Leitfaden und Orientierungshilfe vorgestellt:

Bekenntnis zur Vielfalt und Chancengerechtigkeit

„Das Vielfaltskonzept für ein chancengerechtes Filderstadt“ ist nicht „nur“ ein starkes Bekenntnis der Stadt Filderstadt gegen Diskriminierung und zur Chancengerechtigkeit für alle. Die 215-seitige Farbbroschüre dient auch als ebenso informatives wie hilfreiches Nachschlagewerk – für Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Der strategische Leitfaden zur Orientierung und zum Handeln der Politik, Verwaltung und Bevölkerung ist jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Der Hintergrund: In Filderstadt leben derzeit rund 46.000 Menschen. Davon haben rund 31 Prozent einen Migrationshintergrund. Bei Kindern bis neun Jahre liegt der Anteil sogar bei 47 Prozent. Die Zugewanderten stammen aus sage und schreibe über 120 Nationen – insbesondere aus der Türkei, Italien, Kroatien, Griechenland, Rumänien, dem Kosovo, Polen, Serbien, Syrien, Russland und vielen anderen Ländern. Die Gründe für den Weg nach Filderstadt sind vielfältig: Familienzusammenführungen, ein Studium, Arbeitsmöglichkeiten, Verfolgung, Flucht.„Diese zunehmende Vielfalt braucht eine gesamtstädtische Entwicklungsstrategie, die Orientierung bietet und die Grundlagen für ein abgestimmtes Handeln liefert“, sagt Oberbürgermeister Christoph Traub zur Erstellung dieses Konzepts, das nicht nur von der Stadt, sondern ebenso vom Gemeinderat und der Bevölkerung getragen werde. Die Zielsetzung des konzeptionellen Leitbilds: „Wir leben in einer sehr vielfältigen Stadt und wollen allen Menschen Chancengerechtigkeit bieten – ohne Diskriminierung und Ausgrenzung“. Die neue Ansammlung von Leitgedanken und Richtlinien werde, so das Stadtoberhaupt, das komplette gesellschaftliche Leben durchdringen und somit alle betreffen – Kinder, Schüler, Erwachsene. Und natürlich auch für eine weitere interkulturelle Öffnung der Verwaltung sorgen.Traub erinnert noch einmal daran, dass der Entwicklung dieses Vielfaltskonzepts ein breiter Bürgerbeteiligungsprozess vorangestellt worden war: unter anderem mit Experteninterviews, zwei Vorbereitungsworkshops, einer mehrsprachigen Online-Umfrage, zwei Integrationskonferenzen (die erste mit 130, die zweite mit 90 Teilnehmenden) einem Workshop in einer Sitzung des Forums Interkulturelles Miteinander (kurz: FIM), einem Gedankenaustausch in der Vollversammlung des Arbeitskreises (AK) Asyl sowie in weiteren Beteiligungsformaten. Das Stadt- oberhaupt dankt allen, die sich in irgendeiner Form an der Erstellung dieses Leitfadens und Nachschlagewerks engagiert haben – insbesondere den beiden „Köpfen“ des Prozesses, Barbara Scheubert und Maryna Kuzmenko vom zuständigen Amt für Integration, Migration und Soziales.

Leitsatz für „ein vielfältiges und chancengerechtes Filderstadt“

Mit Hilfe vieler Akteure sei, so Amtsleiterin Barbara Scheubert, „ein Konzept von Filderstädtern für Filderstädter“ entstanden, in dessen Mittelpunkt der „Leitsatz für ein vielfältiges und chancengerechtes Filderstadt“ stehe. Dieser lautet: „Mit diesem Konzept arbeiten die Politik, die Stadtverwaltung, zivilgesellschaftliche Organisationen und weitere engagierte Personen gemeinsam an dem Ziel, dass alle Menschen in Filderstadt ein gutes Leben führen können.

- Ein Leben,  das      geprägt ist        durch            gegenseitige Achtung, Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Respekt für vielfältige Lebensstile.
- Ein Leben   ohne     Diskriminierung und Ausgrenzung.
- Ein Leben   mit       der       Möglichkeit,            am        gesellschaftlichen Leben ohne Hindernisse teilzuhaben.Wir sind davon überzeugt, dass das Gelingen eines guten Zusammenlebens eine Aufgabe für alle ist. Diese Aufgabe verstehen wir als dauerhaften, dialogorientierten Prozess. Er wird nur gelingen, wenn alle zusammenwirken. Ein solcher Prozess verändert Filderstadt mit einem Gewinn für alle.

Die Grundlage des Zusammenlebens sind die Werte, wie sie im Grundgesetz und der internationalen Menschenrechtscharta beschrieben sind: der Schutz vor Diskriminierung und Rassismus, die Gleichbehandlung von Frauen und Männern, die Freiheit der Religion und viele mehr. All´ diese Werte gelten für alle, die hier nur vorübergehend oder dauerhaft leben und arbeiten.Sie verpflichten uns,

- Das Zusammenleben           nach      den       Prinzipien der Gleichberechtigung aller, der Freiheit jedes*r Einzelnen sowie der demokratischen Aushandlung von unterschiedlichen Interessen zu gestalten.
- Als Demokrat*innen zusammenzustehen, um antidemokratische Tendenzen und Rassismus abzuwehren …“

Jedem Einzelnen kommt eine „aktive Rolle“ zu 

Die „aktive Rolle eines jeden Einzelnen in der Gesellschaft“ unterstreicht auch Bürgermeister Jens Theobaldt. Alle Menschen in Filderstadt seien aufgerufen, bei der Umsetzung der Ziele - Teilhabe und Chancengerechtigkeit für alle - mitzuwirken. „Das Zusammenleben in unserer Stadt ist so zu gestalten, dass wir antidemokratische, diskriminierende und rassistische Tendenzen abwehren“, so das Statement Theobaldts.Zur Vielfalt des Vielfaltskonzepts: Es habe nahezu alle Lebensbereiche - genauer sechs Handlungsfelder und vier Querschnittsthemen - in den Blick genommen, berichtet Maryna Kuzmenko: und zwar Sprache und Bildung, Ausbildung und Arbeit, Wohnen, bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe, Begegnung und Austausch sowie Sport und Gesundheit. Sämtliche Themenblöcke seien unter folgenden Gesichtspunkten untersucht worden: Wo stehen wir? Welche Angebote und Strukturen gibt es bereits in Filderstadt? Was fehlt noch? Wer sind die Akteure? Wie sind sie vernetzt? Welche Entwicklungsziele möchten wir uns kurz-, mittel- bis langfristig setzen? Und durch welche Maßnahmen können diese konkret angegangen und umgesetzt werden?

Beeindruckendes Nachschlagewerk

Entstanden ist ein ebenso umfassendes wie beeindruckendes Nachschlagewerk für vielfältige Nutzer – direkt Betroffene wie Hilfeleistende (Ehrenamtliche). Zwei praktische Beispiele: Eine Person mit Zuwanderungsgeschichte sucht eine Wohnung in Filderstadt. Beim Blättern durch die Farbbroschüre finden Interessierte jede Menge Informationen über die Strukturen, Anlaufstellen und (Hilfs-) Angebote vor Ort. In Sachen „Beratung und Begleitung“ sind unter anderem Stichworte wie Sozialer Dienst, Integrationsmanagement, Raumteiler, Wohnführerschein, Wohngeldbehörde, Pflegestützpunkt, Quartier … aufgelistet. Und am Ende des Vielfaltskonzepts steht ein großes Verzeichnis sämtlicher Akteure für das jeweilige Handlungsfeld zur Verfügung – und dies gleich mit dem zuständigen Ansprechpartner (inklusive Adresse, Telefonnummer und E-Mail).Der gleiche Service gilt natürlich auch für andere Bereiche – beispielsweise für zugewanderte Mütter, die gerne ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen. Auch diese finden im Vielfaltskonzept die notwendigen Infos – rasch, umfassend, unterstützend. Die Broschüre ist aber nicht nur Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ein wichtiges Nachschlagewerk. Auch Personen, die sich in Filderstadt für andere engagieren wollen, sehen auf einen Blick, welche Angebote es bereits gibt, wo sich Interessierte einbringen können – samt den bereits genannten Kontaktdaten. 

„Davon können andere Kommunen lernen“

Begleitet wurde der Entwicklungs- und Bürgerbeteiligungsprozess in den vergangenen Monaten vom Tübinger Verein adis e.V., der unter anderem als Fachstelle zum Thema Diskriminierung in Baden-Württemberg tätig ist. Dessen Geschäftsführer Andreas Foitzik warf jetzt einen „Blick von außen“ auf die Entstehung und die Inhalte des Filderstädter Vielfaltskonzepts. Sein Expertenurteil: Den Prozess in der Großen Kreisstadt habe er als „fair und offen“ erlebt. Das Ergebnis schaffe nun Handlungsgrundlagen, die in der Realität Filderstadts verankert seien und von denen andere Kommunen lernen könnten.Ein Resümee: „Mit dem Vielfaltskonzept für Filderstadt wollen wir Vielerlei erreichen: zum Beispiel Interessierten einen Überblick über den Status quo (Statistiken aus Stadt und Bund, allgemeine Infos zu diesem Thema, Beratungshilfen, Angebote, Kontaktmöglichkeiten…) verschaffen, Transparenz herstellen, Akteure vernetzen und durch ein gemeinsames, abgestimmtes Handeln Parallelstrukturen vermeiden“, wünscht sich Barbara Scheubert. Die Amtsleiterin hofft, dass mit dem „Vielfaltskonzept für ein chancengerechtes Filderstadt“ möglichst viele Menschen in der Stadt erreicht, dessen Leitsatz mit Leben gefüllt werden und sich viele Bürger dem Bekenntnis zu Vielfalt und Chancengerechtigkeit für alle Menschen in Filderstadt anschließen.Nach Beschluss des Vielfaltskonzeptes im Gemeinderat am 28. Juli 2020 wird das Dokument auf der Internetseite der Stadt Filderstadt abrufbar sein. Bereits im November dieses Jahres soll dann im zuständigen Ausschuss die Umsetzung konkreter Maßnahmen für die kommende Zeit beschlossen werden. (sk)

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