Obstbäume werden zum Abernten freigegeben

Gelbe Bänder signalisieren: Bitte bedienen Sie sich!

FILDERSTADT. Jahr für Jahr ein bekanntes Bild: Reifes Obst hängt an den Bäumen – Äpfel, Birnen und Zwetschgen werden nicht abgeerntet, verfaulen an den Ästen. Filderstadt gehört zu den Vorreiterkommunen, die die Aktion „Gelbes Band“ gegen Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen haben. Der Landkreis Esslingen hat diese Idee aufgegriffen und hierfür 2020 den Bundespreis „ZU GUT FÜR DIE TONNE“ erhalten.

Die Idee ist ebenso simpel wie genial: Obstbäume, die von ihren Besitzern nicht mehr selbst abgeerntet werden können, werden mit einem gelben Band gekennzeichnet und damit zum öffentlichen Verzehr freigegeben. Die Devise lautet dann: Bitte bedienen Sie sich! So werden Lebensmittel nicht einfach verschwendet, sondern verwertet – für beide Seiten, Streuobstwiesen-Besitzer wie Fruchtliebhaber, eine echte „Win-Win-Situation“. Diese Aktion ist nachhaltig, ökonomisch, ökologisch und ethisch – einfach vorbildlich. Aus diesem Grund hat sich auch der Landkreis Esslingen entschlossen, diese Idee kreisweit zu etablieren. Schließlich besitzt er mit 9.600 Hektar und geschätzt rund 768.000 Obstbäumen bundesweit die größte Streuobstfläche. Und dieses Engagement hat sich im wahrsten Sinne des Wortes bereits ausgezeichnet – jetzt sogar mit dem Bundespreis „ZU GUT FÜR DIE TONNE“. Im Rahmen einer Corona-konformen digitalen Preisverleihung hat kürzlich Julia Klöckner, die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, das Projekt „Gelbes Band“ in der Kategorie Landwirtschaft und Produktion gewürdigt. Ihre Laudatio, ihr Dank an die teilnehmenden Kommunen wie Filderstadt: „Sie sind Vorbilder, schaffen Bewusstsein“.

Förderung des klimafreundlichen Lebensstils

Simone Schwiete vom Führungstandem des Filderstädter Umweltschutzreferats, ist schon ein wenig stolz darauf, dass Filderstadt zu den Pionieren des „Gelben Bandes“ gehört. Ihre Überzeugung: „Diese Aktion ist in vielerlei Hinsicht wertvoll – sei es zur Verringerung der allgemeinen Lebensmittelverschwendung, sei es zur aktiven Verkürzung von Transportwegen und damit zu Reduzierung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase“. So sei das Streuobst grundsätzlich auch ein wichtiger Mosaikstein eines klimafreundlichen Lebensstils. Allgemeine Hinweise: die Gelben Bänder zur Kennzeichnung von Obstbäumen, die abgeerntet werden dürfen, gibt es ab sofort kostenlos beim Umweltschutzreferat an der Uhlbergstraße 33 (im Plattenhardter Rathaus). Simone Schwiete bittet Interessierte, sich telefonisch (0711/7003-648) anzukündigen. Die Gelben Bänder werden dann durchs Fenster übergeben oder auf dem Postweg zugesandt. Im Falle einer E-Mail an: umweltschutz@filderstadt.de (unter Angabe der Adresse sowie der Lage des Grundstücks des gekennzeichneten Baums) kann auch im Rahmen der Filderstädter Obstbörse darauf hingewiesen werden. Diese wiederum findet Ende August bis Ende Oktober 2020 statt. Unter der Rufnummer: 0171/7674310 ist es dann möglich, einzelne Bäume oder ganze Obstwiesen anzubieten oder nachzufragen. Eine Initiative, die jedes Jahr auf eine große Resonanz in der Bevölkerung stößt. Apropos Freigabe von Äpfel, Birnen und Zwetschgen zur Verkostung: Der städtische Museumsobstgarten am Bildungszentrum Seefälle in Bonlanden ist ebenfalls Teil der Streuobstwiesenförderung. „Dort sind speziell die alten Fildersorten zu finden“, erklärt Schwiete. Der Standort der einzelnen Bäume sei über den Übersichtsplan aufzufinden, die Sorte auf dem jeweiligen Schild beschrieben. Ihr Tipp: „Weitergehende Informationen finden Interessierte über den QR-Code. In Ergänzung dazu gebe es, so die Expertin, am Ortsausgang von Bonlanden einen 2,5 Kilometer langen Obstlehrpfad (einen Rundkurs vom Hasenheim Richtung Gutenhalde – über den Sandbühl zurück zum Hasenheim).

Kauf von Hochstämmen wird weiter bezuschusst

Das Team des Umweltschutzreferats weist zudem auch auf den weiter bezuschussten Kauf von Obsthochstämmen hin. Die Gutscheine werden von den Obst- und Gartenbauvereinen des jeweiligen Stadtteils ausgegeben, die anschließend bei „Schweizer Baum & Garten“ in Sielmingen eingelöst werden können. Pro Grundstück sind drei Bäume erhältlich – der Eigenanteil pro Pflanze mit Verbiss-Schutz und Pfosten beträgt derzeit rund 15 Euro. Wer den Saft von seinem eigenen Obst gepresst haben will, kann sich bei der Mobilen Moste des Obst- und Gartenbauvereins Bonlanden anmelden, der derzeit an einem Konzept zum Betrieb der Anlage unter Corona-Bedingungen bastelt. Nähere Infos hierzu werden rechtzeitig im Amtsblatt Filderstadt bekannt gegeben. Darüber hinaus ist es natürlich möglich, eigene Äpfel und Birnen bei örtlichen Mostereien (speziell für Filderstädter Obst gegen einen Aufpreis beim Fildergartenmarkt Briem in Bonlanden) abzugeben. Filderstadt hat in Sachen Kennzeichnung von Bäumen, die zum öffentlichen Abernten freigegeben sind, zweifellos Pionierarbeit geleistet. Der Landkreis Esslingen ist dem guten Beispiel gefolgt. Weitere Städte und Gemeinden können sich jederzeit der preisgekrönten Aktion gegen Lebensmittelverschwendung anschließen. Dann heißt es: Willkommen im „Club der Gelben Bänder“! (sk) 

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