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Insekten, Vögel, Igel, Fledermäuse und Co. gefährdet

„Sag mir, wo die Blumen sind…“

FILDERSTADT. Vögel zwitschern, Bienen summen, kunterbunte Schmetterlinge tanzen in der Frühlingssonne, Marienkäfer krabbeln auf Blüten und Blättern, ein treues Schwalbenpärchen kehrt aus dem Süden zurück, Fledermäuse huschen durch die Nacht. Diese Idylle ist bedroht – unter anderem durch eine „tierferne“ Gartengestaltung, die Sanierung von Häuserfassaden oder den Abriss von Scheunen.

Die Zahlen sind alarmierend: Laut dem Naturschutzbund Deutschland (kurz: NABU) ist die „Biomasse der Fluginsekten“ seit Ende der 80er Jahre mancherorts um 80 Prozent zurückgegangen. Die Anzahl der Arten und der einzelnen Tiere befinde sich, so die Experten, auf einem dramatischen Sinkflug. Ursache hierfür ist neben der allgemeinen Zerstörung von Lebensräumen, dem Einsatz von Pestiziden, den Monokulturen auf landwirtschaftlichen Flächen und dem Klimawandel auch eine „eintönige“ Gestaltung des eigenen Gartens oder Balkons.

„Sag mir, wo die Blumen sind…“ Was einst Marlene Dietrich in ihrem Evergreen besang, ist heute bittere Realität: Aufgrund von Blüten- sprich Nektar- und Pollenmangel finden viele Insekten keine Nahrung mehr. Und dies hat Folgen, gravierende Folgen. Die kleinen Helferlein spielen nämlich in der Natur eine wichtige Rolle: beispielsweise als Bestäuber für zahlreiche Pflanzen, als Nahrungsquelle für Vögel, Fledermäuse, Igel, Amphibien, Reptilien und Co. Oder auch als Bekämpfer von Schädlingen (beispielsweise von Blattläusen).

Hilfe im Garten und auf dem Balkon möglich

Weit mehr als die Hälfte aller Tierarten sind Insekten… Millionen von Arten bevölkern die Erde. Sie sind überlebenswichtig – in der Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und damit auch für das Wohlergehen des Menschen. „Schon im Kleinen kann (fast) jeder etwas gegen das drastische Insektensterben tun – sei es im Garten oder auch auf dem Balkon“, sagt Claudia Arold vom Filderstädter Umweltschutzreferat. Als Beispiel nennt sie ein blütenreiches „Insektenbüffet“. Der „Tisch“ solle vor allem mit heimischen Pflanzen gedeckt sein. Die tierischen Gäste (Vögel, Insekten,…) schätzen unter anderem: die Eberesche, den Schwarzen und Roten Holunder, den Sommerflieder, die Kugeldistel, den Wacholder, Rosen, Beerensträucher, Obstbäume, Lavendel, Astern, Lupinen, Ringelblumen, Krokusse, Fingerhütte, Edelwicken, Sonnenblumen, Eriken, Schafgarben, Malven, Gewürz- und Küchenkräuter, Löwenmäulchen, Verbenen, Männertreu, Glockenblumen, Schlehen, Lupinen sowie vieles mehr. Unabhängig davon, was gepflanzt wird, sollten auch Hobbygärtner darauf achten, dass die Blüten nicht „gefüllt“ und die Blütezeiten zeitlich gestaffelt sind, dass das Nahrungsangebot nahezu ganzjährig besteht. 

Wichtige Tipps

In Sachen „tierfreundlicher Garten“ empfehlen Filderstadts Umweltschutzreferentinnen Claudia Arold und Simone Schwiete neben einem vielfältigen Nahrungsangebot zudem:

  • den Verzicht von Pestiziden, Unkrautvernichtungsmitteln
  • die Schaffung von Rückzugs- und Nistmöglichkeiten („wilde Ecken“, Insektenhotels, Brutkästen, Stehenlassen von Staudenstängeln, Tothölzern, Trockenmauern, Laubhaufen, Baumhöhlen,…)
  • den Verzicht auf Insektenfänger, Wespenfallen, UV- und Solarleuchten
  • das Anlegen eines Teichs, Wasserangebots mit flachem Einstieg oder mit Landemöglichkeiten (Steine)
  • die Tolerierung der friedlichen Wildbienen (sie leben nur vier bis sechs Wochen) und auch von Raupen (ohne Raupen keine Schmetterlinge)
  • Zäune, die zum Beispiel auch Igel durchlassen

Missachtung stellt eine Straftat dar

Nicht nur „Maja“, „Willi“, „Flip“ und Co. Sind massiv bedroht, auch Schwalben und Fledermäuse kämpfen vermehrt ums Überleben. Die Gründe hierfür liegen oftmals in den Sanierungen von Häuserfassaden, dem Abriss alter Scheunen oder dem Ausräumen von Kellern und Dachstühlen. Claudia Arold erinnert: „Das Bundesnaturschutzgesetz weist dem Artenschutz eine hohe Bedeutung zu. Es gilt ein Tötungs- und Störungsverbot von besonders geschützten Arten.“ Auch Hauseigentümer müssten die Vorschriften beachten – das Ignorieren stelle, so die Expertin, sogar eine Straftat dar.

Unwissenheit schütze in diesem Fall nicht vor einer Strafe, gibt Arold zu bedenken. Betroffen seien alle Vogelarten: von der Amsel bis zum Ziplzalp. Das Gesetz unterscheidet zwischen „besonders geschützten Arten“ wie beispielsweise Amsel, Kohlmeise sowie Sperling und „streng geschützten Vogelarten“ wie Rotmilan, Schleiereule, Rebhuhn und Halsbandschnäpper. Diese Tiere dürfen weder getötet noch in ihrer Bruttätigkeit gestört werden. Das Abschlagen von Vogelnestern (gerade von Schwalben und Mauerseglern) an Gebäuden ist daher streng verboten – auch wenn diese gerade nicht „besetzt“ sind.

Sind Nester an einem Gebäude vorhanden, müssen vor der Sanierung grundsätzlich Ersatzquartiere (Nisthilfen) angeboten werden – sonst darf die Maßnahme nicht durchgeführt werden. Simone Schwiete: „Artenschutz gilt auch für die Baumpflege und –rodung.“

Fledermäuse sind streng geschützt

Auch alle heimischen Fledermausarten sind streng geschützt. So mancher gefiederte Freund „wohnt“ in Dachstühlen, Kellern und Scheunen oder auch hinter Fensterläden. „Vor einer Sanierung ist auf jeden Fall ein Spezialist hinzuzuziehen“, sagt Claudia Arold. Ansonsten drohe ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. Oftmals entlarve Tierkot den Platz als Fledermausquartier. In Sachen Schutz von Fledermäusen müsse auch ein Zeitfenster für die Sanierungsarbeiten beachtet beziehungsweise die Montage künstlicher Fledermausbehausungen durchgeführt werden. Anzubringen seien diese unter anderem an Bäumen oder Fassaden.

Weitere schützenswerte Arten bilden beispielsweise der Siebenschläfer und Marder, die sich gerne in ungenutzten Schuppen und Garagen „einmieten“. In heimischen Gärten schaut gerne einmal die Zauneidechse vorbei. Auch sie untersteht einem besonderen Schutz und darf nicht umgesiedelt werden.

Für allgemeine Infos rund um den Schutz der Fauna stehen die Mitarbeiterinnen des Filderstädter Umweltschutzreferats gerne zur Verfügung (Telefon: 0711/7003-648 oder E-Mail: uwagner-spahr@filderstadt.de). Für Rückfragen (Häusersanierungen, Abriss von Gebäuden und Scheunen,…) ist Lena Hollnaicher von der Unteren Naturschutzbehörde (Landratsamt Esslingen) unter der Rufnummer: 0711/9302424-37 oder per E-Mail: hollnaicher.lena@lra-es.de die richtige Ansprechpartnerin. (sk)