Schwäbischer Albverein (Bonlanden) ausgezeichnet

Herzenssache Haberschlaiheide

FILDERSTADT. Außergewöhnliche Leistung wird (oftmals) belohnt. Seit sage und schreibe 65 Jahren kümmert sich die Ortsgruppe Bonlanden des Schwäbischen Albvereins um ein einzigartiges Naturdenkmal in Filderstadt: die Haberschlaiheide (in unmittelbarer Nachbarschaft zur Filderklinik). Für die Pflege und den Erhalt dieses artenreichen Kleinods hat diese rührige Gruppe kürzlich den Kulturlandschaftspreis 2022 des Schwäbischen Heimatbunds und des Sparkassenverbands in der Uhlberghalle erhalten. Hierzu gratuliert auch Oberbürgermeister Christoph Traub den Aktiven und dankt ihnen für ihr vorbildliches ehrenamtliches Engagement für das Gemeinwohl.

Ein kleiner Rückblick: Im Jahre 1900 gründete sich die Bonländer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, die sich seit 1957 aktiv für den Erhalt dieses wertvollen Biotops einsetzt. Im November 1992 wurde schließlich der Patenschaftsvertrag mit der Stadt Filderstadt (der Grundstückseigentümerin) geschlossen, der nun auch schon seit 30 Jahren besteht. Während die Mitglieder des „Arbeitskreises Natur und Umwelt“ die Kulturlandschaft in Form einer Wacholderheide im Haberschlai mit Menschen- und Maschinenkraft (und seit 2016 auch durch Tierbeweidung) erhalten, trägt die Kommune die Reparaturkosten für die Geräte und bezuschusst die Verpflegung der Ehrenamtlichen an den Einsatztagen.

Wenn Dieter Vogel, Gründungsmitglied des „Arbeitskreises Natur und Umwelt“, von „seiner“ Haberschlaiheide spricht, gerät er ein bisschen ins Schwärmen: „Die Einmaligkeit, Schönheit, Eigenart und Vielfalt dieser gewachsenen Kulturlandschaft sind erhaltens- und schützenswert.“ Dieses Stückchen Heimat – für ihn und seine Mitstreiter*innen eine echte „Herzenssache“ - biete für die Flora und Fauna einmalige Rückzugs- und Reliktmöglichkeiten. Im Klartext bedeute dies, dass sich am Rande des Stadtteils Bonlanden einst verdrängte Arten wieder ansiedeln können.

Seltene Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen

In diesem Zusammenhang verweist Dieter Vogel auch auf die regelmäßigen Auswertungen der Filderstädter Biotopkartierer, die bereits eine Vielzahl an seltenen Tier- und Pflanzenarten auf dem Gelände nachweisen konnten – wie beispielsweise den „Himmelblauen Bläuling“ (Schmetterling), die Zauneidechse, das Heidekraut, den Wacholder, die Hauhechel, Dost, wilden Thymian oder Oregano, die Flockenblume, den Augentrost oder auch den Türkenbund.

Eines steht fest: Ohne die regelmäßige Pflege würde die charakteristische Heidefläche zusehends verbuschen und die Artenvielfalt verloren gehen. So haben die Aktiven der Bonländer Ortsgruppe allein seit 1992 rund 12.000 ehrenamtliche Stunden (jeglicher Art) in ihr Herzensprojekt investiert. Zwischen fünf und sechs Pflegeeinsätze pro Jahr stehen auf dem Terminkalender von Vogel und Co. Dann heißt es unter anderem die Fläche zu mähen, dichte Brombeerbestände und großkronige Bäume wie Kiefern oder Birken zu entfernen sowie neue langgezogene Benjeshecken (aus Totholz) entlang den Wegen (zur Besucher*innen-Lenkung) anzulegen.

Tiere im Dienste des Naturschutzes

Es gibt viel für die Albvereinler*innen im Haberschlai zu tun. Gemeinsam packen sie diese vielfältigen Herausforderungen bei Wind und Wetter an. Diese Einsätze mit Menschenhand und durch Maschinentechnik werden seit 2016/2017 durch ein weiteres Puzzleteil – die Beweidung mit Kamerunschafen und Burenziegen – ergänzt. Diesen Tieren kommt eine wichtige Funktion zu: Sie fressen beispielsweise das hohe Gras oder verbeißen“ aufkommende Gehölze und verhindern damit, dass die Heidefläche wild zuwuchert und verbuscht. Die Schafe und Ziegen leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Pflege des Naturschutzgebietes: Die Folge: Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten (insbesondere Vögel und Insekten) können sich dort wieder ansiedeln.

Dieter Vogel erklärt: „Durch das regelmäßige Abweiden reduzieren sich die verbleibendenden Pflegearbeiten erheblich. Nährstoffe werden dem Gelände entzogen, und durch den Klauentritt der Schafe und Ziegen verdichten sich die Flächen, sodass sich der Mager- und Trockenstandort der Heidelandschaft besser entwickelt. Zudem werden Pflanzensamen über das Fell der Vierbeiner beziehungsweise ihren Kot großflächiger verteilt. Die Artenvielfalt entwickelt sich.“

Kamerunschaf- und Burenziegenherde von Vogel Junior 

Sein Sohn Daniel, ein aktives Bonländer Ortsgruppenmitglied und gelernter Landwirt, hat sich entschlossen, im Nebenerwerb eine Schaf-/Ziegenherde zur Landschaftspflege zu betreiben – nachdem ein örtlicher Schäfer seinen Betrieb eingestellt hatte. Vogel Junior hält durchschnittlich etwa 40 Tiere – je nach der Jahreszeit auf der Haberschlaiheide, den Streuobstwiesen im Bombachtal oder im Stall. Viele Spaziergänger*innen rund um die Filderklinik freuen sich über die Schafe und Ziegen.

Die Erfolgsgeschichte – Erhalt und Pflege eines einzigartigen Naturdenkmals am Rande Bonlandens – wird von zahlreichen Mitgliedern der Ortsgruppe immer weitergeschrieben. Dieter Vogel dankt dem gesamten Team für dessen ehrenamtlichen Einsatz. Und was motoviert ihn selbst, diese harte Arbeit fortzusetzen? „Vieles“, lacht der 63-Jährige und zählt auf: „…beispielsweise die Liebe zur Heimat, die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, die Verbundenheit mit dem Flecken Erde, wo man aufgewachsen ist, dessen Schönheit, die Fortsetzung des Erbes der Eltern und vieles andere...“ (sk)