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Stadtporträt - Ortsgeschichte von Bernhausen

 

Ortswappen von Bernhausen

Bernhausen wurde während der sogenannten älteren Ausbauzeit, vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert gegründet. Der Ortsname "Berinhusen" deutet auf den Namen des vermutlichen Sippenoberhauptes (Bero) hin. Mit einem Bären hat der Ortsname somit nichts zu tun. Das Ortswappen, welches einen aufgerichteten schwarzen Bären zeigt, ist erst seit dem frühen 19. Jahrhundert nachweisbar



Die erste urkundliche Erwähnung Bernhausens stammt aus dem Jahre 1089, als im so genannten Bempflinger Vertrag die Herren Folmarus et Roudolfus de Berinhusin als Zeugen genannt sind. Man kann davon ausgehen, dass sie sich nach ihrem Herrschaftssitz benannten. Bernhausen ist damit einer der frühestgenannten Orte der Filder. Der Stammsitz der Herren von Bernhausen befand sich "Auf der Burg". Es gab einen edelfreien Zweig, dessen Mitglieder sich nach Grötzingen, Waldenbuch und Plattenhardt, außerdem einen niederadligen Zweig, der sich nach Bonlanden, Rohracker, Rohreck und Riedenberg benannte. Der berühmteste Angehörige der edelfreien Linie war Diepold von Bernhausen, ein Ratgeber des deutschen Königs Rudolf von Habsburg. 1286 fiel er in der Schlacht bei Hedelfingen auf Seiten König Rudolfs von Habsburg gegen Graf Eberhard von Württemberg. Auf ihn geht die Gründung der Stadt Grötzingen zurück, er liegt in der dortigen Kirche begraben.
 
Während des 14. Jahrhunderts verkauften die Herren von Bernhausen ihre Herrschaftsrechte in Bernhausen an die Grafen von Württemberg. Der Ort war damit eine der frühesten Besitzungen der Grafschaft Württemberg auf den Fildern. Die Herren von Bernhausen hatten von nun an ihren Sitz in Bittenfeld bei Waiblingen, ab 1489 erwarben sie Herrlingen und 1534 Klingenstein bei Blaubeuren. 1665 wurden sie in den Reichsfreiherrnstand erhoben. 1839 starb die Familie mit Franz Maria Gebhard von Bernhausen aus.
 

Zur baulichen Entwicklung

Der Ort wurde an einem leicht geneigten Hang oberhalb des Katzenbaches angelegt, der den Ort von Westen nach Osten durchfließt. Bernhausen wurde bis ins 19. Jahrhundert durch zwei parallele Straßen begrenzt, im Norden durch die Hintere Gasse, im Süden durch die Rosenstraße (auch Vordere Gasse genannt).
 
Trotz des Herrschaftssitzes wurde in Bernhausen kein um die Burg herum gruppierter Siedlungsring angelegt. Zweimal wurde der Ort durch Kriegsereignisse zerstört: 1287 im Krieg zwischen König Rudolf von Habsburg und dem Grafen von Württemberg und 1449 im Städtekrieg zwischen den Reichsstädten und dem Grafen von Württemberg

Sonne-, Mond und Sterne-Haus

Als älteste bauliche Zeugen blieben der Turm und die Kirchhofmauer der Jakobuskirche aus der Zeit um 1300 erhalten.


Aus der Zeit unmittelbar nach der Zerstörung 1449 stammt das Kirchenschiff und der Chor. Die für die Bauern günstige Agrarpreisentwicklung Ende des 16. Jahrhunderts lässt sich am Rathaus von 1616 sowie an aufwendigen Bauernhäusern ablesen, z.B. am "Schlössle" von 1588 oder dem "Sonne-Mond- und Sterne-Haus" von 1611.



 

Die starke Bevölkerungszunahme im 18.Jahrhundert bewirkte eine große Bautätigkeit in Bernhausen. Die meisten Bauernhäuser stammen aus jener Zeit. Einen Eindruck vom ursprünglichen Charakter des Dorfes bietet heute noch die Hintere Gasse. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden beim Hausbau die alten Dorfgrenzen überschritten, insbesondere an der Plieninger-, der Nürtinger- sowie an der Aicher- und Tübinger Straße. Aufgrund der Industrialisierung in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts gab es in Stuttgart Beschäftigungsmöglichkeiten, die seit dem Bau der Filderbahn 1888/97 von Bernhausen relativ gut zu erreichen waren.
 
Typisch für den Hausbau in Bernhausen um die Jahrhundertwende war das so genannte Einhaus. Diese Häuser wurden überwiegend von Pendlern erbaut, die meist nebenher Landwirtschaft betrieben. Trotz der Zunahme der Pendler hat sich in Bernhausen ein hoher Anteil von Landwirten erhalten, die bis in die 20er und 30er-Jahre den Ort maßgeblich prägten. Im Hausbau der 20er und 30er-Jahre zeigt sich eine deutliche Veränderung, es entstanden nun reine Wohnhäuser, d.h. ohne Stall und Scheuer.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine stürmische Bautätigkeit ein. Der Ort wurde zu einer beliebten Wohngemeinde am Rande des Großraums Stuttgart. Aufgrund seiner günstigen Verkehrslage siedelte sich bereits seit den frühen 50er-Jahren Industrie an. Zwischen 1950 und 1974 wuchs die Bevölkerung Bernhausens um 220 Prozent, zwischen 1975 und 1998 um 17 Prozent.


 

Zeittafel

 

5000 v. Chr. Jungsteinzeitliches Dorf im Gewann Horber Weg (ausgegraben 1990).

7. Jh. Gründung der Galluskirche und Christianisierung von Bernhausen.

1089 Erste Erwähnung von Bernhausen als erstem Ort auf den Fildern (Volmar und Rudolf von Bernhausen werden als Zeugen des Bempflinger Vertrags genannt).

1267 Erste Erwähnung des Namens "Filder".

1275 Erste Erwähnung der Galluskirche (heute Jakobuskirche).

1287 Zerstörung von Bernhausen im Krieg zwischen König Rudolf von Habsburg und den Grafen von Württemberg.

1300 Bau des Turms der Jakobuskirche (= ältestes Gebäude von Filderstadt).

14. Jh. Die Herren von Bernhausen verkaufen ihre Herrschaftsrechte an die Grafen von Württemberg.

Mitte 14. Jh. Mehrere Kleinsiedlungen auf der heutigen Gemarkung Bernhausen werden verlassen (”Wüstungen”): Dachtgraben und Wolfschlugen.

1351 Erwähnung einer Badstube in Bernhausen.

1449 Zerstörung von Burg, Dorf und Kirche Bernhausen im Städtekrieg durch reichsstädtische Truppen.

1449 Überlieferte Inschrift an der Klinkermühle, ging wohl beim Umbau 1925 verloren.

1475 Fertigstellung der gotischen Galluskirche.

1534 Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg und damit Entfernung der Altäre, Bilder, Heiligenfiguren etc.

1537 Bau des Gebäudes Pfarrberg 1, die älteste Inschrift an einem profanen Gebäude in Filderstadt ("Polster-Müller").

1588 Bau des Schlössle.

1611 Bau des "Sonne-Mond- und Sterne-Hauses".

1616 Bau des Bernhäuser Rathauses (laut Jahresring-Untersuchung).

1648 Durch den Dreißigjährigen Krieg geht die Bevölkerung von ca. 600 auf ca. 360 Personen zurück. Rund 90 von 219 Gebäuden waren zerstört oder beschädigt.

1682 Religionsgespräch zwischen dem (katholischen) Bischof von Wiener Neustadt und Vertretern der (evangelischen) Universität Tübingen in Bernhausen endet erfolglos.

1747 Der Kupferstecher Gotthard Müller wird in Bernhausen geboren.

Ca. 1760 Die durch Bernhausen führende "Albstraße" Stuttgart-Metzingen-Urach wird als Chaussee ausgebaut.

1772 Erste Erwähnung des Filder-Spitzkrauts durch Pfarrer Bischoff von Bernhausen, im gleichen Bericht wird auch erstmals der Anbau von Kartoffeln auf den Fildern erwähnt.

1799 Gründung der Altpietistischen Gemeinschaft Bernhausen.

1814 Der (spätere) Dichter Gustav Schwab ist für ein halbes Jahr Vikar in Bernhausen.

1817 Eine Inschrift im Gebäude Hintere Gasse 71 erinnert an die Hungersnot und Teuerung von 1817.

1824 Der Theologiestudent Eduard Mörike hält seine erste Predigt in Bernhausen.

1828 Bernhausen wird Sitz der Zunftlade für das Schmiede-, Schuhmacher- und Wagnerhandwerk im Oberamtsbezirk Stuttgart-Amt.

1839 Mit Franz Maria von Bernhausen stirbt die Adelsfamilie der Freiherren von Bernhausen aus. Allerdings hatte sie schon im 14. Jahrhundert Bernhausen verlassen.

1840 In Bernhausen werden 1 Mio. Krautköpfe erwähnt, d.h. Kraut wird schon in großem Stil auf dem Feld angebaut.

1844 Einrichtung einer Poststelle in Bernhausen.

1850 Durch den Bau der Bahnlinie Stuttgart-Ulm verlagert sich der Fernverkehr von der Straße auf die Schiene, die "Albstraße", Stuttgart-Bernhausen-Metzingen-Ulm verliert schlagartig an Bedeutung.

1871 Gründung des "Ewigen Friedhofs" durch die Altpietistische Gemeinschaft.

1872 Gründung des Vieh- und Krämermarkts Bernhausen.

1874 Gründung des Sängerbunds Bernhausen, des ältesten Bernhäuser Vereins.

1895 Gründung der Textilfabrik Jope aus Lusnau in Bernhausen.

1895 Gründung der ersten (größeren) Sauerkrautfabrik der Filder in Bernhausen (Hermann Briem). Seit 1883 bestand in Plieningen eine kleinere Fabrik von Hermann Fein.

24. Dezember 1897 Einweihung der Filderbahn, die zahlreiche Modernisierungsprozesse auslöst.

1899 Gründung des TSV Bernhausen, heute der größte Sportverein in Filderstadt.

1902 Die Filderbahn wird zur Normalspur umgebaut.

1903 Errichtung der Telefonverbindung.

1906 Inbetriebnahme der Filderwasserversorgung, Bernhausen erhält eine Wasserleitung.

1908 Gründung des Darlehenskassenvereins (heute Bernhauser Bank).

5. August 1908 Das in Echterdingen notgelandete Luftschiff Zeppelin LZ 4 verbrennt auf der Markung Bernhausen.

1910 Bernhausen erhält Anschluss an die Elektrizität.

1912 Der Ortsarzt Dr. Rudolf Kost erwirbt als erster in Bernhausen ein privates Auto.

1912 Fertigstellung des Schulhauses Plieninger Straße.

1914 Einrichtung einer öffentliche Buslinie zwischen Degerloch und Nürtingen.

1921 (?) Gründung des Gewerbe- und Handelsvereins Bernhausen.

1.3.1922 Erster Pferdemarkt Bernhausen.

1924 Einführung der straßenweise Gebäudenummerierung.

1925 Anschluss an die Gasversorgung.

1926 Gründung der ersten Tankstelle in Bernhausen durch Hermann Trautwein.

1927 Wiederaufnahme der Buslinie Degerloch Nürtingen.

1928 Die Klinkermühle wird durch einen Brand völlig zerstört.

1930 Bau der Krauthalle Bernhausen als erste Krauthalle in Württemberg.

1931 Dr. Hans Wacker eröffnet in Bernhausen seine Arztpraxis.

1932-34 Der mitten durch das Dorf führende Katzenbach wird verdolt (heute Obere und Untere Bachstraße).

1933 Gleichschaltung der Gemeinderäte, Vereine; vier Männer aus Bernhausen kommen wegen ihrer politischen Haltung in das KZ auf dem Heuberg.

1934 Bürgermeister Theophil Bosler wird durch die NS-Regierung amtsenthoben.

21. März 1934 Der erste Spatenstich für die Autobahn Stuttgart-Ulm zwischen Bernhausen und Plieningen durch Gauleiter Wilhelm Murr.

1937 - 39 Bau des Flughafens Stuttgart, heute befinden sich 62% des Flughafen-Geländes auf der Markung Bernhausen.

April 1938 Wegen ihrer Nein-Stimmen bei der Österreich-Abstimmung werden vier Mitglieder der Altpietist. Gemeinschaft durch NS-Machthaber drangsaliert und müssen vorübergehend aus Bernhausen fliehen.

22. Juli 1938 Eröffnung des Bernhäuser Freibads.

September 1939: Fertigstellung des Flughafens.

Ca. 1940 Fertigstellung des Steppach-Stausees, der für den Flughafen für Feuerlösch-Zwecke eingerichtet wurde.

1942 Durch Ummarkung erhält Bernhausen erhebliche Teile von Plieninger Gemarkung, dadurch liegt der Flughafen zu über der Hälfte auf der Markung Bernhausen.

2. und 15./16. März 1944: Kriegszerstörungen in Bernhausen durch Fliegerangriffe.

Juni 1944 Bau eines Luftschutzstollens, Zugang sichtbar an der Krokisgasse.

November 1944 – Januar 1945 Für drei Monate befindet sich auf dem Flughafengelände ein KZ-Außenlager für 600 Männer jüdischen Glaubens (Markung Bernhausen).

1945-49 Aufnahme von 913 Heimatvertriebenen in Bernhausen, größtenteils aus Ungarn und dem Sudetenland.

1948 Willy Fischle wird zum Bürgermeister gewählt (bis 1974).

1950: Erweiterung der Startbahn.

1952: Die Stadt Stuttgart lehnt die geplante Straßenbahn bis Bernhausen-Sielmingen ab, von diesem Geld wird die Mittlere Filderlinie gebaut.

In einer Bürgerversammlung am 2.2. lehnt die Bevölkerung den Bau einer Umgehungsstraße zwischen Bernhausen und Sielmingen aus Furcht vor wirtschaftlichen Nachteilen ab.

20. April 1952 Einweihung der Bruckenackerschule in Anwesenheit von Innenminister Ulrich und Kultminister Schenkel.

14.8.1953 Einweihung des Kinos Bernhausen.

1955 Ansiedlung der Firma Längerer und Reich in Bernhausen.

1955 Beginn eines Realschulzweigs in Bernhausen.

1. August 1955 Einstellung des Personenverkehrs der Filderbahn.

1961 Fertigstellung des Flughafen-Tunnels, der durch die Startbahn-Verlängerung notwendig geworden war.

Oktober 1962 Fertigstellung der Fleinsbachrealschule in Bernhausen als zentrale Realschule für die mittleren Filder.

1965 Fertigstellung der Johanneskirche in der Rosenstraße.

1967 Gründung der Schutzgemeinschaft gegen Großflughafen.

7. September 1967 Beginn des Progymnasiums mit den ersten zwei Klassen.

1967 (?) Beginn einer Jugendmusikschule.

21. Dezember 1967 Gründung des Kleinen Kunstkabinetts durch Helmut Marcus.

1968 Einweihung des Fleinsbachstadions Bernhausen mit der Fußballmannschaft Borussia Mönchengladbach (mit Berti Vogts und Günter Netzer).

27. Oktober 1968: Weihe der katholischen Stephanuskirche, die Kirchengemeinde umfasst die Katholiken in Bernhausen und Sielmingen.

1969 Fertigstellung des Tagungshauses Bernhäuser Forst.

1971 Errichtung des Bärensees.

1972 Städtepartnerschaften mit La Souterraine und Dombasle.

23. November 1973 Einweihung des Eduard-Spranger-Gymnasiums (Progymnasium seit 1967).

30. November 1973 Einweihung der Rundsporthalle Bernhausen.

1. Januar 1975 Zusammenschluss der fünf Gemeinden zu Filderlinden.

 

Einwohnerentwicklung

Jahr

Einwohner

1350

220

1477

312

1545

550

1603

588

1634

600

1661

359

1703

667

1802

1.127

1850

1.717

1900

1.933

1939

2.666

1950

3.646

1961

5.914

1970

11.044

1987

12.147

2003

13.245

2006

13.200



 

Fachwerkhäuser

Im Ortskern von Bernhausen haben sich noch eine Anzahl bemerkenswerter Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten.

Man kann davon ausgehen, dass in jener Zeit sämtliche Gebäude als Sichtfachwerk erbaut wurden. Heute ist nur bei einem kleinen Teil der Häuser das Fachwerk freigelegt. Vor allem in der Hinteren Gasse befinden sich zahlreiche Fachwerkhäuser, die verputzt sind. Erkennbar ist dies an den sogenannten "Vorkragungen", d.h. jedes Stockwerk kragt ein Stück über das darunter liegende vor.

 

Pfarrberg 1
Dieses Gebäude hat eine Inschrift aus dem Jahr 1537. Es ist damit das älteste datierte Profangebäude in Bernhausen, die Balkenverbindungen weisen so genannte Verzapfungen auf. Dieses Haus ist somit eines der frühesten Beispiele für diese Balkenverbindungen. Das Gebäude diente seit dem 16. Jahrhundert bis etwa 1950 als Schulhaus.

 

Hintere Gasse 15 ("Sonne-, Mond- und Sterne-Haus"):
Besonders prachtvolles Beispiel für Zierfachwerk auf den Fildern, erbaut laut Inschrift im Jahr 1611.

 

Rathaus, Rosenstraße 16:
Bis 1981 lag hier das Fachwerk noch unter Putz . Es wurde bei der in diesem Jahr vorgenommenen Renovierung freigelegt. Außerdem wurde als Erbauungsjahr das Jahr 1616 festgestellt.

 

Geburtshaus Gotthard Müller, Rosenstr. 22:
Giebel und Teile des Obergeschosses aus der Mitte des 17. Jahrhunderts; Vorkragungen und Ziefachwerk. Anfang des 18. Jh. wurden Teile des Obergeschosses und des gesamten Erdgeschosses sowie vermutlich der gesamte Westgiebel umgebaut.

 

Heugasse 4/6
Erbaut Ende des 16. Jahrhunderts; Anfang des 18. Jahrhunderts Fenstervergrößerungen, Zierfachwerk.

 

Häuser mit Fachwerk unter Putz

Schlössle, Rosenstr. 4/6:
Wohnhaus von 1588, Repräsentatives Renaissance-Portal. Zierfachwerk unter Putz. Die Mauerstärke im Innern lassen auf Reste eines aufwendigen Vorgängerbaus schließen. Westlicher Anbau aus dem 18. Jh., Sonnenuhr aus den 1920er Jahren.

 

Pfarrhaus, Pfarrberg 7:
Dachgeschoss und Grundkörper von Anfang des 17. Jahrhunderts, Erdgeschoss und Obergeschoss Mitte des 18. Jahrhunderts.

 

Hintere Gasse 16/18:
Erbaut Anfang 16. Jh.; steiles Dach, Vorkragungen in allen Etagen; im 20. Jh. einseitige Dachanhebung.

Hintere Gasse 28: Erbaut im 16. Jh.; Erdgeschoss umgebaut im 19. Jh.

Hintere Gasse 32: Erbaut im 16./17. Jh.; Vorkragungen im Dachgeschoss; Knaggen

Hintere Gasse 60: Vorderer Hausteil erbaut Ende 16. Jh.; hinterer Hausteil erbaut 1687. Vorkragungen am Dachgeschoss.

Burgstraße 16: Obergeschoss und Dachgeschoss erbaut Ende 16. Jh.; Erdgeschoss im 18. Jh. umgebaut.

 

Literatur: Rainer Bodey: Das Fachwerk von Filderstadt – ein verkannter Schatz ? In: Filderstädter Schriftenreihe Bd. 8 (1993), S. 6 – 19.

 

Klinkermühle

Der Name "Klinker" kommt von "Klinge" = Abhang, hat also nichts mit Klinker zu tun.

Als erster Müller wurde 1567/68 ein Martin Brodbeck als Müller auf der "Glenkermühle" erwähnt, die Mühle ist aber vermutlich noch wesentlich älter. Seit 1752 ist die Mühle im Eigentum der Familie Straub, der sie heute noch gehört.

Das Gefälle und die Wasserführung des Fleinsbachs ist relativ gering. Aus diesem Grund wurde oberhalb der Mühle ein etwa 430 m langer Kanal am linken Ufer des Fleinsbachs angelegt. Dadurch konnte eine Fallhöhe von 5,5 m erreicht werden. Das Wehr befand sich etwa in Höhe des Gebäudes Felsenstr. 84. Die Reste des Wehrs wurden im Zusammenhang mit der Bebauung und der dadurch bedingten Verlegung und Verdolung des Bachs beseitigt bzw. zugeschüttet.

Nachdem Sielmingen 1912 an die Elektrizität angeschlossen wurde, konnte die Wasserkraft hilfsweise durch Elektrizität ergänzt werden.

Nach einem Brand der Mühle 1928 wurde auf die Wiederherstellung des Wasserrads verzichtet. Seitdem wurde auf der Klinkermühle ausschließlich elektrisch gemahlen. Es wurde nach der damals aktuellsten Technik eine "Rückschütt-Mühle" gebaut: Nach jedem Mahldurchgang wurde das Mahlgut mittels Becherwerk wieder nach oben gefördert.

Die heutige Ausstattung der Mühle stammt von 1959, es handelt sich um eine "vollautomatische Mühle". Hier ist es möglich, sieben Tonnen Getreide in 24 Stunden zu mahlen. Die Geschäftslage in den 60er Jahren war recht gut. In jener Zeit beschäftigte Straub bis zu drei ausgebildete Müller. Allerdings ging in den 70er Jahren der Absatz zurück, eine Kleinmühle war einfach gegenüber den Großmühlen nicht konkurrenzfähig. Seit dem Tod von Gottlob Straub 1990 wird nicht mehr gemahlen, seine Witwe verkauft jedoch weiterhin Mehl.

Es handelte sich um eine "Kundenmühle", diese Kunden waren Bauern aus Bernhausen, Sielmingen und Harthausen, zumal bis zum Zweiten Weltkrieg fast jede Familie eine kleine Landwirtschaft hatte. Die Bauern ließen durchschnittlich etwa drei Mal im Jahr in der Mühle mahlen. Das Getreide wurde entweder durch den Bauern gebracht oder mit dem Mühlenfuhrwerk vom Müller abgeholt, welcher es normalerweise in Zwei-Zentner-Säcken (!) transportierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Landwirtschaft zurück, aus diesem Grund wurde immer mehr für Nicht-Landwirte und Bäckereien gemahlen. Noch bis etwa 1980 fuhr Gottlob Straub mit seinem kleinen LKW an bestimmten Wochentagen durch Bernhausen, Sielmingen und Harthausen, um Getreide zum Mahlen abzuholen und Mehl abzuliefern.

Literatur: Walter Goll/Nikolaus Back: Die Klinkermühle. In: Brunnen, Mühlen und Gewässer (Filderstädter Schriftenreihe Bd. 13, 1999), S. 143-150.

 

Brunnen in Bernhausen


Bis zum Anschluss Bernhausens an die Filderwasserversorgung 1906 erfolgte die Wasserversorgung ausschließlich durch öffentliche und private Brunnen. Man unterscheidet Laufbrunnen und Pumpbrunnen. Bei Pumpbrunnen befand sich der Brunnenschacht, in dem sich das Wasser sammelte ("Brunnenstube") direkt unter dem Brunnen. Bei den Laufbrunnen musste hingegen die Brunnenstube höher liegen, um genügend Wasserdruck zu erzeugen. Aus diesem Grund musste eine aufwendige Wasserleitung gebaut werden, um die Laufbrunnen in der Ortsmitte mit Wasser zu versorgen.

 

 Lageplan Brunnen in Bernhausen

Bernhausen
1. Kindlesbrunnen *
2. Burg- oder Wettebrunnen
3. Brunnen in der Hinteren Gasse*
4. Brunnen im Gässle*
5. Kirchbrunnen
6. Pfarrbrunnen
7. Radbrunnen
8. Bärenbrunnen
9. Wegzeigerbrunnen*
10. Brunnen Nürtinger Str. 48*
11. Brunnen Filderbahnstraße*
* heute nicht mehr vorhanden



Bernhausen hatte zwei Laufbrunnen, den Bärenbrunnen vor dem Schlössle und den "Wegzeigerbrunnen" Ecke Hauptstraße/Nürtinger Straße (Bäckerei "Veit"). Er hatte seinen Namen davon, dass am Brunnenstock mehrere Wegzeiger angebracht waren. Wo lag nun die Brunnenstube ? Sie liegt an der Südostecke der Sporthalle des Eduard-Spranger-Gymnasiums. Die Leitung wurde 1860 durch die Gemeinde Bernhausen erbaut. Detail am Rande: Da befürchtet wurde, dass der Fleinsbach dadurch weniger Wasser führen würde, verklagten die Müller der Klinkermühle und der Sägemühle (Sielmingen) die Gemeinde Bernhausen - allerdings ohne Erfolg.

Heute ist nur doch der Bärenbrunnen vor dem "Schlössle" in seiner alten Form am alten Standort vorhanden. Burgbrunnen, Kirchbrunnen und Radbrunnen befinden sich zwar am alten Standort, haben aber nicht mehr ihr ursprüngliches Aussehen.

Literatur:

Gert Herzhauser: Brunnen in Bernhausen. In: Brunnen, Mühlen und Gewässer (Filderstädter Schriftenreihe Bd. 13, 1999), S. 62 – 71.

 

Filderkraut

Die Filderebene besteht aus hochwertigen landwirtschaftlichen Böden, nicht umsonst bedeutet der Name "Filder” nichts anderes als "Felder”.

Diese guten Böden sind Voraussetzung für den Anbau von Kraut. Das für die Filder einst typische sogenannte "Spitzkraut” verdankt seine erste Erwähnung dem Bernhäuser Pfarrer Johannes Bischoff, er schrieb 1772: "Das weiße Spitzkraut ist das einzige [Kraut], welches hier gepflanzt wird."

 

Zur Bedeutung des Krauts für die Ernährung:

In den Zeiten, in denen es für die Vitamin-Versorgung weder Südfrüchte noch Konserven gab, spielte Kraut für die Versorgung mit Vitamin C eine wichtige Rolle, ließ es sich doch über den Winter einlagern.

 

Krautanbau und Krauthandel

Ursprünglich war das Kraut ein typisches Gartengewächs, seit dem 18. und vor allem seit dem 19. Jahrhundert wurde Kraut auf den Fildern auf dem Feld angepflanzt und in der näheren und weiteren Umgebung verkauft. Der Verkauf erfolgte per Pferdefuhrwerk. 1790 wurden etwa eine halbe Million Krautköpfe angepflanzt, 1851 waren es bereits 1 Million Krautköpfe. Bernhausen gelangte deshalb zu beträchtlichem Wohlstand.

Durch den Bau der Filderbahn 1897 konnte der Krautverkauf modernisiert werden: Die Bauern beluden auf dem Bernhäuser Bahnhof einen Eisenbahn-Waggon mit Kraut und schickten ihn an den Bestimmungsort, also z. B. nach Heilbronn oder nach Freudenstadt. Sie fuhren dann selbst mit dem Pferdefuhrwerk an den Zielort und belieferten mit ihrem Fuhrwerk die Privatkunden oder auch Großkunden wie Gastwirtschaften. Auch nachdem die Pferde in den 50er Jahren durch Traktoren ersetzt wurden, verkauften die Bernhäuser Bauern ihr Kraut selbst.

 

Krauthalle

Für die Bauern sehr nachteilig war die Tatsache, dass während der Ernte solche Überschüsse an Kraut entstanden, dass der Preis stark verfiel, im späten Herbst – wenn die Ernte vorüber war, wieder stieg. Um den Preis während der Ernte stabil zu halten, wurde in Bernhausen 1930 eine Einlagerungshalle gebaut, die so genannte "Krauthalle", die auf dem Gelände der heutigen FILharmonie stand. Auch heute noch gibt es eine Krauthalle, sie befindet sich an der Verlängerung der Scharnhäuser Straße (in Richtung Steppach-Stausee).

 

Heutige Situation

Die Bauern von Bernhausen haben bereits seit den 60er Jahren ihre Landwirtschaft umgestellt um so besser überleben zu können:

Statt an die Krautfabriken zu verkaufen, vermarkten die meisten Bauern selbst, einige haben sogar auf dem Großmarkt in Stuttgart-Wangen ihren Verkaufsstand.

Seit den 1960er Jahren verzichteten immer mehr Bauern auf Viehzucht und orientierten sich statt dessen auf Gemüse- bzw. Salatanbau.

Der Krautanbau spielt zwar bis heute auf den Fildern noch eine wichtige Rolle, allerdings macht das Spitzkraut heute lediglich noch 10% aus, der Rest ist das Rundkraut. Wegen der veränderten Ernährungsgewohnheiten ist der Krautanbau allerdings rückläufig. Trotzdem ist heute Bernhausen die größte Krautanbau-Gemeinde, nicht nur auf den Fildern, sondern (wahrscheinlich) in ganz Baden-Württemberg.

1996 wurde in der Fußgängerzone in Bernhausen ein Denkmal für das Spitzkraut gesetzt (Stiftung eines Industriellen, der in Bernhausen geboren wurde). Es wurde von Kurt Grabert geschaffen und hat den Namen "Krautmarie".

 

Sauerkraut

In Bernhausen gab es bis in die 1960er Jahre 11 Sauerkrautfabriken. Die älteste Fabrik gehörte Hermann Briem, sie wurde 1895 gegründet und ist heute als "Omnibus-Briem" bekannt. Heute gibt es lediglich eine Krautfabrik in Bernhausen, die Firma Fritz Schlecht in der Johannesstraße 2.

 

Literatur:

Das Filderkraut. Hg. von den Städten Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen. (Filderstädter Schriftenreihe Bd. 10, 1995)

Traditionen

Bernhausen hat als Teil des protestantischen Württembergs so gut wie keine alten Fest-Traditionen. Zu den im 19. und 20. Jahrhundert entstandenen Traditionen sind zu zählen:

 

- Krämermarkt (seit 1872) als Frühjahrs- und Herbstmarkt

- Pferdemarkt (seit 1922): Erstes Wochenende im März

- Nikolausmarkt am 1. Samstag im Dezember

- Aufstellung des Maibaums am 30. April in der Fußgängerzone

- Bernhäuser Bärenfest: letztes Juni-Wochenende

 

date modified 13-09-2011 16:14
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