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Corona-Alltag in den Partnerstädten

Auch in Filderstadts Partnerstädten prägt die Corona-Pandemie den Alltag. Doch wie sieht das Leben in Oschatz (Sachsen), Selby (Großbritannien), Poltawa (Ukraine), La Souterraine und Dombasle-sur-Meurthe (Frankreich) aus? Um diese Frage beantworten zu können, hat das Städtepartnerschaftsbüro Filderstadt bei den Freunden nachgefragt und sie gebeten, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in dieser schwierigen Situation zu berichten.

Poltawa, Ukraine

Nach neuen Regeln leben

Für dieses Jahr haben wir auch mit Poltawa  ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Leider hat Corona unsere Pläne durchkreuzt, unser Alltag hat sich verändert. Wie ergeht es aber den Menschen in unserer Partnerstadt?

Die Ukraine hat bereits Mitte März ihre Grenzen geschlossen. Zusätzlich wurde der öffentliche Verkehr in Poltawa, sowie zwischen den Städten, lahmgelegt. Zu dieser Zeit waren Deutschlehrerinnen aus Poltawa bei uns auf den Fildern zur Hospitation, ihre Rückreise fand mit einem von der ukrainischen Regierung organisierten Charterflug statt.

Die nun bestätigte Coronavirus-Pandemie in der Welt und die Quarantäne haben das Leben der Bewohner von Poltawa stark beeinträchtigt. Arbeit, Alltag, Beziehungen zu Kollegen*innen und Freunden*innen - all diese Aspekte des Lebens haben wie überall bedeutende Veränderungen erfahren. Restriktive Maßnahmen und die Notwendigkeit, mehr Zeit zu Hause zu verbringen, haben den Lebensstil der Bewohner*innen komplett verändert. Seit dem 12. März galt ein Ausgangsverbot. Die Menschen haben sich, ähnlich wie auch in Deutschland, nur „im virtuellen Raum“ getroffen. Kitas, Schulen, Büchereien und andere städtische Dienststellen waren geschlossen. Anfangs durfte nur medizinisches Personal öffentliche Verkehrsmittel nutzen, dies sogar kostenlos. Viele Restaurants haben gratis Essen in die Kliniken geliefert. Zwei städtische Kliniken wurden auf Patienten*innen mit COVID-19 spezialisiert und entsprechend ausgestattet. Private Sponsoren haben Beatmungsgeräte, Schutzkleidung, Testkits und Medikamente für die Krankenhäuser gespendet. Schnell wurde auch Produktion von Mundschutzmasken in  der Stadt organisiert. Ärzte*innen kämpften nicht nur in Poltawa um die Leben der Menschen, auch in anderen Ländern. Ein Arzt der Intensivstation nahm an einer internationalen Mission teil und hat Kollegen*innen in Italien geholfen.

In Poltawa und der Region kam es nur zu wenigen bestätigten Infektionen mit dem Corona-Virus. Schüler*innen und Studenten*innen hatten Onlineunterricht. Trotz anfänglicher Herausforderungen hat schon bald, soweit möglich, regulärer Unterricht stattgefunden. Einige Lehrer*innen nutzten die Chance, aus der Not eine Tugend zu machen und luden Themenbezogen Fachleute zur Teilnahme am Onlineunterricht teil. Nichtsdestotrotz war es offensichtlich, dass die Schüler*innen die Schule als zentralen Ort der Begegnung mit Ihren Freunden*innen vermissten. Die Abiturprüfungen fanden, trotz Pandemie, mit Verspätung in Präsenz statt. Abschiedsfeste von der Schule vor Ort musste abgesagt werden, jedoch wurde kreativ online gebührend gefeiert. Abiball wurde mit Abstandsregeln in verkürzter Form in der Schule gefeiert. Im Sommer waren zum ersten Mal in der Geschichte alle Sommerferienheime für Kinder geschlossen.

Zurzeit wurden die Maßnahmen gelockert. Öffentliche Verkehrsmittel stehen allen Menschen zur Verfügung. Alle Läden, Cafés und Restaurants sind wieder geöffnet, müssen aber Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitsauflagen einhalten. Am Eingang müssen alle Gäste ihre Hände desinfizieren, ihre Körpertemperatur messen lassen und Einweghandschuhe tragen. Mundschutzmasken sollen in allen geschlossenen Räumen und in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden, bei Verstoß drohen Strafen. Alle großen kulturellen Veranstaltungen, wie der bekannte Sorotschinsky-Jahrmarkt und das Galuschka- und Gogolfest  wurden verschoben. Theateraufführungen und viele Konzerte können aber über Live-Streams mitverfolgt werden.

Seit dem 1. August traten in der Ukraine neue Quarantäneregeln in Kraft, nach denen die Regionen des Landes als "grün", "gelb", "orange" und "rot" klassifiziert werden. Glücklicherweise ist die Situation in Poltawa recht günstig und befindet sich jetzt in der grünen Quarantänezone. Seit Beginn der Quarantäne bis zum 2. August wurden in der Stadt 117 Fälle bestätigt und 70 Stadtbewohner*innen sind genesen. Eine Person starb während der Epidemie an COVID-19. Derzeit stehen 52 Menschen in der Stadt im Verdacht, eine Coronavirus-Infektion zu haben, und 180 befinden sich in Selbstisolation. 4132 PCR-Tests wurden in der Stadt durchgeführt. Die Bewohner*innen hoffen, dass Poltawa auch weiter in dieser Zone bleiben wird und die Kinder am 1.September, ganz traditionell, wieder an die Schulen und Kindergärten gehen dürfen. 

IIm Vorfeld der Kommunalwahlen am 25. Oktober findet bereits ein reger Wahlkampf statt.

Es heißt, dass die Welt in einer Pandemie sich verändert - und dem ist auch so: Die Wirtschaft wird geschwächt und gebremst, viele gemeinsame Ereignisse werden zumindest für eine Weile aus dem Zeitplan verschwinden. Viele menschliche Kontakte zwischen unseren Städten noch enger geworden, ehemalige Austauschschüler*innen und Bürgerreisenteilnehmer*innen sorgen sich umeinander und tauschen sich in dieser Zeit noch intensiver aus. Wir hoffen, dass all diese Schwierigkeiten und unsere gemeinsame Überwindung dieser, uns helfen werden, noch bessere partnerschaftliche Beziehungen zu bauen. (Tamara Postnikova)

Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova
Foto: Tamara Postnikova

Oschatz, Deutschland

Oschatz ist gut durch die Corona-Zeit gekommen: Solidarität und Umsicht zahlte sich aus

Zwei gute Gründe hatten wir dieses Jahr, unsere Freunde in Oschatz zu besuchen: 30 Jahre Partnerschaft und 30 Jahre Wiedervereinigung. Wie auch das Programm mit anderen Partnerstädten, musste auch dieser Besuch verschoben werden. Über die Situation in Oschatz während der Corona-Pandemie berichtet Anja Seidel, persönliche Referentin von Oberbürgermeister Andreas Kretschmar.    

Im Landkreis Nordsachsen, in dessen Süden Oschatz liegt, gibt es bis heute insgesamt 150 bestätigte Corona-Infektionen und zum Glück keinen einzigen Todesfall. Seit 4. Mai läuft ein relativer Normalbetrieb in den Firmen und Behörden. Das Rathaus hat wieder geöffnet und wir kommen mit den aktuell gültigen Regeln gut zurecht. Seit Ende Mai haben die Kindertagesstätten wieder geöffnet und seit Beginn der Schulferien läuft auch dort der normale Betrieb. 

Die Schließung der Kindertagesstätten und Schulen ab dem 18. März 2020 hatte die allermeisten Menschen völlig überraschend getroffen und zog für die Familien einen organisatorischen Seiltanz nach sich. In der nächsten Woche waren aufgrund von Homeoffice oder verordneten Schließungen ohnehin viele Leute daheim und die Situation für die jungen Eltern entspannte sich. 

Ab dem 18. März waren auch die Geschäfte und Restaurants geschlossen und Veranstaltungen sowie Familienfeiern verboten. In der Öffentlichkeit galten wie andernorts die Kontaktbeschränkungen.

Die 1. Corona-Schutzverordnung des Freistaates Sachsen vom 18. März war an vielen Stellen strenger und durchgreifender als in anderen Bundesländern. Es gab eine Ausgangsbeschränkung, so dass es mit wenigen Ausnahmen wie der Weg zur und von der Arbeit, Arztbesuche, Organisation der Kinderbetreuung, Haustier ausführen sowie Spaziergänge in der häuslichen Umgebung und auch der Besuch des eigenen Kleingartens, verboten war, das Haus zu verlassen. Daran haben sich die allermeisten sehr konsequent gehalten. Die strengen Regeln galten bis zum 20. April 2020.

Ein großes Thema im Lockdown waren Hamsterkäufe. Viele Menschen standen in den Supermärkten an und kauften mehr als sie aktuell benötigten und dadurch kam es zu tagelangen Engpässen bei dem berühmten Toilettenpapier und Küchenrolle sowie bei Reis, Nudeln und Dosengemüse. Der Oschatzer Marktkauf hatte jedoch mit kühlem Kopf organisiert und so waren die Engpässe keine wirklichen Lieferprobleme, sondern die Leute haben einfach zu viel gekauft.

Ein weiteres großes Thema war bei uns auch der Frisörbesuch. In der ersten Verordnung durften Frisöre noch offenbleiben – ebenso wie Baumärkte- und in der nächsten Verordnung waren auch diese aufgrund des engen Kundenkontakts geschlossen. Für viele Menschen war die Schließung bis zum 4. Mai ein großes Problem und zog einen Ansturm auf Frisörtermine nach dem Ende des Lockdowns nach sich. Die geschlossenen sächsischen Baumärkte indes führten dazu, dass die Sachsen oftmals nach Brandenburg oder Thüringen in die Baumärkte gefahren sind was zum Teil mit Bußgeldern geahndet wurde.

Abschließend noch ein Satz zum Sommer: Die Urlaubspläne der allermeisten Oschatzer wurden dann kurzerhand auf Wanderurlaube in den heimischen Mittelgebirgen oder Alpen sowie einer Reise nach Mecklenburg-Vorpommern an die Seenlandschaft oder die Ostseeküste geändert. 

Jetzt hoffen wir, dass mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 31. August 2020 alles so entspannt und gelassen bleibt wie es ist. Die Oschatzer Bürgerinnen und Bürger wünschen ihren Freunden in Filderstadt ebenso, dass die Lage überschaubar bleibt und es weiterhin keine Neuinfektionen gibt. 

Foto: Anja Seidel
Foto: Anja Seidel
Foto: Anja Seidel

Selby, England

Selby in Coronazeiten

Auch dieses Jahr haben wir, wie auch in der Vergangenheit, mit unseren Partnerstädten vielseitige Austausche geplant. Leider hat die Corona-Pandemie das Leben der Menschen auf der ganzen Welt rasch verändert und viele Pläne durchkreuzt. Wir sind aber trotz der Pandemie mit unseren Freunden im Kontakt geblieben und schenken uns gegenseitige Unterstützung. Wie es den Menschen in unserer englischen Partnerstadt Selby geht, berichtet Andrea Faller, die Vorsitzende der Britisch-Deutschen Gesellschaft:

„Am 23. März 2020 gab Boris Johnson den Lockdown des Landes bekannt. Dies wurde von den meisten Menschen erwartet. In Selby mussten alle Bars, Restaurants und nicht lebensnotwendigen Geschäfte ihre Türen schließen. Apotheken und Supermärkte durften weiterhin geöffnet bleiben. Arztbesuche waren untersagt. Denjenigen, die von zu Hause aus arbeiten konnten (hauptsächlich Büroangestellte), wurde empfohlen, dies auf absehbare Zeit auch zu tun. Menschen mit vorliegenden Grunderkrankungen (z.B. Krebs, Herzerkrankungen, Diabetes) wurden von ihrem Arzt oder der Regierung darüber informiert, dass sie zu Hause bleiben und keine Besucher empfangen sollten. Diese Menschen wurden isoliert. Personen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit anreisten, mussten einen Gesichtsschutz tragen. Es kam zu vielen Panikkäufen, und den meisten Geschäften gingen bald Dinge wie Toilettenpapier, Mehl, Eier und Brot aus. Dies beruhigte sich jedoch bald. Lange Schlangen bildeten sich vor den Supermärkten, die meisten Menschen waren aber sehr geduldig (die Engländer sind es gewohnt, Schlange zu stehen!).

Schulen und Kindergärten wurden ab dem 24. März 2020 geschlossen. Einige Schulen und Kindergärten durften wieder geöffnet werden, um die Kinder unserer essentiellen Arbeitskräfte (d.h. Angestellte im Gesundheitssektor, Postbeamte, Sozialarbeiter, Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst) zu betreuen. Großeltern war es nicht erlaubt, sich um ihre Enkelkinder zu kümmern. Die Kinder waren in der Regel nicht den ganzen Tag bzw. die ganze Woche in der Schule, sondern nur dann, wenn beide Elternteile zur gleichen Zeit arbeiteten.

Die Schulen standen auch Kindern, die Gewalt im häuslichen Umfeld erleben, schutzbedürftigen Kindern und Kindern mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen offen.

Alle Prüfungen für 16- bis 18-Jährige und auch die gesetzlichen Einstufungstests für sehr junge Kinder wurden in diesem Jahr abgesagt. Die Schüler und Kinder werden durch ihre Lehrer bewertet.

Es war geplant, die Schulen Anfang Juni für alle Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren zu öffnen. Die meisten Eltern hielten dies jedoch nicht für eine so gute Idee und waren der Meinung, dass es nicht sicher wäre, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Dieser Plan wurde aufgehoben, und die Schulen/Kindergärten sind nun bis September geschlossen (mit Ausnahme der Schulen, die für Kinder von essentiellen Arbeitskräften und für gefährdete Kinder geöffnet sind).  

Zwei Mitglieder aus unserer Gruppe haben sich unglücklicherweise mit dem Virus angesteckt - sie vermuten, dass dies Ende Februar während des Flugs nach Griechenland geschehen ist. Eines der Mitglieder erholte sich recht schnell, das andere Mitglied verbrachte jedoch einige Wochen auf der Intensivstation und einschließend weitere Wochen im Krankenhaus. Zu unserer Freude erholt er sich mittlerweile zu Hause gut.

Nach etwa 14 Wochen begannen sich die Dinge zu ändern. Alleinlebende Erwachsene durften mit einem anderen Haushalt eine Unterstützungsgemeinschaft (engl. Support Bubble) bilden. Dies war eine große Erleichterung für viele Menschen, die die Isolation als sehr einsam und deprimierend empfunden hatten. Ab dem 6. Juli durften Frisöre und nicht lebensnotwendige Geschäfte wieder öffnen (mit der Anweisung, dass die Menschen Gesichtsschutz zu tragen und 2 m Abstand zu anderen Personen einzuhalten hatten), der Fußball kehrte zurück (obwohl die Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden). Auch Hotels, Bed-and-Breakfast-Unterkünfte und Ferienwohnungen (nur solche, die in sich abgeschlossen sind) durften den Betrieb wiederaufnehmen. Gotteshäuser wurden für private Gebete wieder geöffnet – es durften allerdings keine Gottesdienste in großen Gemeinden abgehalten werden. Bibliotheken und Gemeindezentren wurden unter strengen Auflagen eröffnet. Restaurants, Cafés und Bars, die über Außenbereiche verfügten, konnten wieder öffnen. Ab 11. Juli wurden Freibäder und Wasserparks im Freien eröffnet. Ab 13. Juli durften Dienstleistungen mit engem Körperkontakt wie Nagelstudios, Schönheitssalons, Massagesalons sowie Tätowier- und Piercing-Studios geöffnet werden. Es wurde die zusätzliche Auflage erlassen, dass keine Behandlung „direkt vor dem Gesicht“ durchgeführt werden darf.

Die letzte Neuerung ist, dass ab dem 24. Juli an allen öffentlichen Orten ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden soll. Die Regierung hofft, dass dies die Menschen dazu ermutigt, in Geschäfte, Kneipen und Restaurants zu gehen. Die meisten Bürger von Selby bleiben jedoch lieber zu Hause und treffen sich nur mit wenigen Menschen (Familie oder Freunden) in der Gemütlichkeit ihres eigenen Gartens.

Es gab insgesamt 214 Todesfälle im Bereich des York Hospital Trusts (zu dem Selby gehört). 

Bei allen Personen, die glauben, Symptome zu haben, werden Tests durchgeführt, und sie müssen sich 7 Tage lang selbst isolieren. Jeder, der mit einer Person mit Symptomen in Kontakt gekommen ist, muss sich 14 Tage lang selbst isolieren.“

Andrea Faller wünscht im Namen der Selbier allen Bürgern in Filderstadt Gesundheit und hofft, dass das diesjährige ausgefallene Treffen bald nachgeholt werden kann.

Foto: hindustantimes
Foto: metro news
Foto: News on the Flipside
Foto: metronews
Foto: mirrow
Foto: dailymail
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