Jugendfarm: 40. Geburtstag und Sommerfest
Ein Stück „Seele“ Filderstadts kommt ins Schwabenalter
FILDERSTADT. Wertvolles erleben, sich kümmern, werkeln, bauen, misten, toben, brutzeln, probieren, Gemeinschaft erfahren – dies und vieles mehr ist die Jugendfarm Filderstadt. Was eine Handvoll engagierter Mütter und Väter 1986 als Verein initiierte, hat sich längst zu einem Treffpunkt der besonderen Art für Kinder und Jugendliche gemausert. Im Rahmen des traditionellen Sommerfests am 14. Juni 2026 feiert das populäre „Jugendhaus unter freiem Himmel“ von 11 bis 17 Uhr seinen 40. Geburtstag. Happy Birthday! Klein und Groß sind herzlich zu diesem kunterbunten Familienevent eingeladen. Save the Date!
Kein Zweifel: Die Jugendfarm – liebevoll „Jufa“ genannt – ist inzwischen ins Schwa-benalter gekommen und aus Filderstadt nicht mehr wegzudenken. Kurzum: Diese lebendige „Visitenkarte“ ist ein Stück „Seele“ der Großen Kreisstadt. Auf dem rund 8.000 Quadratmeter großen Gelände (ehemaliger Bauernhof) in Bonlanden können Kinder noch Kinder sein, „aufblühen, Wurzeln schlagen und wachsen“ (Lasse Gerth, Sozialpädagoge im Jufa-Team) – und dies alles kostenlos!
Die „Jufa“ ist vieles: ein Platz zum Spielen und Bewegen, ein Lernort sowie ein Raum für Begegnung und Gemeinschaft. Lasse Gerth und seine beiden hauptamtlichen Kolleginnen Madleen Kürner und Zoe Renz „schmeißen den Laden“ – derzeit unterstützt von einer Dualen Studentin sowie drei Absolventinnen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ). Eine „Schnellbleiche“ zur komplexen Aufgabenstellung des rührigen Sozialpädagogen-Trios: Es begleitet, berät und fördert die jungen Besuchenden, hilft, tröstet, gibt Tipps, macht vor, leitet an, unterstützt, setzt Grenzen, definiert Regeln, ist Ansprechpartner, „Kummerkasten“, … Und warum haben sich die Drei von der „Jufa“ gerade diese Tätigkeit ausgesucht? Die Antworten ähneln sich: Die Arbeit mit Kindern, Tieren, in der Natur und mit einem Touch von Freiheit sei ihnen allen eine Herzensangelegenheit. Ihr kurzes Fazit in Sachen Jobsuche: gesehen, ausprobiert, geliebt.
9.000 Besuchende im Jahr
Ja, Madleen, Zoe und Lasse schätzen ihre Aufgaben auf der Jugendfarm Filderstadt. Im Durchschnitt besuchen täglich rund 35 Kinder/Jugendliche im Alter zwischen sechs und 16 Jahren (viele Grundschüler*innen) aus allen Stadtteilen und darüber hinaus das Gelände. Dies sind 9.000 Besuchende im Jahr. Tendenz steigend. Das Verhältnis Mädchen/Jungs ist ziemlich ausgeglichen, das traditionelle „Rollenbild“ weicht allmählich auf. Auch Jungs versorgen gerne einmal die Pferde, während Mädchen zunehmend Hütten reparieren oder mit Gokarts übers Gelände flitzen.
In der Schulzeit hat die Jugendfarm dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Während der Ferien gehört das Gelände dienstags bis samstags zwischen 12 und 18 Uhr den jungen Besuchenden. Hinzu kommen weitere „Spezialangebote“: der Ü12-Treff alle zwei Wochen freitags (18.30 bis 21 Uhr), der so genannte „Schnuppertag“ für Schulkinder samt Begleitperson (donnerstags) oder für „Jufa-Küken“ (Farm-Nachwuchs, der noch zu jung ist/jeden ersten Donnerstag im Monat),…
Zudem spielt die Filderstädter Einrichtung in Sachen Ferienbetreuung (Fasching, Ostern, Pfingsten, Sommer und Herbst) und AG-Bereich für Schulen eine große Rolle. Sage und schreibe 45 Klassen nehmen die verschiedenen Angebote wahr. Hinzu kommen Mitmachaktionen und Veranstaltungen das ganze Jahr über: Filmnächte, Farmübernachtungen, Wanderausritte, Fahrradtouren, Freizeiten, … Ein weiteres „Bonbon“: Jeweils samstags und in den Ferien erhalten die jungen Besuchenden für einen Euro (!) ein frisch gekochtes vegetarisches Mittagessen.
Romeo, Obelix, Möhre und Co. gehören zur Farmfamilie
Im Angebotsmittelpunkt steht der offene Bereich: „Dort können Schulkinder und Jugendliche selbstbestimmt und eigenverantwortlich entscheiden, was sie gerade gerne tun möchten. Dabei werden sie von uns unterstützt und begleitet“, erklärt Zoe Renz. Außerdem gebe der Farmalltag, so Madleen Kürner, Rituale (einen verlässlichen Rahmen) vor. Zum Beispiel müssten die Tiere versorgt, gefüttert und gepflegt sowie deren Stallungen ausgemistet werden. Dies alles stärke unter anderem auch die Empathie, Fürsorge und Verantwortung der Kinder für die Zwei- und Vierbeiner.
Augenblicklich zählt die „Jufa“ sieben Pferde, einen Esel, zwei Ziegen, zehn Schafe, 18 Hühner sowie vier Katzen, die sich tagsüber frei auf Wiesen sowie zwischen Hütten und Spielgeräten bewegen. Romeo, Obelix, Möhre, Lucky Luke, Brösel, Grace, Ali und Co. sind Teil der Jugendfarmfamilie, werden geliebt und bis zum Ende ihrer Tage mit viel Herz versorgt. Madleen Kürner: „Hier lernen die Kinder und Jugendlichen Wertschätzung und Zuneigung für unsere Tiere – aber natürlich auch, was Krankheit, Tod und Abschied bedeuten.“
Selbstvertrauen, Gemeinschaft und soziale Kompetenzen
Die „Jufa“ ist weit mehr als „nur“ ein „Zoo“, ein Hüttendorf, ein Spielplatz, ein Sammelsurium an unterschiedlichen Werkstätten, eine Feuerstelle, Garten- und Freibereiche, eine Küche, ein Musikprobenraum, ein kleiner See, Billardtische … Sie ist – laut dem Pädagogen-Team – vor allem ein Raum, in dem Kinder und Jugendliche Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen erfahren, Beziehungen (Freundschaften) aufbauen, Gemeinschaft erleben und soziale Kompetenzen stärken. „Da wird oftmals sogar das allgegenwärtige Handy vergessen und bleibt über Stunden in der Hosentasche“, weiß Lasse Gerth aus seinem Berufsalltag zu berichten.
Die Zeit auf der Jugendfarm hat schon so manches Kind, so manchen Jugendlichen geprägt. Farmkinder wurden zu Farmeltern oder wie Vanessa Lange sogar zur Vorsitzenden des Fördervereins. Der „Jugendfarm Filderstadt e.V.“ betreibt als Träger der freien Jugendhilfe das pädagogisch betreute „Open-Air-Jugendhaus“ mit Tieren in Bonlanden (Lorrain 1).
„Ohne Förderverein läuft nichts“
Der rührige gemeinnützige Verein ist für die Organisation, Verwaltung, Entwicklung und Umsetzung des Betriebs zuständig. Er plant ferner Sitzungen und Feste, bemüht sich um Zuschüsse und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. „Das ist viel mehr Arbeit, als man auf den ersten Blick denkt“, räumt die Vorsitzende ein. Mit Ausnahme der pädagogischen Fachkräfte (deren Gehälter die Stadt Filderstadt bezahlt) arbeiten die Mitglieder rein ehrenamtlich. Vanessa Lange stellt klar: „Die Jugendfarm kann es nur geben, wenn sich Menschen aktiv für deren Fortbestand engagieren.“ Sie ergänzt: „Viele Mitglieder ergeben einen starken Verein, den die ,Jufa‘ für ihr Weiterbestehen benötigt.“
Kein Zweifel: Ohne Förderverein läuft nichts. Dabei spiele dessen Mitgliedsbeitrag (jährlich 25 Euro für die ganze Familie samt Versicherung) eine untergeordnete Rolle. Von großer Bedeutung sei vielmehr, so die Vereinsvorsitzende, der persönliche Einsatz der Aktiven, die mitanpackten, wenn es darum ginge, das Gelände einmal mehr auf Vordermann zu bringen. Hierbei zähle jede helfende Hand. Dies gelte auch für die Organisation und Durchführung von Events. Für das bevorstehende Sommerfest (14. Juni) freuen sich die Verantwortlichen noch über Ehrenamtliche sowie Essensspenden (kontakt@jugendfarm-filderstadt.de).
Stadt und Gemeinderat tragen Jugendfarm finanziell
Die zweite Säule, auf der das Freizeitangebot für Filderstädter Kinder und Jugendliche beruht, sind die Stadt und der Gemeinderat. Nur mit deren finanzieller Unterstützung kann die Jugendfarm betrieben werden. Viktoria Klauser vom Amt für Jugend, Ältere und Vereine rechnet vor: „Wir bezuschussen diese wichtige Einrichtung jährlich mit rund 235.000 Euro für Personal, Programm- und Sachkosten.“ Darüber hinaus übernehme die Stadt die Gesamtkosten für die Pacht des Geländes samt der Gebäude.
Dank des gelungenen Zusammenspiels von Stadt, Gemeinderat und Förderverein kann die „Jufa“ auf eine nunmehr 40-jährige Erfolgsstory zurückblicken. Und dieser Geburtstag wird am 14. Juni 2026 gebührend gefeiert. Von 11 bis 17 Uhr heißt es im Lorrain 1 „Gemeinsam Feiern – Zusammen genießen“ (siehe Plakate). Ein buntes Programm (Mitmachaktionen, Begegnungen, Rückblicke in die Geschichte …) lädt alle Generationen zum Familientag ein.
„Erlebnisfläche, Raum für Kreativität sowie Spiel- und Lernort“
Auch Oberbürgermeister Christoph Traub gratuliert der Jugendfarm zu ihrem 40-jährigen Bestehen und würdigt die Erfolgsgeschichte der Einrichtung. Er dankt insbesondere dem Trägerverein, der seit vielen Jahren als wesentlicher und verlässlicher Kooperationspartner zum Wohle der Kinder und Jugendlichen in der Großen Kreisstadt wirke. Das Stadtoberhaupt selbst erlebt die Jugendfarm als „Erlebnis- und Bewegungsfläche, als Raum für Kreativität sowie als Spiel- und Lernort“.
Christoph Traub: „Nicht zuletzt durch die pädagogische Arbeit vor Ort werden Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu autonomen, selbstbewussten und handlungskompetenten Menschen unterstützt. Zudem werden sie durch verschiedene Angebote in kreativen, handwerklichen, gärtnerischen und tierpflegerischen Fähigkeiten gefördert.“ Mehr noch: Besonders beeindrucke ihn die Arbeit nach individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Zielen. Aus all‘ diesen guten Gründen unterstützten die Stadt und der Gemeinderat die Jugendfarm sehr gerne bei den Personal- sowie den Infrastrukturkosten.
Wunsch: Fortbestand der „Jufa“ für Kinder und Jugendliche
40 Jahre Jugendfarm Filderstadt: Rückblick und Ausblick! Wünsche für die nächsten Jahre und Jahrzehnte? Neben der Fortführung einer qualitätsvollen Arbeit (mit ausreichenden Stellenanteilen) hofft das Team vor allem auf eines: „Die „Jufa“ ist ein wichtiger Teil Filderstadts. Und wir wünschen uns, dass dies auch in Zukunft so bleibt!“ Dann könnten die Kinder und Jugendlichen weiterhin Wertvolles erleben, sich kümmern, werkeln, bauen, misten, toben, brutzeln, probieren, Gemeinschaft erfahren, … (sk)
Hier geht's zum Programm des Farmfests (PDF, 2,159 MB).
