20 Jahre SUSEmobil:

„Mobiler Einkaufskorb“ bewegt Senior*innen

FILDERSTADT. Das SUSEmobil (Seniorinnen- und Senioren-Einkaufsmobil) ist seit nunmehr 20 Jahren eine Institution, die aus dem Alltag von vielen älteren Menschen in Filderstadt nicht mehr wegzudenken ist. Einfach einen Platz in einem der beiden Minivans buchen und schon geht’s unentgeltlich und bequem zum Einkaufen oder in die FILharmonie. Mit dem „mobilen Einkaufskorb“ sind betagte Bürger*innen in der Lage, länger am gemeinschaftlichen Leben teilzunehmen. Ein Erfolgsmodell hat sich bewährt.

Das SUSEmobil, der Service des Vereins Aktiv für Senioren in Filderstadt e.V. (ASF), feiert 2026 seinen 20. Geburtstag – und eine echte Erfolgsgeschichte, die eng mit einem Namen verbunden ist: Karl Praxl. Der „Gründervater des mobilen Einkaufskorbs“ verantwortete mehr als 15 Jahre lang den ehrenamtlichen Fahrdienst. Ende 2021 übergab er die Verantwortung an Roland Klein. Praxl setzte sich von Anfang an mit viel Engagement und Herzblut für das Projekt ein: „Ältere und nicht mehr ganz so mobile Menschen länger am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, war unser erklärtes Ziel. Selbstständig einkaufen oder ins Theater gehen, bedeutet mehr Lebensqualität, mehr Unabhängigkeit. Es ermöglicht Seniorinnen und Senioren, länger zu Hause leben zu können. Das ist Antrieb für unser Engagement.“

Wie alles begann

Was brauchen ältere Bürger*innen, um möglichst lange unabhängig ihren Alltag gestalten können? Diese Frage stand im Oktober 2004 im Mittelpunkt eines Workshops, den die Stadtverwaltung Filderstadt zusammen mit dem damaligen Altenzentrum Förderverein Filderstadt e.V. (dem heutigen Verein „Aktiv für Senioren in Filderstadt e.V.“) veranstaltete. Eine Antwort darauf: Einkaufen gehen und Kultur erleben können, heißt, seinen Platz in der Gesellschaft wahren. Das Dilemma: „Ohne Auto geht im Alter (fast) nichts mehr. Die Topografie Filderstadts erfordert Mobilität“ (so ein Ergebnis des Workshops). Die Lösung: ein Fahrzeug für gemeinschaftliche Einkaufsfahrten. Das SUSEmobil – Seniorinnen- und Senioren-Einkaufsmobil – war geboren. Für Aufmerksamkeit sorgte das Logo, ein sympathisches kugelrundes Auto mit einem Einkaufskorb auf dem Dach, entworfen vom damaligen Leiter der Kunstschule, Albrecht Weckmann.

Am 20. November 2006 war es so weit: Premierenfahrt des SUSEmobils in Plattenhardt, die anderen Stadtteile folgten. Fahrer und Fahrzeugflotte wurden zunächst von den Einrichtungen und Institutionen zur Verfügung gestellt, die das Projekt unterstützten: die Wohngemeinschaft für Senioren (WgfS), die katholischen Kirchengemeinden, das Haus am Fleinsbach sowie das Wohn- und Pflegezentrum St. Vinzenz. Die Diakoniestation auf den Fildern übernahm den Telefondienst für die Anmeldungen. Karl Praxl betont: „Der enge Kontakt aller Beteiligten erleichterte von Anfang an die Zusammenarbeit. Und das ist bis heute so geblieben.“

Vier Jahre nach dem Start – 2010 – wurde das „Einkaufsmobil auch zum Erlebnismobil“, so Praxl weiter. Das SUSEmobil fuhr fortan zu ausgesuchten Kulturveranstaltungen in das Kultur- und Kongresszentrum FILharmonie.

Fahrgastzahlen steigen rasch an

War in den Anfangsmonaten das Interesse am SUSEmobil noch gering, stiegen die Zahlen schnell an: Innerhalb der ersten zehn Jahre nahmen auf 2.637 Fahrten mehr als 10.000 Fahrgäste das Angebot an. Im Jahr 2025 waren es gar 26.709 Mitreisende.

2016 erhielt die Initiative zum zehnjährigen Bestehen endlich ein erstes eigenes Fahrzeug. Hauptsponsor war die Stiftung der Selbsthilfe Siedlergenossenschaft Bonlanden. 2020 kam ein zweites Fahrzeug dazu, gesponsert vom Rotary Club.

Auch die Corona-Pandemie konnte das SUSEmobil nicht stoppen. Im Gegenteil. Das Einkaufsmobil wurde zum „Impfmobil“. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend, Ältere und Vereine sowie der Bürgerstiftung Filderstadt organisierten Karl Praxl und sein Team Fahrten zum Impfen und zu den Testzentren. Zur Sicherheit aller erhielten die Fahrer*innen früh eine Impfung. „Das war ein Glücksfall für uns und unerlässlich, um unsere Klientel zu schützen“, erinnert sich Praxl.

20 engagierte und sehr gut geschulte Fahrer*innen sind derzeit Woche für Woche in allen fünf Stadtteilen für die Bürgerschaft im Einsatz. Neben den regelmäßigen Einkaufsfahrten und den Fahrten zu den Kulturveranstaltungen in der FILharmonie gibt es auch Sondereinsätze wie Shuttlefahrten zum Plattenhardter Frühlingsfest, zum Zentralen Seniorennachmittag der Stadt, Ausflüge mit den Seniorenheimen und den Kirchengemeinden, Fahrten zu Mittagstischen, gesundheitlichen Vorträgen an der Volkshochschule sowie zu Gymnastikkursen. Der Fahrdienst ist dank der Unterstützung lokaler Sponsoren sowie der Stadt Filderstadt für die Teilnehmenden kostenfrei. „Wir haben einen festgelegten Einsatzplan in den Stadtteilen. Und wir sind kein Ersatztaxi, führen also keine Arztfahrten oder individuellen Einsätze durch. Das wäre organisatorisch nicht zu stemmen“, betont Roland Klein, der ebenso wie sein Vorgänger Karl Praxl mit Leib und Seele für das SUSEmobil „brennt“.

Mit dem SUSEmobil unterwegs

Wie verläuft eine Tour mit dem „rollenden Einkaufskorb“? Ein Beispiel: Manfred Raichle fährt jeden Mittwochvormittag die Einkaufstour in Bernhausen. Stationen sind die örtlichen Supermärkte, in denen die Seniorinnen und Senioren genau wissen, was sie wollen und wo sie es finden. Raichle kennt seine Klientel. „Ich hole meine Teilnehmenden jeweils an der Haustüre ab und bringe sie am Ende der Tour auch wieder nach Hause. „Es sind meist dieselben Damen, die bei mir mitfahren.“ Selten seien mal Männer mit an Bord. Der Fahrer wartet geduldig, bis alle Besorgungen erledigt sind und lässt dann die glücklichen Teilnehmerinnen mit ihren vollen Einkaufstaschen ins SUSEmobil einsteigen. „Manchmal unterstütze ich auch beim Shopping, wenn es nicht mehr so gut geht“, erläutert er. Er ist mit viel Freude dabei und will sein Ehrenamt nicht missen – die älteren Leute liegen ihm sehr am Herzen. Das gilt auch für seine 19 Kolleg*innen. Die Touren finden in allen Stadtteilen vormittags statt: in Bonlanden montags, in Bernhausen mittwochs, in Plattenhardt und Harthausen donnerstags. Nur Sielmingen macht eine Ausnahme – da ist das SUSEmobil Freitag nachmittags unterwegs.

Damit alle sicher durch den Filderstädter Verkehr kommen, werden für die Fahrer*innen regelmäßig Fahrfitness-Checks und Sicherheitstrainings durchgeführt. „Wir haben eine große Verantwortung für die alten Leute, die wir fahren. Das nehmen wir sehr ernst“, betont Roland Klein. Deshalb seien die Trainer*innen angehalten, darauf zu achten, ob die Fahrtüchtigkeit bei allen Teilnehmenden noch vorhanden ist.

Roland Klein: „Wir haben aktuell genügend ehrenamtliche Fahrer, die sich engagieren, aber bei einem Durchschnittsalter von Mitte 70 wäre eine Verjüngung wünschenswert.“ Sein weiterer Wunsch: ein drittes Fahrzeug. „Dann könnten wir noch mehr ältere Menschen zu den Touren mitnehmen.“

Wer auch einmal den Dienst des SUSEmobils in Anspruch nehmen oder sich selbst als Fahrer*in engagieren möchte, kann sich an die Geschäftsstelle des ASF beim Amt für Jugend, Ältere und Vereine, Tina Maier, Martinstraße 5 in Filderstadt-Bernhausen, Telefon: 0711/7003-5633, E-Mail: info@asf-filderstadt.de, wenden. (ab)