Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Filderstadt

„So viele Einsätze wie noch nie!“

FILDERSTADT. Seine leuchtenden Augen verraten es, und der Stadtbrandmeister sagt es auch offen: Jochen Thorns ist stolz auf seine „Familie“ der Freiwilligen Feuerwehr Filderstadt. Dafür gibt es einen besonderen Grund: Seine Kamerad*innen haben im letzten Jahr Außergewöhnliches geleistet und nicht „nur“ viele Menschen in Filderstadt direkt aus misslichen Lagen befreit und ihnen geholfen.

Kurz fühlte man sich an die Zeit vor Ausbruch des Corona-Virus‘ zurückerinnert. Mit einem erfrischenden musikalischen Auftakt der Spielmannszüge Bernhausen und Bonlanden wurde die diesjährige Jahreshauptversammlung der Filderstädter Freiwilligen Feuerwehr fulminant eröffnet und hatte wieder einmal für Gänsehautmomente gesorgt. Dass die Veranstaltung in der FILharmonie dann doch unter Pandemiebedingungen stattgefunden hat, nahm man beim Blick durch die Reihen wahr. Diese waren ausschließlich von ehrenamtlich Engagierten gefüllt, deren Herz für die Feuerwehr brennt. Externe Gäste wurden keine geladen, damit die Einsatzfähigkeit der Floriansjünger sichergestellt werden kann.

Stadtbrandmeister Jochen Thorns freute sich über den musikalischen Auftakt und die persönliche Begegnung mit „seiner Feuerwehrfamilie“, die er in der FILharmonie begrüßen durfte. Zu den weiteren Gästen zählten aus der Stadtverwaltung Oberbürgermeister Christoph Traub, Erster Bürgermeister Falk-Udo Beck, Ordnungsamtsleiter Jan-Stefan Blessing und die stellvertretende Amtsleiterin Karin Väth. Der Feuerwehrchef freute sich sehr, dass die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr in Filderstadt wertgeschätzt werde. Bevor er auf die Ereignisse des vergangenen Jahres einging, wurde der im letzten Jahr verstorbenen Kameraden gedacht.

582 Einsätze in 2021

Noch nie in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Filderstadt hat es so viele Einsätze im Jahr gegeben! Die Ehrenamtlichen rückten 2021 bei Tag und bei Nacht zu insgesamt 582 Einsätzen aus. Allein das Starkregenereignis am 28. und 29. Juni forderte den ehrenamtlich Freiwilligen alle Kräfte ab. In 24 Stunden waren sage und schreibe 313 Einsätze wegen der großen Wassermassen zu bewältigen.

Insgesamt aktiv waren die ehrenamtlich Tätigen in 2021 bei 43 Bränden, 412 Hilfeleistungen, drei Einsätzen für Tiere und Insekten, vier medizinischen Erstversorgungen, 48 sonstigen Einsätzen und 72 Fehlalarmierungen. Dabei konnten 41 Menschen und vier Tiere aus Lebensgefahr gerettet werden. Für fünf Menschen kam die Hilfe leider zu spät.

Die Fürsorgepflicht für die eigenen „Leute“ nehmen der Stadtbrandmeister und sein Stellvertreter Andreas Reeh sehr ernst. Das hat sich unter anderem darin gezeigt, dass sie viel Zeit aufgewendet haben, um für ihre Kamerad*innen Impftermine zu organisieren in einer Phase, als Termine nur sehr schwer zu bekommen waren.

Wichtige Beschaffungen

Neben der Fürsorge in den eigenen Reihen steht die Sicherheit der Bevölkerung mit an oberster Stelle. Um für die veränderten Bedingungen bereit zu sein und die Multifunktionalität der Einsatzfahrzeuge zu erhalten, sind für das gesamte Stadtgebiet insgesamt zwölf Fahrzeuge der Feuerwehr im Beschaffungsprozess. Im Bereich der Gerätebeschaffung sticht bei der Feuerwehr Bernhausen die Löschlanze für Elektrofahrzeuge heraus. Diese so genannte e-Löschlanze bietet die Möglichkeit, brennende Hochvolt-Batterien von Elektrofahrzeugen schnell und einfach zu löschen. Tests zeigen, dass die Flammen innerhalb von 15 Minuten nachhaltig gelöscht sind und keine Gefährdung für die durchführende Person besteht. Die e-Löschlanze kann auch in Tiefgaragen eingesetzt werden und steht dem gesamten Stadtgebiet zur Verfügung.

Aktuelle Ziele

Geprägt von den Erlebnissen im letzten Jahr und dem damit verbundenen Arbeitsaufwand, ist es Stadtbrandmeister Jochen Thorns wichtig, dass die Digitalisierung bis zum Ende dieses Jahres zielstrebig umgesetzt wird. Das umfangreiche Konzept, welches alle Stadtteile einschließt, wurde zuerst im Feuerwehrausschuss im Oktober im letzten Jahr und danach im Gemeinderat beschlossen. Den für die Feuerwehr Filderstadt Verantwortlichen drückt allerdings auch noch ein anderer Schuh. Das ist der fehlende Wohnraum für junge Familien von Feuerwehrangehörigen vor Ort. Ausgebildete und hoch qualifizierte Mitstreiter*innen verlassen die große Kreisstadt, weil sie hier keinen bezahlbaren Wohnraum für sich finden. Thorns fordert Lösungen, die den Nachwuchs in Filderstadt halten.

Oberbürgermeister Christoph Traub sprach zuallererst seinen Dank für das Engagement der 302 Aktiven in der Einsatzabteilung und der 38 jungen Menschen in der Jugendfeuerwehr aus. Er sei sehr froh für jedes Einbringen in diesem Ehrenamt, dankt für jede Rücksichtnahme und schätzt die Strukturen in der Feuerwehr, die die Zeit überdauern. Nicht nur beim Blick auf die Digitalisierung stellt sich das Stadtoberhaupt den Herausforderungen bei den Zukunftsaufgaben, vor welchen sich die Feuerwehr in Filderstadt sieht. Zusammen mit dem Gemeinderat werden „aus Krisen Chancen kreiert“, so der Rathauschef. Auch bereiteten ihm und der Verwaltung die Situation um den Wohnungsmarkt große Sorgen. Hier seien Ideen und Lösungen angedacht.

Besondere Ehrungen

Gegen Ende der Hauptversammlung haben Stadtbrandmeister Jochen Thorns, Oberbürgermeister Christoph Traub und Erster Bürgermeister Falk-Udo Beck noch eine besondere Aufgabe wahrgenommen. Für 50 Jahre aktiven Dienst in der Feuerwehr haben sie das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg in Gold an Dietmar Dahler und Erhard Mack (beide Abteilung Sielmingen) verliehen. Für 40 Jahre im aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr wurden Dieter Bauer (Abteilung Plattenhardt) und Jörg Mezger (Abteilung Sielmingen) mit dem Feuerwehrehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg in Gold ausgezeichnet. (str)