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Stadt und Filderklinik starten neues Nachsorgeprojekt

Klinikaufenthalt und was dann?

FILDERSTADT. Was kommt nach einem Klinikaufenthalt auf mich zu? Kann mich jemand (in den ersten Tagen) zu Hause unterstützen? Sei es beispielsweise beim Abholen eines Arztrezeptes oder beim Einkaufen? Ist es mir überhaupt möglich, in meine eigenen vier Wände so schnell zurückzukehren? Oder benötige ich fürs Erste einen Kurzzeitpflegeplatz? Fragen, die viele Betroffene wie Angehörige umtreiben. Antworten soll ein neues Projekt der Stadt Filderstadt und der Filderklinik liefern – gemäß der Devise „Gesundheit vor Ort gemeinsam gestalten“. Dieses „Casemanagement“ (Fallmanagement, bedarfsgerechtes Management von Leistungen und Hilfestellungen im Gesundheitswesen für Einzelfälle) wird zu einem Großteil vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg gefördert und finanziert.

Oftmals ein Dilemma: Ältere Patienten landen nach einem Klinikaufenthalt bereits nach kurzer Zeit wieder im Krankenhaus. Dr. Susanne Omran, die Leiterin des Filderstädter Referats für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit, spricht in diesen Fällen von einem so genannten „Drehtür-Effekt“. Die Ursachen für die stationäre Rückkehr sieht sie beispielsweise in Defiziten in der Nachversorgung. Gerade ältere (alleinstehende) Menschen seien nach Klinikaufenthalten oftmals überfordert, sich selbst zu Hause zu versorgen. Die Konsequenz: Sie möchten in der Klinik länger verbleiben oder kehren nach kürzester Zeit dorthin zurück. Aus dieser Teufelsspirale ergeben sich nicht nur Probleme für die Krankenhäuser, deren Kostenträger die verlängerten Aufenthalte nicht finanzieren. Zudem werden die Betten, die für die Akutversorgung von neuen Patienten dringend erforderlich wären, nicht frei. Unter den Engpässen in der Nachversorgung leiden vor allem aber die Erkrankten selbst. Sie finden oftmals für die Zeit „danach“ keine Lösungen. So endet ein Klinikaufenthalt nicht selten in Verunsicherung und Ängsten.

Einzelfallberatung und –hilfe

Susanne Omran weiß: „Die kommunale Daseinsvorsorge für ein gutes Leben im Alter im Bereich Gesundheit, Pflege und Sorge wird zunehmend zu einer echten Herausforderung für das Gemeinwesen, die Politik, die Verwaltung und natürlich die Betroffenen.“ Der vielzitierte demografische Wandel erzeuge an viele Stellen in der gesundheitlichen Versorgung Engpässe, zeige Lücken im System und den Netzwerken auf. In diesem Bereich wolle sich Filderstadt gemeinsam mit der Filderklinik sowie weiteren Akteuren (im Gesundheitsbereich) auf den Weg machen, Zukunftslösungen für die Bevölkerung zu schaffen. Das Stichwort hierfür heißt „kommunales Casemanagement“. Dahinter verbirgt sich eine auf den einzelnen Menschen zugeschnittene Einzelfallberatung und –hilfe für Patienten und deren Angehörige sowie eine Lotsenfunktion zwischen den Gesundheitsakteuren. Omran: „Aufbau und Etablierung von Casemanagement-Strukturen mit der Filderklinik könnten entscheidend zum ganzheitlichen Patientenwohl beitragen.“ Hier gelte es, ein wohnortnahes Netzwerk aufzubauen. Dessen Zielsetzung: die Stabilisierung der Gesundheit in Kombination mit der Erhaltung der häuslichen Lebenssituation. Als Partner in diesem Versorgungssystem nennt die Referatsleiterin unter anderem Haus- und Fachärzte, ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, den städtischen Pflegestützpunkt sowie soziale Dienste. Und Kollegin Jutta Grillhiesl ergänzt: „Zudem spielen hier auch Ehrenamtliche eine große Rolle.“ Diese könnten die aus dem Krankenhaus Entlassenen in den ersten Wochen in der Alltagsbewältigung unterstützen – sei es beispielsweise, indem sie ein Arztrezept abholen und in der Apotheke einlösen, Kleinigkeiten einkaufen, mal die Waschmaschine anwerfen oder einfach „nur“ nach dem Betroffenen schauen. „Interessierte werden natürlich für diese freiwillige Aufgabe geschult“, verspricht die Mitarbeiterin des Referats für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit. Interessierte, die Menschen in ihrer Nachbarschaft unterstützen wollen, können sich gerne bei Dr. Susanne Omran (Telefon: 0711/7003-344 oder per E-Mail: somran@filderstadt.de) melden. Oberbürgermeister Christoph Traub will die Themen „Gesundheit und Pflege“ verstärkt in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik in Filderstadt rücken. So hat er auch das Projekt „Casemanagement“ durch das Referat für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit direkt in seinem Zuständigkeitsbereich angesiedelt: „Die gesamte Bandbreite von ärztlicher Versorgung über Kurzzeitpflegeplätze bis hin zu stationärer Behandlung und Pflege ist auch für eine Große Kreisstadt heute keine Selbstverständlichkeit mehr und benötigt die entsprechende Aufmerksamkeit.“ Traub sieht den Gesundheitsbereich als wichtigen Steuerungsprozess der Verwaltung.

„Partnerschaftliche Betreuung“

In den nächsten Wochen nehmen die „Casemanager“ Sebastian Kallenberger und Karin Bernhard ihre Arbeit in der Filderklinik in Bonlanden auf. Sie werden Patienten sowie deren Angehörige in der Nachsorge beraten und unterstützen – quasi nach dem Motto „Gesundheit aus einer Hand“. Beatrix Greifeld, Mitglied der Leitung des Hauses: „Die Filderklinik misst dem aufgezeigten Projekt eine sehr große Bedeutung zu. Der Aufbau eines kommunalen sektorenübergreifenden Entlass- und Nachsorgenetzwerks, insbesondere für die ältere Bevölkerung Filderstadts, hat die bedarfsangepasste, partnerschaftliche Betreuung des aus dem Krankenhaus zu entlassenden Patienten durch alle Gesundheitsakteure zum Ziel, um die Stabilisierung der gesundheitlichen Situation in Kombination mit dem Erhalt der häuslichen Lebenssituation zu erreichen. Ein nahtloser Übergang von Patienten in die Nachsorge ermöglicht der Filderklinik, die hierdurch freiwerdenden Bettenkapazitäten zeitnah wieder für die Behandlung akut erkrankter Menschen zu nutzen. Darüber hinaus geben verlässliche Nachsorgestrukturen Patienten und ihren Angehörigen Vertrauen und Sicherheit für erforderliche Entscheidungen, die die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt betreffen. Als Konsequenz hieraus erwartet die Filderklinik, dass die Anzahl der stationären Wiederaufnahmen zurückgeht.“ (sk)