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Filderstadt schafft Präsentationsort für dieDomberger-Sammlung samt neuem Bildungsangebot

FILDERSTADT. Was derzeit in der Plattenhardter Uhlbergstraße sorgfältig verwahrt in Schränken und Mappen ruht, ist Kunst und Zeitgeschichte zugleich: Mehr als zweitausend Exponate dokumentieren nicht nur die Zusammenarbeit des Ateliers Domberger mit internationalen Künstlern der Moderne – sie zeichnen auch mehr als 50 Jahre Siebdruck-Entwicklung nach. Grund (und Anschauungsmaterial) genug, um Schubladen und Werkstätten zu öffnen: Auf rund 270 Quadratmetern soll eine Ausstellungs- und Präsentationsfläche entstehen. Zudem soll erlebbar werden, was die Kunst und das Handwerk des Siebdrucks ausmacht.

Noch warten in der ersten Etage des Domberger-Gebäudes strahlend weiße Wände auf die farbintensiven Werke und ihre Bewunderer. Doch nach der Eröffnung – geplant ist das erste Halbjahr 2020 – sind sowohl Fachleute als auch interessierte Laien, Schüler oder Studenten eingeladen, sich von den Originalen inspirieren zu lassen. Daneben wird es die Möglichkeit geben, die Welt des Siebdrucks selbst zu erkunden.

Geschenk für die Öffentlichkeit

Für Oberbürgermeister Christoph Traub ist die umfangreiche Sammlung von Serigrafien, Zeichnungen und Druckvorlagen, die sich seit 2009 in der Obhut des Landes befindet und als Leihgabe in Filderstadt gehütet wird, nichts weniger als „ein Geschenk“, das mit dem neuen Konzept der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. „Wir wollen die Werke nicht nur verwahren, sondern als wahren Schatz präsentieren“, sagte der Rathauschef bei der Vorstellung der Pläne. Die Suche nach einem geeigneten Rahmen habe sich sehr aufwendig gestaltet, so Traub. Mit der aktuell vom Gemeinderat beschlossenen Anmietung einer Etage „an historischer Stätte“ zeigten sich die beteiligten Fachämter nun aber hochzufrieden.

Claudia Vöhl, Volkshochschul-Chefin und Leiterin des Amtes für Bildung, Kunst und Kultur, hatte gemeinsam mit Ina Penßler, die für das Kunstbüro und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet, die Konzeption über mehrere Jahre hinweg vorangetrieben. „Kunst konkret erlebbar machen und Wissen nach außen vermitteln“, so beschrieben die Fachfrauen das Vorhaben. Am praktischen Beispiel lasse sich sehr anschaulich darstellen, was die Qualität eines Siebdrucks ausmache, erläuterte Claudia Vöhl. Dass die auch vom Land Baden-Württemberg gewollten musealen Räume zudem an authentischer Stätte verortet werden können, sei ein Glücksfall. Nach ihrer Überzeugung wird das neuartige Angebot weit über die Region hinaus Beachtung finden.

Kuratoren begleiten Laien

Ina Penßler führt derweil noch letzte Gespräche mit externen Kuratoren, die den Blick für die handwerklich-technischen Grundlagen eines perfekten Drucks schärfen sollen. „Dies war immer ein Ort der praktischen Auseinandersetzung mit ganz besonderen Werken der jüngeren Kunstgeschichte“, betonte sie.

Einer der begleitenden Kuratoren – so viel kann Ina Penßler verraten – wird Michael Domberger sein. In der Nase den Geruch von Lösungsmitteln, im Ohr die konkreten Farbwünsche berühmter Künstler, umgeben von kostbaren Vorlagen: Wer in einer Siebdruck-Werkstatt aufwächst, kann wohl nicht anders, als in die Fußstapfen des renommierten Vaters zu treten und mit diesem gemeinsam den Grundstock für die heutige Sammlung zu legen. 

Luitpold Domberger hatte sein Stuttgarter Atelier Ende der 1940er Jahre gegründet und sich mit Blättern von Willi Baumeister bald einen guten Ruf erworben. „Der Künstler hat vor seinem inneren Auge spezielle Farben, der Siebdrucker muss diese Vorstellung umsetzen“, beschreibt Michael Domberger die Herausforderung seiner Profession. Für den „D-Train“, ein Monumentalwerk des amerikanischen Fotorealisten Richard Estes etwa waren mehr als 200 Farbschattierungen erforderlich. Nicht weniger anspruchsvoll: Victor Vasarely, der schlicht nur den ersten und letzten Farbton definierte. Zu den zufriedenen Kunden gehörten ebenso Max Ackermann, Ida Kerkovius, Otto Herbert Hajek, Keith Haring, Christo, Tomi Ungerer und Fritz Ruoff, die im zwischenzeitlich in Plattenhardt ansässigen Hause Domberger oft wochenlang ein- und ausgingen.

Während Vater Luitpold anfangs noch mit einem Seidenstrumpf seiner Frau experimentiert hatte, veränderte sich die Technik schon bald rasant – ein Wandel, der bis heute anhält, wie Michael Domberger feststellt. Eine Konstante aber bleibt für den Experten: die Kreativität – „sie ist unverzichtbar“. (uv/fi)