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Kriegerdenkmal

Bonlanden besitzt ein – im Vergleich zu den Nachbargemeinden – sehr ungewöhnliches Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Es befindet sich nicht in unmittelbarer Nähe zur Kirche, außerdem steht hier – etwa im Unterschied zu Bernhausen – in besonderer Weise die Trauer im Mittelpunkt. Das Denkmal in seiner heutigen Form war schließlich das Ergebnis eines langen und mühevollen Diskussionsprozesses, der an dieser Stelle kurz dargestellt werden soll.

Die Entstehung des Kriegerdenkmals
Bereits 1919 schlug der Kriegerverein Bonlanden ein Denkmal vor, die Arbeiterparteien lehnten dies ab und forderten eine bessere Versorgung der Hinterbliebenen der Gefallenen. Im Dezember 1921 wurde eine Kriegerdenkmalskommission gebildet, die Entwürfe einholte und Richard Schönfeld , einen Bilderhauer für Friedhofskunst., auswählte. Dem 1922 neu gewählten Schultheiß Wolber gelang es schließlich, auch die Arbeiterparteien für das Kriegerdenkmal zu gewinnen, indem als Aussage nicht Heldenverehrung, sondern Trauer („Pietà-Motiv“) in den Mittelpunkt gestellt werden sollte. Auch auf Embleme wie Eisernes Kreuz sowie einen Stahlhelm wurde nun – im Unterschied zu den ursprünglichen Entwürfen – verzichtet.
Statt eines „Kriegsverherrlichungsdenkmals“ im Sinne der nationalen Kräfte sollte die Warnung vor einen erneuten Krieg und die Verpflichtung zur Fürsorge für die Hinterbliebenen stehen.

Mit der Fertigstellung waren aber die Auseinandersetzungen um das Kriegerdenkmal noch nicht zu Ende. Die Gegensätze zwischen Arbeiterschaft und bäuerlicher Bevölkerung waren so groß, dass es bis 1926 dauern sollte, bis das Denkmal eingeweiht werden konnte, da man sich nicht über die Form der Einweihungsfeierlichkeiten einigen konnte.
Schultheiß Wolber wollte eine Feier „im Geiste der Völkerversöhnung unter größtmöglichster Ausschaltung der Politik.“ Demgegenüber war der von den Arbeiterparteien dominierte Gemeinderat nicht zu einer Zusammenarbeit mit der bürgerlich-kirchlichen Seite bereit und sprach gegenüber dem Kirchengemeinderat ausdrücklich keine Einladung aus. Dies führte zu großer Verbitterung innerhalb des Dorfes.
Dennoch stellt das Bonländer Gefallenendenkmal eine große Besonderheit innerhalb der zahlreichen Denkmäler dar.


Wissenswert: Angesichts der galoppierenden Inflation war in jener Zeit die Frage der Finanzierung besonders brisant: Schließlich berechnete der Künstler im August 1923, als die Hyper-Inflation immer dramatischere Züge annahm, 20 Friedensgoldmark, im gleichen Wert „in Naturalien nach Ihrer Wahl“ zu liefern. Es war in Stuttgart „unendlich schwer, die nötigen Lebensmittel aufzubringen.“ Er bat die Gemeindeverwaltung, die Bevölkerung dazu aufzurufen, Lebensmittel wie Kraut, Mehl oder Kartoffeln zu spenden.

Zum Weiterlesen: Eine ausführliche Darstellung der Geschichte dieses Denkmals findet sich in Band 23 (Thema: Erster Weltkrieg) der Filderstädter Schriftenreihe.



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