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Der Ankunft der 600 jüdischen Häftlingen auf den Fildern gedacht

Der dunklen Vergangenheit ein Licht der Zukunft entgegensetzen

FILDERSTADT. Der Abend dämmert. Ein eisiger Wind fegt über die Gedenkstätte am US-Airfield zwischen Bernhausen und Echterdingen. Die Kälte erfasst auch die Gruppe, die sich an diesem Ort versammelt hat. Diese Menschen erinnern sich der 600 jüdischen KZ-Häftlinge, die am 21. November 1944 auf die Filder verschleppt wurden, um auf dem Flughafen Stuttgart sowie in den benachbarten Steinbrüchen Zwangsarbeit leisten zu müssen. Mindestens 119 von ihnen kamen dabei zu Tode - durch unbarmherzige Bedingungen bei unzureichender Ernährung und bitterer Kälte.

Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub blickt an diesem eiskalten Spätherbstabend zurück: „Auch dieses KZ-Außenlager war Teil der damaligen NS-Vernichtungsstrategie.“ In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Gräbern der beigesetzten jüdischen Häftlinge mahnt das Stadtoberhaupt: „Es ist uns eine Verpflichtung, ihrer und der Millionen anderer Opfer zu gedenken.“Dies unterstreicht auch Colonel Corson als Vertreter der dort stationierten US-Army: „Wir müssen aus der Vergangenheit lernen. Diese Geschichte darf sich nicht wiederholen, der Frieden auf der Welt muss erhalten bleiben.“ Es sei ihm eine Pflicht, den Opfern des NS-Regimes seine Ehre zu erweisen. Rabbiner Trebnik von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs stellt der schmerzhaften und dunklen Vergangenheit für die Zukunft das Licht von „Hanukkah“ (des jüdischen Lichterfests) entgegen. Sein Appell mit Blick auf die leidvolle Geschichte: „Nie wieder!“

Seit Sommer 2018 befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte ein in deutsch-französischer Kooperation entstandenes Kunstwerk mit dem Titel „Fraternité – Brüderlichkeit“. Sabine Schäfer-Gold, die Vorsitzende des Vereins „Künstler der Filder“, führt in das Werk von Marie-Jo Daloz und Veronika Olma ein: „Zwei Stile finden nebeneinander Platz: eine dunkle ,Vergangenheit‘ und eine lichtere ,Zukunft‘.“ Der Ausblick Schäfer-Golds: „Was bleibt? Erinnerung lebendig erhalten heißt: etwas tun, neue Wege gehen, bunte Bilder den grauen Erinnerungen entgegensetzen!“

Die Gedenkfeier, die von den Stadtarchiven Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen organisiert wurde, umrahmt die israelische Musikerin Revital Herzog. Im Sinne des Veranstaltungsmottos „Fraternité - Brüderlichkeit“ trägt Fereshteh Hoseini, die aus Afghanistan geflohen ist und seit drei Jahren in Deutschland lebt, einige berühmte Zitate vor:

• „Ich träume von einem Europa, das sich um das Kind kümmert, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahme suchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet.“ (Papst Franziskus)• „Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit“ (Martin Luther-King)• „Ohne eine universelle Brüderlichkeit werden wir die Gefahren nicht bestehen, die unsere ureigene Existenz bedrohen“ (Dalai Lama). Zum Abschluss der Gedenkfeier enthüllen Oberbürgermeister Christoph Traub (Filderstadt) und Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell (Leinfelden-Echterdingen) die 2018 verliehene Plakette des europäischen Kuturerbe-Siegels an der Gedenkstätte. (sk)