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Gutenhalde

Ein architektonisches Unikum in der Region Stuttgart ist ein niederdeutscher Gutshof inmitten auf den Fildern

 

Es war die Idee und das Werk des Stuttgarter Nahrungsmittelfabrikanten Willy Bürkle, welcher sich 1941 das Gelände des Bonländer Freibads als Firmensommersitz gekauft hatte. Bald darauf errichtete er hier ein Betriebsheim für Firmenangehörige, ein Landhaus (”Haus Schattwald”), ein Mosaikbad etc.

Bürkle war in der Nahrungsmittel-Industrie tätig, er produzierte z. B. Nährmittel-Ersatzstoffe und hatte damit große Absatzchancen im Zweiten Weltkrieg und in den ersten Nachkriegsjahren.

Durch die Wichtigkeit seiner Produkte konnte er es sich leisten, Distanz zur NS-Regierung zu halten. Nach dem Ende des Krieges wurde die Gutenhalde ein beliebter Treffpunkt für die US-Militärregierung, aber auch für so manche politische Prominenz.


Bürkle gelang es, ein insgesamt 17 ha großes Areal auf der Gutenhalde zu erwerben und sich außerdem – was in jener Zeit höchst schwierig war –ausreichend Baumaterial zu besorgen. Auf der Gutenhalde entstanden nun umfangreiche Bauprojekte.

In einer Denkschrift konzipierte er die Idee einer bäuerlich-handwerklichen Wirtschaft an Stelle der im Krieg vielfach zerstörten Industrieproduktion. Diese Idee versuchte er in einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb und in einer Keramik-Produktion zu verwirklichen.


Das ehrgeizige Projekt Gutenhalde erfuhr 1949 ein jähes Ende, als Bürkle in Konkurs ging. Das Gelände ging an den Hauptgläubiger, die Städtische Spar- und Girokasse Stuttgart. Der Keramikbetrieb wurde (bis 1958) fortgeführt, der Gutshof verpachtet. 1954 eröffnete die Stadt Stuttgart auf der Gutenhalde ein Kinderdorf, das bis 1988 Bestand hatte.

1988 begann in der ehemaligen Keramikwerkstätte eine Waldorfschule, in die Häuser des Kinderdorfs zog die Sozialtherapeutische Gemeinschaft ein, welche später auch den Gutshof hinzupachtete.

 

Die einzelnen Elemente der Gutenhalde

Landwirtschaftlicher Gutshof (heute Sozialtherapeutische Gemeinschaft)

Der Stuttgarter Architekt Paul Heim errichtete ca. 1945-49 einen niederdeutschen Bauernhof mit Strohdächern. Diese mussten aus Brandschutzgründen durch Ziegeldächer ersetzt werden. Das Gelände war bis Mitte der 90er Jahre landwirtschaftlich genutzt. Seitdem ist dort die Sozialtherapeutische Gemeinschaft untergebracht.

 

  Keramik-Produktion (heute Waldorfschule)
Bürkle errichtete eine Produktionsstätte für keramische Produkte, zeitweise beschäftigte er über 100 Personen, überwiegend Heimatvertriebene, deren vielfältige kunsthandwerkliche Fähigkeiten und Traditionen er nutzte. Allerdings musste der Betrieb 1958 seine Produktion einstellen.

 

Parkanlagen

In den ehemaligen Parkanlagen sind heute noch die Reste des Freibads sowie einige Umkleide-Häuser und das ehemalige Wohnhaus von Bürkle zu sehen. Allerdings ist dieser Teil sehr verwildert.

Eine große Sandstein-Vase wurde in die Grünanlage vor dem Heimatmuseum versetzt.

 

Literatur:

Nikolaus Back und Paul Horrer: Die Gutenhalde und Willy Bürkle. In: Filderstädter Schriftenreihe Band 8. Filderstadt 1993, S. 37 – 68.

Nikolaus Back: Das Kinderdorf Gutenhalde (1954 – 1988). Ebd. S. 69 – 74.

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