1919-23 und von Sielmingen 1923-45 und 1948-52
Hahn-Denkmal
Seit 1999 steht vor dem Bürgerhaus "Sonne" ein von Markus Wolf geschaffener Gedenkstein, welcher an den Schultheißen Jörg Hahn und seine berühmten Nachfahren erinnert.
Philipp Matthäus Hahn (1739-1790), Pfarrer und Erfinder
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831), Philosoph
Beate Paulus (1778-1842), Dichterin, Tochter von Philipp Matthäus Hahn
Eduard Mörike (1804-1875), Dichter
Christoph Ulrich Hahn (1805-1881), Pfarrer, Gründer des Roten Kreuzes in Württemberg
Christoph Friedrich v. Stälin (1805-1873), Landeshistoriker
Ferdinand v. Steinbeis (1807-1893), Präsident der Zentralstelle für Gewerbe und Handel
Gustav Werner (1809-1887), Pfarrer und Begründer der Werner'schen Anstalten in Reutlingen
Karl v. Gerok (1815-1890), Oberhofprediger, Dichter
Ottilie Wildermuth (1817-1877), Schriftstellerin
Jacob Brodbeck (1821-1910), Flugpionier in den USA
Max Eyth (1836-1906), Ingenieur, Schriftsteller
Wilhelm Maybach (1846-1929), Ingenieur
Theodor Heuss (1884-1963), Bundespräsident
Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), Theologe und Widerstandskämpfer
Gerd Wunder (1908-1988), Landeshistoriker
Hansmartin Decker-Hauff (1917-1992), Landeshistoriker
Die beiden Stammhäuser der Familie Hahn sind "Im Hof 1" (erbaut 1573) sowie "Bei der Kirche 1" (erbaut 1581). In Haus Bei der Kirche 1 wurde 1705 Georg Gottfried Hahn, der Vater des berühmten Philipp Matthäus Hahn geboren.
Bauliche Besonderheiten im Ortskern
Der Ortskern von Untersielmingen hat noch einen bemerkenswerten Bestand an alten Gebäuden. Dies hängt vor allem mit dem durch die Landwirtschaft begründeten Reichtum des Dorfes zusammen, so dass hier im 16. und 17. Jahrhundert eine große Zahl von zweistockigen Fachwerkhäusern gebaut wurde.
Die Oberamtsbeschreibung von 1851 wies auf das hohe Alter dieser Häuser hin. "Die Bauart der Wohnungen, welche häufig zweistockig sind, ist gut, sie stammen laut den an ihnen angebrachten Jahreszahlen meist aus der Zeit von 1550 bis 1620."
Man muss davon ausgehen, dass in jenen Jahrhunderten sämtliche Gebäude als Sichtfachwerk erbaut wurden. Heute sind an der Sielminger Hauptstraße sämtliche Fachwerkhäuser verputzt. Erkennbar ist das Fachwerk jedoch an den so genannten "Vorkragungen", d.h. jedes Stockwerk kragt ein Stück über das darunter liegende vor.
Siedlungsentwicklung
Siedlungsentwicklung von Untersielmingen
seit dem späten Mittelalter.
Kartengrundlage: Flurkarte von 1827.
Der älteste Siedlungskern war das Gebiet rings um die Kirche, der Rathausplatz und das Areal Im Hof. 1417 begann die Besiedlung entlang der Hauptstraße, ab 1700 wurde die gegenüber liegende Straßenseite aufgesiedelt.
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Den ältesten Kern von Untersielmingen bildeten die Häuser rings um die Kirche, der Rathausplatz sowie das Areal Im Hof. Hier befand sich ein Maierhof (Bei der Kirche 13/15), ein Großteil der Huben (Lehen) der Grafschaft Württemberg sowie des Reichslehens (Herren von Stammheim bzw. Herren Thumb von Neuburg). Eine wichtige Rolle spielte der Katzenbach, ein heute verdoltes Bächlein, das entlang der Heußstraße und der Hindenburgstraße floss. Ein alter Dorfmittelpunkt war der Dorfbrunnen vor dem Gebäude Hauptstr. 30/32 sowie die gegenüberliegende Wette Hauptstraße 15.
Interessant ist, dass viele der größten und bedeutendsten "Hufen" nicht an der Hauptstraße lagen, sondern entlang der Straßen Bei der Kirche, Rathausplatz und Im Hof. Möglicherweise führte ursprünglich die Durchgangsstraße nach Wolfschlugen hinter der Kirche und mündete am Rathaus in die Hauptstraße. Ein sichtbares Zeichen hierfür ist das 1559 erbaute Rathaus. Es ist nach zwei hin Seiten orientiert, nämlich zur Hauptstraße und zum Rathausplatz.
Die obere Sielminger Hauptstraße wurde erst später aufgesiedelt. Eine Urkunde von 1417 berichtet, dass auf dem (heutigen) Grundstücken Hauptstraße 52 bis 64 drei Häuser auf einem Acker errichtet wurden. Die Häuser auf der gegenüber liegenden Seite Hauptstr. 59 – 73 wurden erst ab dem Jahr 1700 aufgesiedelt.
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Literatur:
Nikolaus Back/Tilmann Marstaller: Untersielmingen - ein Dorf und seine Häuser.
Filderstadt 2002 (Filderstädter Schriftenreihe Band 16)
Chronik der Martinskirche
1275 Erste Erwähnung der Kirche
1310 Datum des noch erhaltenen Weihesteins der Vorgängerkirche
1489 Bau der heutigen Kirche, laut Baumeisterzeichen müsste Nikolaus Eseler d. J. der Baumeister gewesen sein. Aus der Erbauungszeit stammen die ersten vier Stockwerke des Turms sowie das Kirchenschiff mit Dachstuhl.
1737 Anbau des Chors
1740 Einbau einer barocken Kassettendecke mit dem württembergischen Herzogswappen und Einbau von Emporen
1750 Zerstörung der Kirchturmspitze durch Blitzschlag
1754 Bau einer barocken Turmhaube
1832 Einbau einer Orgel
1931 Grundlegende Umgestaltung des Inneren und Errichtung eines nördlichen Saalanbaus
1981 Umgestaltung des Inneren, die Orgel wird in den Chor versetzt
Literatur:
Die Martinskirche. Filderstadt 1989. (Filderstädter Schriftenreihe Band 2)
Die "Eydts-Tafel" im Sielminger Rathaus
Das Rathaus Sielmingen ist das größte und zugleich älteste Rathaus von Filderstadt. Laut einer Inschrift wurde es 1559 errichtet, als Ober- und Untersielmingen vorübergehend vereinigt waren. Es ist ein Fachwerkbau (verputzt), der nach allen vier Seiten vorkragt.
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Die "Eydts-Tafel"
Dieses Bild hängt im Eingangsflur des Rathauses und ist ein bedeutendes kulturgeschichtliches und rechtshistorisches Dokument, das vermutlich aus dem späten 17. Jahrhundert stammt.
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"Das Thema (...) ist in Bild und Schrift die Heiligkeit des Eides und die Sünde und Strafe des Meineides. In der Mitte die gekrönte Justitia auf der Weltkugel mit Schwert und Waage, über ihr auf Wolken die Dreifaltigkeit. Links und rechts halten Engel Schrifttafeln, ganz außen sind je sechs kleine Figurenszenen. Die Schrift beginnt mit einer ‚schönen Auslegung des Eyd-Schwörens', es ist dies die sehr alte Deutung der Schwurfinger: die drei ersten Finger, die beim Eid auszustrecken sind, bedeuten, beim Daumen beginnend, Gott Vater, Gott Sohn und HeiligerGeist. Die Dreifaltigkeit wird also durch die Hand des Schwörenden abgebildet, wobei der Segensgestus von Gott Vater und Christus gemäß früherer Tradition genau dem Schwurgestus entspricht. Die ursprünglich heidnisch-magische Vorstellung, dass die überirdische Macht im Schwörenden unmittelbar anwesend und tätig ist, wirkt in christlicher Zeit fort. Noch die heutige - freigestellte - religiöse Bekräftigung des Eides – ‚so wahr mir Gott helfe' - enthält davon einen Nachklang."
Im weiteren Text der Sielminger Tafel folgen Selbstverfluchungen für den Fall des Meineids, bis hin zur Verdammung im Jüngsten Gericht. (...) Die Figurenszenen außen wiederholen noch einmal diese Ermahnungen.
Bildliche Aufrufe der Parteien und Zeugen zur Wahrheit gehörten mindestens seit dem späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert zur Ausstattung der Gerichtsstuben in den städtischen und dörflichen Rathäusern." (Fritz Endemann)
In städtischen Rathäusern wurden solche Gerechtigkeitsbilder vielfach zu ganzen Zyklen ausgeweitet. Südwestdeutsche Beispiele sind die Rathäuser von Ulm, Tübingen, Schorndorf oder (in Kopie) Schwäbisch Hall.
Da auch in Dörfern Recht gesprochen wurde, statteten auch Dörfer ihre Ratssäle mit solchen einfacheren Bildern (statt Fresken) aus. Die Sielminger Eidstafel ist eine der wenigen, die sich in ländlichen Rathäusern erhalten haben.
Besichtigung während der Dienststunden des Rathauses möglich.
Tel. 07158/9045-0
Sielmingen und das Filderkraut
Sielmingen verfügt über eine große Gemarkung mit hochwertigen landwirtschaftlichen Böden.
Diese guten Böden sind Voraussetzung für den Anbau von Kraut. Zwar wurde Kraut schon 1701 als Feldpflanze erwähnt, im großen Stil wurde es jedoch seit dem 19. Jahrhundert auf dem Feld gepflanzt. Durch den Bau der Filderbahn 1897 konnte der Krauthandel modernisiert werden: Die Sielminger Bauern beluden auf dem Sielminger Bahnhof einen Eisenbahn-Waggon mit Kraut und schickten ihn an den Bestimmungsort, also z. B. nach Oehringen, Reutlingen oder ins Filstal. Sie selbst fuhren dann mit dem Pferdefuhrwerk an den Zielort und belieferten mit ihrem Fuhrwerk die Großkunden wie Gastwirtschaften oder Lebensmittelgeschäfte und natürlich auch Privatkunden. Auch nachdem die Pferde in den 50er Jahren durch Traktoren ersetzt wurden, verkauften die Sielminger Bauern ihr Kraut selbst. Heute wird auf Wochenmärkten, an Kantinen oder Gastwirtschaften verkauft.
In der Hans-Han-Straße befindet sich die Krautfabrik Schweizer. Sie wurde 1927 gegründet und ist heute die größte Krautfabrik der Filder mit einem Zweigbetrieb in Großgottern in Thüringen. Der Schwerpunkt liegt auf Demeterproduktion.
Anschrift: Sauerkrautfabrik Schweizer, Hans-Han-Str. 8 – 14, Tel. 07158/8238
Die Gemeindereform von 1923
Zusammenlegung von Unter- und Obersielmingen
Die Gemeinden Ober- und Untersielmingen hatten über Jahrhunderte eine völlig selbstständige Entwicklung genommen - sieht man einmal von einer gerade 22 Jahre dauernden Vereinigung zwischen 1558 und 1580 ab.
Während der Zeit der Weimarer Republik waren vielfältige Verwaltungsreformen geplant. Angesichts der Tatsache, dass 71% der württembergischen Gemeinden weniger als 1000 Einwohner hatten, erschien eine Gemeindereform als dringend notwendig, um die Gemeindeverwaltung zu professionalisieren. Tatsächlich ließ sich eine solche Reform nicht durchsetzen, Sielmingen gehört deshalb zu den ganz wenigen erfolgreichen Beispielen der 20er Jahre.
1919 machte der Stuttgarter Oberamtmann (= Landrat) einen ersten Versuch, als der Untersielminger Schultheiß Rohleder nach Echterdingen wechselte. Wilhelm Faber, Schultheiß von Obersielmingen hätte nun die Leitung der Gesamtgemeinde übernehmen sollen. Dieser hatte jedoch gewisse Vorbehalte und fürchtete, in Untersielmingen nicht akzeptiert zu werden.
Nach einigen Wochen schlug plötzlich die Stimmung in der Bevölkerung von einer anfänglichen Zustimmung in Ablehnung der Zusammenlegung um.
Vier Jahre später - im Frühjahr 1923 - machte der Oberamtmann einen erneuten Versuch.
Er hatte einen engen Bündnispartner im neuen Untersielminger Schultheißen Georg Schurr, welcher Aussicht hatte, der erste Schultheiß der Gesamt-Gemeinde zu werden. Tatsächlich gelang es ihnen, in nur vier (!) Wochen, die Gemeinderäte beider Dörfer zu überzeugen und einen "Einigungsvertrag" zu entwerfen, der die Regularien der Vereinigung beider Gemeinden enthielt. Der Obersielminger Schultheiß Faber wurde an die Landesversicherungsanstalt versetzt.
Am 1. April 1923 vereinigten sich die beiden Gemeinden Obersielmingen (ca. 650 Einwohner) und Untersielmingen (ca. 1100 Einwohner).
Das malerische neobarocke Rathaus von Obersielmingen (Lange Str.31) wurde zum Kindergarten umfunktioniert, heute wird es von mehreren Vereinen genutzt.
Brunnen und Wasserversorgung
Beim Thema Brunnen zeigte sich in besonderem Maße die Trennung zwischen Ober- und Untersielmingen.
Während die Gemeinde Obersielmingen 1904 beschloss, dem Zweckverband Filderwasserversorgung beizutreten, entschied sich Untersielmingen, aus den auf der eigenen Gemarkung liegenden Quellen eine Quellwasserversorgung zu bauen.
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1. Fassbrunnen
2. Brunnen Hauptstr. 55
3. Brunnen Hauptstr. 45
4. Wettebrunnen
5. Laichbrunnen
6. Rathausbrunnen*
7. Brunnen im Hof*
8."Rennelesbrunnen"
9. Brunnen bei Stäblers Haus*
10. Wettebrunnen Obersielmingen
11. Brunnen Osterstraße*
12. Brunnen Frongasse
13. Brunnen bei Häußlers Haus*
14. Schafhaus-Brunnen*
* heute nicht mehr vorhanden
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Seit 1907 erhält Obersielmingen sein Wasser von der Filderwasserversorgung aus Neckartailfingen.
Was war der Hintergrund für die Untersielminger Entscheidung ?
Untersielmingen war in der glücklichen Lage, dass sich oberhalb des Ortes (Richtung Wolfschlugen) vier Quellen befanden, die so ergiebig waren, dass sie mehrere Laufbrunnen speisen konnten.
Bei den Laufbrunnen musste die Brunnenstube höher liegen, um genügend Wasserdruck zu erzeugen. Aus diesem Grund musste eine aufwendige Wasserleitung gebaut werden, um die Laufbrunnen in der Ortsmitte mit Wasser zu versorgen. Die ältesten Brunnenleitungen wurden schon im 16. Jahrhundert erwähnt, 1865 wurde eine zusätzliche Brunnenleitung gebaut. Aufgrund dieser Quellen wurden die folgenden Brunnen gebaut: Fassbrunnen, Brunnen vor Hauptstraße 45, Brunnen vor Hauptstraße 55.
1904 war man nun der Meinung, die neu erbaute Wasserleitung mit diesen Quellen speisen zu können (um dadurch viel Geld zu sparen). Tatsächlich erwiesen sich diese Quellen jedoch in trockenen Sommern als viel zu schwach.
Erst beim Zusammenschluss von Ober- und Untersielmingen 1923 erhielten auch die Untersielminger ihr Wasser aus der Fernwasserleitung.
Leider wurden sämtliche alte Brunnentröge entlang der Sielminger Hauptstraße bei Straßenbauarbeiten in den 50er und 60er Jahren entfernt.
In Obersielmingen gab es hingegen überwiegend Pumpbrunnen. Der einzige wirklich historische Brunnen befindet sich in der Heckenrosenstraße.
Wassernutzung am Fleinsbach: Die Sägemühle in der Bahnhofstraße
Diese Sägemühle ist eine der ältesten auf den Fildern. 1793 baute hier der Zimmermann Zacharias Schäffer eine Ölmühle, drei Jahre später eine Sägemühle. Rund 250 m oberhalb der Sägemühle wurde der Fleinsbach durch ein Wehr gestaut und das Wasser in einen eigenen Kanal geleitet. Hierbei entstand ein Gefälle von vier Metern.
Die Ölmühle wurde vermutlich in den 1860er Jahren aufgegeben.
1896 wurde das Sägewerk modernisiert und mit einem Dampfkessel mit 20 PS Leistung betrieben. Weithin sichtbar war der 21 m hohe Schornstein. Dennoch wurde die Wasserkraft bis in die 20er Jahre genutzt. Nach einem Brand im Jahr 1930 wurde die Sägemühle wieder aufgebaut, nun aber mit elektrischem Strom betrieben. In den 50er Jahren wurde das alte Sägewerk (Bahnhofstraße 23) abgebrochen und in unmittelbarer Nähe am heutigen Standort neu aufgebaut.