Weltweite Energiekrise erfordert auch kommunales Handeln:

Filderstadt setzt Energiesparkurs fort

FILDERSTADT. Die weltweite Energiekrise macht natürlich nicht vor kommunalen Stadtgrenzen Halt. Aus diesem Grund setzt die Große Kreisstadt Filderstadt ihren bereits seit Jahren eingeschlagenen Sparkurs konsequent fort und lotet zudem weitere Einsparpotenziale aus.

Schon seit vielen Jahren gehen Stadtverwaltung und Gemeinderat diesen Weg gemeinsam - nicht zuletzt zum Schutz des Klimas und aus wirtschaftlichen Überlegungen. Es wird Energie gespart, wo immer dies möglich ist. So gehören zahlreiche Maßnahmen, die derzeit andernorts als „Neuheiten“ gefeiert und öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt werden, in Filderstadt schon längst zum (technischen) Standard.

Beispiele hierfür sind unter anderem die Stellenschaffungen eines kommunalen Energiemanagements (seit 2006) oder eines Klimaschutzmanagements (seit 2015), die Dienstvereinbarung über das Energiesparen in städtischen Gebäuden (seit 2012), die Umstellung des städtischen Fuhrparks auf E-Mobilität, die Halbnachtschaltung (das Dimmen) beziehungsweise die Nachtabschaltung der Straßen- und Radwegbeleuchtung (seit 2009), der städtische Verleih von Strommessgeräten an die Bevölkerung, Stromsparwettbewerbe, Ausstellungen zum Klimaschutz, nachhaltigen Konsum und zur Solarnutzung, Solaroffensiven und -karawanen, Förderprogramme in Sachen Heizpumpen- und Kühlschranktausch sowie Balkonkraftwerke, die Abschaffung büroeigener Drucker (stattdessen: zentrale Druckstationen), die Umstellung der Deckenbeleuchtung, des Arbeitslichts sowie der Bühnenscheinwerfer auf LEDs in der FILharmonie, der Verzicht der Folierung von Büchern in der Stadtbibliothek, die frühzeitige Digitalisierung des VHS-Anmeldeverfahrens sowie der Honorarvertragsabwicklung und vieles mehr.

Auch ihre Mitarbeitenden hat die Stadtverwaltung im Blick. So erhalten Beschäftigte einen ÖPNV-Zuschuss in Höhe von 75 Prozent. Zudem wird denjenigen eine Förderung gewährt, die mit dem Rad von und zur Arbeit fahren, und dazu passend gibt es einen erst jüngst beschlossenen stattlichen Zuschuss für den Fahrradkauf und das Fahrradleasing.

Die (nicht vollständige) Liste der bereits durchgeführten Maßnahmen ist lang – umfasst nahezu 50 Einzelpunkte.

Weitere Einsparoptionen werden durchgespielt

Nach Ausbruch der globalen Energiekrise in 2022 hat sich die Situation vor Ort - natürlich auch in Filderstadt – verschärft. Für Oberbürgermeister Christoph Traub und sein Verwaltungsteam ein ernster Anlass, in Sachen Energieeinsparpotenziale noch einmal genau hinzusehen und auch sämtliche (bereits umgesetzte) Maßnahmen erneut zu überprüfen. Darüber hinaus werden zusätzliche Einsparoptionen durchgespielt. Was kann weiter runtergefahren werden? An welchen Stellschrauben muss verstärkt gedreht werden? Welche Bereiche gilt es vielleicht ganz zu überdenken oder gar in Frage zu stellen?

Natürlich geht es nicht „nur“ um die weltweite Gasmangellage – der komplette Energiebereich ist längst betroffen. Ein Krisenstab aus sämtlichen städtischen Ämtern, Referaten und Eigenbetrieben hat jetzt alle Aufgabengebiete durchforstet und weitere Sparmöglichkeiten zusammengetragen. Nach Prüfung durch die Gesamtverwaltung sollen diese nun sukzessive und – wenn möglich – zeitnah umgesetzt werden. Das Maßnahmenbündel trifft ausnahmslos alle Abteilungen der Stadtverwaltung. Knapp 40 neue Vorschläge sind eingegangen. Natürlich fußen zahlreiche geplante energetische Einschränkungen auch auf Vorgaben des Bundes und des Landes.

Beispiele für die geplanten Neu-Umsetzungen sind die Nicht-Mehr-Beheizung von Fluren, Foyers und Technikräumen in Verwaltungsgebäuden, die maximale Heiztemperatur in städtischen Büros von 19 Grad Celsius, das Ausschalten von Warmwasserboilern fürs Händewaschen sowie der Effektbeleuchtung von Gebäuden oder Denkmälern, die starke Einschränkung der Klimatisierung in der Verwaltung, das Vorantreiben der kompletten Umrüstung auf LEDs, das Nachrüsten von Bewegungsmeldern fürs Licht, die Beschränkung von Warmwasser auf Küchen, der Kauf von IT-Artikeln mit bestimmten Labels, die ausschließliche Errichtung von Neubauten in höchster Energieeffizienzklasse, das Ausschalten von Durchlauferhitzern, Schulungen fürs städtische Personal sowie andere und, und, und. Beispiellisten (alte und neue Maßnahmen) sind dieser Pressemitteilung beigefügt.

Entscheidungen erfordern die Beleuchtung aller Aspekte

Es besteht kein Zweifel. Globales wie kommunales Handeln sind das dringende Gebot der Stunde. Doch bei aller Notwendigkeit des verantwortungsvollen Energiesparens gibt das Stadtoberhaupt zu bedenken, dass das „Sparen nicht um des Sparens willen“ erfolge, sondern jede einzelne Maßnahme vor allem eins müsse – sinnvoll und zweckmäßig sein. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Oberbürgermeister unter anderem auf die Ängste vieler Menschen in der Stadt, die er sehr ernst nehme. Traub: „Wenn Straßen, Einkaufsbereiche oder Läden in den Abend- und Nachtstunden nicht mehr beleuchtet sind, ist das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung – nicht nur von Jugendlichen und Frauen - oftmals gestört. Diese Aspekte müssen wir in unseren Abwägungsprozessen ebenfalls berücksichtigen.“ Es könne, so der Rathauschef, nicht alles, „was uns in der Gesellschaft wichtig ist“, auf einmal über Bord geworfen werden. Jede Maßnahme sei letztlich eine Einzelfallentscheidung – und dies zum Wohle aller Filderstädter*innen. (sk)

Maßnahmen, die in Filderstadt schon vor der Gasmangellage/August 2022 umgesetzt worden sind

  1. Schaffung Stelle Kommunales Energiemanagement
  2. Schaffung Stelle Klimaschutzmanager*in
  3. Dienstanweisung Dienstgebäude: Energie ist sparsam einzusetzen
  4. Beschaffungsvorgabe für technische Geräte; Energieeffizienz
  5. Geräte nur über abschaltbare Steckerleisten betreiben und Steckerleiste abends ausschalten (dient auch dem Brandschutz)
  6. Büromöblierung, optimiert zu Heizkörpern
  7. Städtischer Fuhrpark (E-Mobilität, Abgasnormen, et cetera)
  8. Betrieb Klimatisierung Konferenzräume Verwaltungsgebäude nur bei Veranstaltung
  9.  Berücksichtigung von Energiekosten als Wertungskriterium kosten für die Dauer der Laufzeit des Vertrags)
  10. Berücksichtigung der Transportwege als Wertungskriterium bei Beschaffungen, zum Beispiel bei Rahmenverträgen für Papier und Bürobedarf
  11. Verzicht auf büroeigene Drucker, nur noch zentrale Druckerstationen
  12. FILharmonie: Großteil der Deckenbeleuchtung auf LED umgestellt
  13. FILharmonie: Das Arbeitslicht auf der Bühne wurde auf LED umgestellt (90 Prozent Einsparpotenzial)
  14. FILharmonie: Austausch einer großen Anzahl von Bühnenscheinwerfern (Verbrauchsreduzierung von 1.000 auf 180 Watt je Scheinwerfer)
  15. FILharmonie: Austausch der Kochblockanlage in der Küche –> Induktion
  16. FILharmonie: Manuelle Steuerung der Außenbeleuchtung abhängig von der Dauer der Veranstaltungen
  17. FILharmonie: Optimierung der Lüftungssteuerung
  18. Stadtbibliothek: keine Folierung von Büchern
  19. VHS: frühzeitige Digitalisierung des Anmeldeverfahrens
  20. VHS: frühzeitige Digitalisierung der Honorarvertragsabwicklung
  21. Sozialer Dienst: komplette Digitalisierung der Akten, keine Handakten mehr vorhanden
  22. VHS-Schulungen für die Öffentlichkeit (Energie sparen; Nachhaltigkeit; Klimaschutz)
  23. Digitaler Sitzungsdienst (Verwaltung und Gemeinderat)
  24. Einführung Dokumentenmanagementsystem
  25. Straßenbeleuchtung, Halbnachtschaltung
  26. Radwegbeleuchtung, Halbnachtschaltung beziehungsweise Nachtabschaltung
  27. Verleih Strommessgeräte
  28. Herausgabe aktueller Listen sparsamer Haushaltsgeräte
  29. Stromsparwettbewerbe
  30. Kurse für Mitarbeitende zu spritsparender Fahrweise
  31. Ausstellungen: Klimaschutz, nachhaltiger Konsum,Solarnutzung
  32. Jahresheft „Natur- und Umweltschutz in Filderstadt“ zum Thema Klima/Energie
  33. Ausbildung von Energie-Mentor*innen am Bildungszentrum Seefälle für jede Klasse
  34. 50/50-Projekt am Bildungszentrum Seefälle
  35. Solaroffensive (Infokampagne)
  36. Solarkarawane (Beratung)
  37. Energiesparberatungen
  38. Kampagne „Sportlich zum Sport“
  39. Thermografien von Privatgebäuden mit anschließender Beratung
  40. Förderprogramm Heizpumpentausch
  41. Förderprogramm Kühlschranktausch
  42. Förderprogramm Balkonkraftwerke
  43. Beratungsangebot Heizungstausch
  44. Schulungen der Auszubildenden zum Klimaschutz
  45. Schulung der Erzieher*innen zum Klimaschutz
  46. Erstellung der Klima- und Umweltkisten (KUKIS) für Kindergärten
  47. Herausgabe von Energie- und Stromspartipps
  48. Zuschuss in Höhe von 75 Prozent für öffentlichen Personennahverkehr für Beschäftigte
  49. Zuschuss mit dem Rad von und zur Arbeit für Beschäftigte
  50. Zuschuss für den Fahrradkauf und das Fahrradleasing für Beschäftigte

Maßnahmen, die ab September 2022 umgesetzt werden

  1. Flure, Foyers, Technikräume nicht mehr beheizen.*
  2. Büros auf maximal 19 Grad Celsius beheizen*
  3. Einzelboiler für Händewaschen AUS schalten, zentrale Warmwasserbereitung nicht unter 60 Grad Celsius*
  4. Effektbeleuchtung von Gebäuden oder Denkmälern sollen ausgeschaltet werden*
  5. Beleuchtung von Werbeanlagen ausschalten von 22 bis 6 Uhr*
  6. Jährliche Durchführung eines Heizungschecks an allen Gasheizungen*
  7. Pflicht zum hydraulischen Abgleich (Firmen und öffentliche Gebäude ab 1.000 Quadratmeter Nutzfläche beziehungsweise ab sechs Wohneinheiten)*
  8. Pflicht zum Austausch ungesteuerter Pumpen für Heizung und Zirkulation*
  9. Die Einregelung der Gebäude mit Gebäudeleittechnik (GLT) ist durch das Kommunale Energiemanagement (KEM) vollzogen worden. Einzelne Gebäude werden noch überprüft.**
  10. Schulung der Mitarbeitenden durch Klimaschutzmanagement (KSM) und Kommunales Energiemanagement (KEM). Schwerpunkte: Energiesparen, Energieeffizienz in Büro und Küche, gegebenenfalls angepasst**
  11. Schulung der Gebäudenutzenden in den Schulen: Verwaltungsmitarbeitende sowie gegebenenfalls Schüler*innen mit Verantwortung (SMV)**
  12. Temperatur in allen Sporthallen im Empfehlungsbereich halten.**
  13. Nur technisch notwendige Klimatisierung aufrecht erhalten, Komfortklimatisierung untersagen/abschalten**
  14. LED-Umrüstung vorantreiben (Budgetplanung)**
  15. Bewegungsmelder für Licht nachrüsten, trotzdem Lichtschalter auch zum AUS schalten nutzen**
  16. Verkehrswege in Gebäuden geschossweise mit Bewegungsmeldern ausstatten**
  17. Gebäude energetisch sanieren, Sanierungsquote festlegen**
  18. Zum besseren Einsatz von Microsoft Teams eine Kamera für jede/n Mitarbeiter*in (dadurch weniger Fahrten)**
  19. Notwendige Lüftungsanlagen im Bestand modernisieren mit Frequenzumwandler, Wärmerückgewinnung und MSR-Technik**
  20. Ampeln wo möglich abschalten – zumindest von 23 bis 5 Uhr**
  21. Weihnachtsbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit in Klärung**
  22. Schnelle Sanierungsmaßnahmen: zum Beispiel Wärmereflektion hinter Heizkörpern im Gebäude Uhlbergstraße 33**
  23. Anpassung der Leuchtzeit des Filderstadt-Schriftzugs wird geprüft beziehungsweise umgesetzt (SELGROS-Parkhaus)**
  24. Ausschalten von Stand-by-Geräten außerhalb der Steckerleiste**
  25. Beschaffung von Thermometern, um das subjektive Temperaturempfinden der Beschäftigten besser bewerten zu können**
  26. Sensibilisierung der Bevölkerung**
  27. Dienstfahrten (Einhaltung Dienstanweisung)***
  28. Anweisung: Kühlschränke auf geringstmöglicher Stufe betreiben, sodass die erforderliche Kühltemperatur erreicht wird, nicht tiefer***
  29. Warmwasser in Verwaltungsgebäuden nur in Küchen***
  30. Außenbeleuchtung von städtischen Gebäuden nur während der Öffnungszeiten beziehungsweise Nutzungszeiten, gegebenenfalls Anbringung von Bewegungsmeldern bei Zugängen von Sporthallen (Licht nur erforderlich kurz vor/nach Trainingseinheiten – jedoch Sicherheitsaspekt berücksichtigen)***
  31. Kauf von IT-Technik mit TCO-Label ***
  32. Neubauten nur in höchster Energieeffizienzklasse***
  33. Schwachstellen hinsichtlich Wärmeverluste mit einer Wärmebildkamera aufdecken und entsprechend behandeln; Zugluftstopper an Bürotüren, gegebenenfalls auch an Fenstern***
  34. Keine Nutzung von Aufzügen von nicht körperlich eingeschränkten Mitarbeiter*innen. Nur bei Lasten (zum Beispiel Amtsboten, Wahlen et cetera) Aufzug nehmen.***
  35. Durchlauferhitzer ausschalten***
  36. Entfall des Warmbadetags im Gartenhallenbad (Oktober bis April)***
  37. Austausch sämtlicher Verdampfer in der Kleinkälteanlage***
  38. Aufruf an alle Mitarbeitenden, nicht benötigte Internetseiten zu schließen***
  • * Verordnung des Bundes VO § 30 EnSiG
  • ** Empfehlungen von Land, Städtetag, Gemeindetag und Klima- und Energieagentur (KEA)
  • *** Initiative der Stadt