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Klimawandel erfordert verstärkten Hochwasserschutz

Bevölkerung nicht im Regen stehen lassen

Foto: Norbert Branz
Heftige Niederschläge haben im Mai 2019 das Hochwasserrückhaltebecken an der ...
Foto: Norbert Branz
...Richthofenstraße in Bernhausen bereits auf eine harte Probe gestellt: Mit Erfolg.

FILDERSTADT. Der weltweite Klimawandel ist längst vor der eigenen Haustür angekommen: Sintflutartige Niederschläge haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass vielerorts Straßen, Garagen und Gärten unter Wasser standen, Keller vollliefen, Feuerwehr sowie Bauhof im Dauereinsatz waren. Gemeinderat und Stadtverwaltung wollen die Bevölkerung buchstäblich nicht im Regen stehen lassen. Zum Schutz des Grund und Bodens werden auch künftig verschiedene Maßnahmen ergriffen. Filderstadt betreibt aktiv ein „kommunales Starkregenrisikomanagement“.

Der Schock sitzt bei vielen Anwohnern noch tief. Nach extremen Gewittern mit sintflutartigen Niederschlägen in 2018 und 2019 sind zahlreiche Bereiche Filderstadts regelrecht überflutet worden. Der Sachschaden war vielerorts hoch, die Angst vor weiteren folgenschweren Unwettern ist gewachsen. Im Zuge dieser Entwicklungen hat die Stadt eine Reihe von baulichen Sofortmaßnahmen durchgeführt: Es wurden beispielsweise Einläufe um- beziehungsweise neu gebaut, Abflüsse erweitert, so genannte „Flutmulden“ erstellt sowie die Leistungsfähigkeit von Gräben erhöht.

Norbert Branz, der Leiter des Filderstädter Tiefbauamts, erklärt die verschiedenen Ursachen von Überflutungen in besiedelten Gebieten: Hochwasser im Fließgewässer (Wasserspiegel steigt beispielsweise im Fleinsbach und Katzenbach), Hochwasser (in der Fläche) durch abfließendes Oberflächenwasser (bei Starkregen) sowie Hochwasser durch die Überlastung der Kanalisation.

Maßnahme greift…

Der Schutz der Bevölkerung durch die Stadt läuft auf zwei Ebenen: zum einen durch die Mitgliedschaft Filderstadts in den Zweckverbänden Hochwasserschutz „Körsch“ (Fleinsbach und Katzenbach fließen in die Körsch) beziehungsweise „Aichtal“ (Bombach undWeiherbach fließen in die Aich); zum anderen quasi in „Eigenregie“.

Zum Schutz vor Hochwasser an Fließgewässern sind bereits wichtige Maßnahmen ergriffen worden: Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) an der Bernhäuser Richthofenstraße – ein Projekt des „Zweckverbands Hochwasserschutz Körsch“ - ist im Herbst 2017 eingeweiht worden. Zu dessen Funktionsweise: Im Falle von heftigen und lang anhaltenden Regenfällen können sich auf den Flächen hinter dem Damm über 30.000 Kubikmeter Wasser stauen, die dann nach den Güssen sukzessive kontrolliert ins Bachbett geleitet werden. Die zur Verfügung stehende (Acker- beziehungsweise Wiesen-) Fläche kann in Trockenzeiten von den Landwirten weiter bewirtschaftet werden. Kommt es zu einer Überflutung, erhalten die beteiligten Bauern eine Entschädigung.

Das Rückhaltebecken an der Richthofenstraße in Bernhausen hat sich längst bewährt. Erst im Mai 2019 prasselten riesige Wassermassen vom Himmel herab. Die Einschätzung von Norbert Branz: „Ohne diese Maßnahme hätte es in diesem Gebiet sicherlich massive Schäden gegeben. Dort sind fast 200 Häuser von Überflutungen bedroht.“

Weiteres HRB befindet sich bereits im Bau

Das nächste Hochwasserrückhaltebecken befindet sich bereits im Bau: im Gewann „Augenloch“ im Westen von Bernhausen – jenseits des dortigen Gewerbegebiets. Dieses soll die Bereiche „Bernhausen Süd“ und „Sielmingen“ vor Überschwemmungen schützen. Die Fertigstellung ist für Herbst 2019 vorgesehen. Die Investitionen für ein HRB betragen jeweils rund drei Millionen Euro.

Darüber hinaus wird 2020 die alte Brücke an der Jakobstraße in Sielmingen neu errichtet. Im Zuge dieser Baumaßnahme wird der Wasser-Durchlass vergrößert. Auch dieses Vorhaben trägt der „Zweckverband Hochwasserschutz Körsch“. Für den Schutz vor Hochwasser an Fließgewässern wie zum Beispiel am Fleinsbach oder Katzenbach hat das Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit den Kommunen so genannte „Hochwassergefahrenkarten“ erstellt. Diese zeigen die Gefährdungen von Gebieten, Straßen und einzelnen Häusern (bei Annahme eines hundertjährigen Hochwasserereignisses) auf – und dies sowohl in der Fläche als auch der Tiefe.

Diese Karten sind mit der städtischen Homepage verlinkt – sodass sich die Bevölkerung über mögliche Gefährdungen (auch den Grad der „Bedrohung“) informieren kann. Sie dienen als Grundlage für Maßnahmen der Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes in einer Kommune und liefern für über 11.000 Kilometer Gewässer (in BadenWürttemberg) konkrete Informationen über die mögliche Ausdehnung und Tiefe einer Überflutung, wenn sich ein zehn-jährliches, 50-jährliches, einhundert-jährliches und ein extremes Hochwasser ereignet.  

„Hochwassergefahrenkarten“ und „Starkregengefahrenkarten“  

Was im Bereich von Hochwasser an Fließgewässern die „Hochwassergefahrenkarten“ sind, sind in Sachen Hochwasser durch abfließendes Oberflächenwasser (Starkregen) die „Starkregengefahrenkarten“. Letztere werden im Auftrag der Kommunen erstellt und bis zu 70 Prozent durch das Land Baden-Württemberg bezuschusst. Drei Szenarien spielen die „Starkregengefahrenkarten“ durch. Es handelt sich um ein „seltenes“ (45 Millimeter Wassermenge pro Stunde auf den Quadratmeter), ein „außergewöhnliches“ (58 Millimeter Wassermenge pro Stunde auf den Quadratmeter) oder ein „extremes“ (128 Millimeter Wassermenge pro Stunde auf den Quadratmeter) Regenereignis.

Auch diese Karten (Kostenpunkt: rund 75.000 Euro) finden Interessierte auf der städtischen Homepage (www.filderstadt. de). Sie zeigen sowohl die „Starkregengefährdung – Überflutungsausdehnung“ als auch die „Starkregengefährdung – Überflutungstiefen“. Diese wichtigen Informationen – gerade auch für die Bevölkerung – sind Bausteine des Filderstädter kommunalen Starkregenrisikomanagements.

Priorisierte Maßnahmen ableiten

„Aus diesen Starkregengefahrenkarten sind Brennpunkte in unserer Stadt abzulesen“, erklärt Norbert Branz. Daraus leite die Stadt Maßnahmen ab, die es zu ergreifen gelte, die aber auch Geld kosteten – viel Geld. Zum weiteren Vorgehen: Bis 2020 wird ein Hochwasserschutzprogramm erarbeitet, das priorisierte Maßnahmen enthält. Darauf stellt die Verwaltung Zuschussanträge beim Land Baden-Württemberg. Im Falle eines positiven Bescheids werden dann sukzessive die einzelnen Vorhaben umgesetzt.

Der Filderstädter Tiefbauamtsleiter: „Für alle geplanten Maßnahmen gilt immer Ähnliches: Unkontrollierte Wassermassen werden aufgefangen, zurückgehalten, gesammelt und zu einem späteren Zeitpunkt gedrosselt in ein Fließgewässer – nicht in die Kanalisation – abgeleitet.“ Diese sei nicht für Starkregenereignisse ausgelegt. Zur Erklärung: Fachkreise sprechen von Starkregen, wenn es „in kurzer Zeit und lokal begrenzt intensiv regnet“.

Der Deutsche Wetterdienst definiert „Starkregen oder Starkniederschlag“ wie folgt: „… wenn in einer Stunde mehr als zehn Millimeter beziehungsweise in sechs Stunden mehr als 20 Millimeter Regen fallen“. Er bietet als Bürgerservice übrigens auch eine so genannten „Warnwetter-App“ an.

Städtisches Engagement in „Eigenregie“ 

Neben den Leistungen der „Zweckverbände Hochwasserschutz“ (in denen die Stadt aktives Mitglied ist) engagiert sich Filderstadt darüber hinaus auch in „Eigenregie“ für den Hochwasserschutz. Ein aktuelles Beispiel: Nach den verheerenden Unwettern im vergangenen Jahr im Harthäuser Wohngebiet „Brandfeld Nord“ hat der Gemeinderat einstimmig den Bau einer Schutzwand beschlossen. Die Maßnahme: Am südlichen Rand des bestehenden Feldwegs, der zwischen der landwirtschaftlichen Fläche und der Besiedlung verläuft, soll eine bis zu einem Meter hohe Hochwasserschutzwand aus Beton-Fertigteilen realisiert werden. Diese erstreckt sich von der verlängerten Harthäuser Hauptstraße bis in den Bereich der Sportanlage Brandfeld.  

Der Vorteil der Maßnahme: Damit steht auch der Feldweg als weitere Rückstaufläche zur Verfügung, und der Feldweg ist auch künftig nutzbar. Mit dem Bau der Hochwasserschutzmauer soll im Sommer 2019 begonnen werden. Branz rechnet mit einer dreimonatigen Bauzeit. Kostenpunkt: rund 450.000 Euro.

Eigenvorsorge der Bürger wichtig

Norbert Branz stellt klar: „Auch mit technischem Hochwasserschutz ist leider keine absolute Sicherheit möglich.“ Viele Beteiligte müssten, so der Experte, dafür sorgen, dass die Gefahr zumindest minimiert werde - neben Zweckverbänden und der Stadt seien dies auch die Bürger selbst. „Eigenverantwortung“ und „Eigenvorsorge“ spielten gerade beim Hochwasserschutz eine wichtige Rolle. Bauherren seien sogar gesetzlich verpflichtet, passende Maßnahmen zum Schutz ihres Eigentums zu treffen.

Bereits bei der Planung und Errichtung von Häusern können Eigentümer vieles berücksichtigen. Experten raten beispielsweise, Hauseingänge und Lichtschächte nicht ebenerdig zu bauen, geeignete Materialien zu verwenden, Rückstauklappen oder mobile Einrichtungen zur Abdichtung von Kellerschächten und Türen einzubauen. Zudem seien Energieträger wie Holzpellets oder Erdgas besser als Heizöl. Auch werden die Aufstellung eines privaten Notfallplans sowie die finanzielle Absicherung durch Rücklagen oder Versicherungen empfohlen. Der effektivste Hochwasserschutz greift folglich nur in einer gemeinsamen Vorsorge. (sk)