Bedeutung der Streuobstwiesen wird gewürdigt

Europaweiter Ehrentag für „immaterielles Kulturerbe“

Unbeschreiblich schön: Streuobstwiesen in voller Blütenpracht.  Foto: Silke Köhler

FILDERSTADT. Ehre, wem Ehre gebührt: So wird am 30. April 2021 erstmals der europaweite „Tag der Streuobstwiese“ gefeiert. Da allein in den hochstämmigen Streuobstwiesen Deutschlands weit über 5.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sowie rund 6.000 Obstsorten beheimatet sind, hat jetzt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) diese wertvollen Flächen als „Hot Spots der Biologischen Vielfalt“ bezeichnet. Anlässlich des neuen Ehrentags bietet das Filderstädter Umweltschutzreferat für Eigentümer*innen von örtlichen Streuobstwiesen eine kostenlose Obstsortenbestimmung an.

Kein Zweifel: Streuobstwiesen sind ein wertvolles und schützenswertes Gut. Aus diesem Grunde wurden diese einzigartigen Lebensräume erst kürzlich auch in die deutsche Liste des „immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Und mit dem „Tag der Streuobstwiese“ (künftig immer am letzten Freitag im April eines Jahres) soll die Bedeutung dieser Biotope für die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Gesellschaft in ganz Europa hervorgehoben und gewürdigt werden.

Dies zu Recht. „Auch in Filderstadt leisten die Streuobstwiesen für die Bereiche Kleinklima, Boden und Wasser, den Artenschutz sowie die Naherholung der Menschen unbezahlbare Dienste“, unterstreicht Claudia Arold vom Leitungsduo des örtlichen Umweltschutzreferats. Und ihre Kollegin Simone Schwiete ergänzt: „In unserer Stadt zählen wir insgesamt noch rund 250 Hektar dieser ökologisch bedeutsamen und unersetzbaren Flächen.“ 

Mit bis zu 300.000 Hektar verfügt Deutschland - mit den „Hot Spots“ Baden-Württemberg und Bayern - über die größten Streuobstbestände Europas. Daneben zählen die Bretagne, die Normandie, Luxemburg, die Schweiz, Österreich und Slowenien zu den wichtigsten weiteren Standorten. 

Dank den Römern

Die Anfänge des Obstanbaus reichen in die Urzeit zurück, als Wildformen von Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Walnuss genutzt wurden. Die Römer brachten den Obstanbau (mit Kulturformen) schließlich vor 2.000 Jahren nach Deutschland. Damals entstanden erste Obstgärten am Rande der römischen Villen. Das Wort „Streuobstwiese“ stammt allerdings erst aus dem Jahre 1975, als die naturschutzfachliche Bedeutung dieses Lebensraumes – insbesondere für Vogelarten – erkannt worden ist.

Die genaue Erfassung und Dokumentation der Filderstädter Streuobstwiesen ist zwei engagierten Filderstädtern zu verdanken: Dr. Walter Hartmann (ehemals Universität Hohenheim) und Eberhard Mayer (Biotopkartiergruppe Filderstadt). Gemeinsam haben sie ehrenamtlich in den Jahren 2009 bis 2014 die Kartierung von örtlichen Hochstämmen im Außenbereich durchgeführt und insgesamt 24.211 Obstbäume aufgenommen (eingezäunte Kleingärten und Erwerbsobstanlagen wurden nicht berücksichtigt). Allein die Aufnahme von Daten im Gelände hat pro Jahr zwischen 200 und 300 Stunden in Anspruch genommen. „Herzlichen Dank für diese einmalige Leistung!“, sagen Claudia Arold und Simone Schwiete. In ihre Würdigung schließen sie auch Filderstadts Streuobstwiesen-Guides mit ein, die sich für den Erhalt dieser wertvollen Biotope stark machen. 

Ein kleiner Blick in den Kartierungsschatz von Hartmann und Mayer: 76 Prozent aller erfassten Bäume entfallen auf die beiden Hauptobstarten Apfel und Birne, gefolgt von Pflaumen und Zwetschgen (acht bis 20 Prozent), Kirschen (zwei bis zehn Prozent), Walnüssen und Quitten. Eine weitere Info: Plattenhardt besitzt mit 136 Hektar die meisten Streuobstwiesen in der Stadt.

Wer mehr über die Entdeckungen der Experten erfahren will, blättert einfach in der Broschüre „Natur- und Umweltschutz in Filderstadt“ – Ausgaben 2018 und 2020. Diese können kostenlos beim Umweltschutzreferat angefordert werden oder auf der städtischen Homepage unter dem Pfad „Freizeit genießen“, „Natur & Umwelt“, „Jahreshefte Natur & Umwelt“ heruntergeladen werden. 

Der Kontakt: E-Mail: umweltschutz@filderstadt.de sowie Telefon (9 bis 12 Uhr): 0711/7003649. Eigentümer*innen, die an einer Obstsortenbestimmung interessiert sind, sollten bitte die entsprechende Flurstücksnummer sowie den/die ins Grundbuch eingetragene(n) Besitzer*in parat haben, um die  gewünschten Auskünfte zu erhalten. Grundsätzlich sind nur Informationen über Hochstämme im Außenbereich (nicht über Bäume in eingezäunten Kleingärten) möglich. (sk)

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