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30. Kunstschultag zum 30. Geburtstag der KSF in Plattenhardt

Ein Ort, an dem sich Menschen verändern können“

FILDERSTADT. „Eine Kunstschule ist kein Ort, wo Kunst erschaffen wird. Sie ist vielmehr ein Ort, an dem sich Menschen verändern können“, sagt ein Mann, der ganz genau weiß, wovon er spricht: Ali Schüler. Der Leiter der Filderstädter Begegnungs- und Bildungseinrichtung (KSF) hat im Rahmen des 30. Kunstschultags von Baden-Württemberg zahlreiche Gäste – darunter auch Kulturministerin Dr. Susanne Eisenmann – an der Schulstraße in Plattenhardt begrüßt.

30. Kunstschultag „im Ländle“, 30 Jahre Kunstschule Filderstadt – das Doppeljubiläum zeigt eines: „Wir waren von Anfang an dabei“, berichtet Ali Schüler nicht ohne Stolz. Beim offiziellen Startschuss der Fachtagung unter dem Titel „inside/outside – Vernetzungskonzepte für die Zukunft“ in Plattenhardt sprach der KSF-Leiter über den Kern (das Wesen) „seiner“ Einrichtung: „Bei uns bekommen Menschen - egal welchen Alters und welcher Herkunft - einen Raum, keine Grenzen, sich selbst und die Welt zu entdecken.“ Und dies schaffe, so der Fachmann, „eine innere Haltung sowie Werte fürs Leben“.

Ali Schüler zum weiteren Selbst-Verständnis der KSF: „Kunst ist kein Elfenbeinturm, der von elitären Interessierten besucht wird. Nein. Wir gehen auch zu den Menschen hin.“ Als Beispiele hierfür nannte er unter anderem die zahlreichen Kooperationen mit örtlichen Schulen – insbesondere in der Ganztagesbetreuung. Die erfolgreiche Netzwerkarbeit der Filderstädter Kunstschule führt deren Leiter auf eines zurück: auf die Menschen, die hinter der KSF stehen – auf sein engagiertes Team, die kompetenten Dozenten, die Fördervereinsmitglieder sowie viele Ehrenamtliche in der Stadt. Ihnen allen sagte Schüler ein ebenso ehrliches wie wertschätzendes „Danke!“.

Rasante Entwicklung

Gerade im „Rückspiegel“ der Zeit wird die rasante Entwicklung, die die KSF in den letzten Jahren genommen hat, erst richtig deutlich: Gestartet 1989 mit 25 Kursen für Kinder und 13 für Erwachsene, zählt die populäre Einrichtung heute jährlich 500 Veranstaltungen (Kurse, Workshops, Projekte, Ausstellungen, Exkursionen,…), die von stolzen 70 Dozenten begleitet und von rund 7.000 Teilnehmenden jeden Alters besucht werden. Nicht ohne Grund sprach auch Oberbürgermeister Christoph Traub in Sachen Kunstschule von einem „Standortfaktor“ – genauer von einem „echten Qualitätsmerkmal von Filderstadt“. Die geleistete Arbeit sei, so der Rathauschef, von großer Bedeutung für die „Zukunft unserer Stadtgesellschaft“, sprich für die soziale Quartiersentwicklung. Dort würden Menschen - unabhängig von Alter und Herkunft - angeleitet, sich selbst auszuprobieren. Traub: „Die Akteure nehmen sich dann selbst als lebendig, kompetent und kreativ wahr. Dies schafft auch Selbstbewusstsein.“ So habe ein KSF-Besuch vielerlei „Folgen“… Das Stadtoberhaupt würdigte die Leistungen und Verdienste der „im positiven Sinne eigenwilligen Menschen der Kunstschule Filderstadt“. Kunstschulen bezeichnete Traub als „kreative Tankstellen“.

Mit nur wenigen Argumenten überzeugte das Stadtoberhaupt mit seiner These: „Filderstadt ist Kunst, Filderstadt lebt Kunst, Filderstadt hat Kunst“. In diesem Zusammenhang erinnerte Traub beispielsweise an das „Zusammenwürfeln“ von fünf ehemals selbständigen Gemeinden 1975 zum Kunstgebilde Filderstadt sowie an die Existenz der KSF, die stets garantiere, dass Kunst in der Großen Kreisstadt gelebt und auch besessen würde.

„Nicht nur verbale, auchfinanzielle Unterstützung notwendig“

In ihrer Rede hob Kultusministerin Susanne Eisenmann die wichtige Rolle der (Jugend-) Kunstschulen in der Gesellschaft hervor – sei es als kompetente Kooperationspartner, die den Bildungsauftrag der Schulen professionell ergänzten, sei es als Vermittler kultureller und ästhetischer Werte. Die Förderung dieser wertvollen Arbeit müsse unterstützt werden – „nicht nur verbal, sondern auch finanziell“. Daher sagte die Politikerin den Kunstschulvertretern sowie den weiteren Gästen der Veranstaltung zu, sich beim Land für einen Zuschuss für die Personalkosten in den Einrichtungen stark zu machen.

Gleiches versicherte auch der Landtagsabgeordnete Jürgen Walter (der Sprecher für kulturelle Bildung der Grünen im Landtag). Diese Thematik solle im nächsten Doppelhaushalt behandelt werden. Seine Überzeugung: „Der kulturelle Bereich müsse endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die ihm zustehe.“ Gerade vor dem Hintergrund einer sich rasant verändernden Gesellschaft sowie von aufkeimenden „rechtsextremistischen Tendenzen“. Walter: „Mit ihrer Arbeit leisten Kunstschulen einen wichtigen Beitrag gegen Angreifer auf unsere Gesellschaft.“

39 Kunstschulen im „Ländle“

Im Namen der 39 Kunstschulen (an über einhundert Standorten) in Baden-Württemberg überbrachten Christine Lutz und Sabine Brandes vom KS-Landesverband ein Grußwort. Darin unterstrichen sie erneut die Notwendigkeit einer finanziellen Absicherung der wertvollen Arbeit der Kunstschulen durch das Land. Ihr Ausblick: „Damit sichern Sie die kreative Zukunft – gerade auch von Kindern und Jugendlichen.“ Zur Einstimmung in die Fachtagung „Inside/outside“ in Filderstadt gab anschließend Performance-Künstlerin und Wissenschaftlerin Sara Schwienbacher einen theoretischen Impuls zur „künstlerischen Intervention als Modell der Kommunikation“. (sk)