„Stille Helden“ 2026: Klaus Andelfinger, Anika Föhl und Gerd Zimmermann

Leises Engagement mit ganz viel Herz

5 Menschen auf der Bühne
Fröhliche Stimmung bei der Ehrung der „Stillen Heldinnen und Helden“: (von links) Oberbürgermeister Christoph Traub, Gerd Zimmermann, Anika Föhl, Klaus Andelfinger und Dr. Wolfgang Herb (Vorsitzender der Bürgerstiftung Filderstadt).

FILDERSTADT. Leises Engagement mit ganz viel Herz: Einer der Höhepunkte des diesjährigen städtischen Neujahrsempfangs in der FILharmonie war die Auszeichnung der „Stillen Heldinnen und Helden“ durch die Bürgerstiftung Filderstadt. Deren Vorsitzender, Dr. Wolfgang Herb, nahm die Ehrung der Ausgewählten vor, die für viele Menschen in Filderstadt und weit darüber hinaus Vorbilder sein können. 2026 sind dies: Klaus Andelfinger, Anika Föhl und Gerd Zimmermann. Auch Oberbürgermeister Christoph Traub dankte den Preisträger*innen für deren Einsatz für die Menschen in der Großen Kreisstadt.

Wolfgang Herb in seiner Laudatio: „Nicht alles, was unsere Stadt zusammenhält, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Vieles geschieht leise, oft nebenbei, manchmal über viele Jahre hinweg. Und es geschieht durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, ohne großes Aufheben darum zu machen. Menschen, die etwas in Bewegung bringen – nicht weil sie müssen, sondern weil sie es für richtig halten. In Zeiten, in denen Vertrauen schwindet, gesellschaftliche Debatten schärfer werden und Gewissheiten brüchiger erscheinen, gewinnt dieses Engagement zusätzlich an Bedeutung. Eine lebendige Zivilgesellschaft ist deshalb kein schmückendes Beiwerk, sondern eine tragende Säule unseres demokratischen Gemeinwesens. Sie schafft Stabilität, wo Unsicherheit wächst, und Orientierung, wo einfache und populistische Antworten nicht ausreichen und in die Irre führen.“

Die Geehrten stünden, so der Stiftungsvorsitzende, exemplarisch für diese Haltung. Herb: „Sie handeln nicht aus öffentlichem Auftrag, sondern aus innerer Überzeugung. Ihr Wirken ist leise, aber verlässlich – und gerade deshalb unverzichtbar für das Miteinander in unserer Stadt. Durch ihr Engagement entstehen Begegnungen, Vertrauen und Zusammenhalt.“ Und es zeige, dass Demokratie und Zusammenhalt im Alltag gelebt werden könne – durch Haltung, Beharrlichkeit und persönlichen Einsatz. Und die Drei (nachfolgend in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt) stünden stellvertretend für viele andere Bürger*innen in Filderstadt.

Klaus Andelfinger

Wolfgang Herb: „Seit Jahrzehnten prägt Klaus Andelfinger die kirchenmusikalische Landschaft in Filderstadt und darüber hinaus. Sein Engagement ist getragen von Ausdauer, Leidenschaft, Verantwortungsbewusstsein und einer großen Nähe zur Sache. Als Organisator des Orgelsommers hat er eine Konzertreihe aufgebaut, die sich von ihren Anfängen in den 1990er-Jahren zu einem festen kulturellen Höhepunkt entwickelt hat. Was einst in der St.-Stephanus-Kirche klein begann, ist heute eine mehrwöchige Reihe mit verschiedenen Spielorten in mehreren Stadtteilen. Sein Anspruch ist dabei immer derselbe: Musik soll zugänglich sein, unabhängig von Alter, Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten. Kultur wird für ihn nicht exklusiv gedacht, sondern als gemeinschaftliches Erlebnis. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Förderung junger Musikerinnen und Musiker. Er eröffnet Auftrittsmöglichkeiten, begleitet Studierende der umliegenden Hochschulen und vernetzt sie auch mit anderen Akteuren der regionalen Kulturszene. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur musikalischen Nachwuchsarbeit und sorgt dafür, dass kulturelle Vielfalt nicht nur erhalten, sondern weitergetragen wird.“

Anika Föhl

Herb: „Während viele gute Vorsätze mit dem Jahreswechsel schnell wieder verblassen, hat Anika Föhl ihren Neujahrsvorsatz für 2024 konsequent umgesetzt: Sie wollte sich ehrenamtlich engagieren – und hat es einfach getan. Als Anfang des Jahres Ehrenamtliche für das Projekt ,Besuch mit Buch‘ gesucht wurden, meldete sie sich als eine der Ersten. Ohne lange zu überlegen, übernahm sie eine Aufgabe, die alles andere als leicht ist: den regelmäßigen Besuch von zwei bettlägerigen, an Demenz erkrankten Frauen im Pflegeheim St. Vinzenz. Was zunächst wie ein Projekt begann, wurde sehr schnell zu einer festen, verlässlichen Aufgabe. Woche für Woche kommt Anika Föhl ins Pflegeheim, bringt Bücher mit, liest vor, hört zu und schenkt damit Aufmerksamkeit, Abwechslung und Nähe. Gerade bei Menschen, deren Erinnerungen brüchig geworden sind und die sich nicht mehr selbstverständlich mitteilen können, ist das von unschätzbarem Wert. Vorlesen bedeutet hier nicht nur Textvermittlung, sondern sozialen Kontakt und Beziehung – beides entsteht nur durch Geduld, Respekt und echte Zuwendung… Das Engagement von Anika Föhl zeigt, dass Verantwortung nicht an ein Alter gebunden ist – sondern an Haltung, Mitgefühl und die Bereitschaft, Zeit zu schenken. Dafür danken wir ihr sehr.“

Gerd Zimmermann

Herb: „Wenn man Gerd Zimmermann beschreiben möchte, dann vielleicht so: Er ist jemand, der Funktionsuntüchtiges nicht mag und Spaß daran hat – ich zitiere – ,Dinge in Ordnung zu bringen‘. Meist beginnt das nach einem knappen und freundlichen ,Hallo‘ mit einer Frage, die bei ihm ziemlich früh fällt: ,Was funktioniert denn eigentlich nicht?‘ Diese Frage stellt sich ganz praktisch im städtischen Reparaturcafé des Referats für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit in Bonlanden, in dem er seit sechs Jahren mit anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aktiv ist. Dort in den Werkräumen der Realschule Seefälle wird geschraubt, geprüft und ausprobiert. Auch bei ,Rat und Tat‘, der kleinen Hilfe im Alltag, ist er als Freiwilliger aktiv. Menschen, die Hilfe brauchen, melden sich mit technischen oder organisatorischen Fragen bei einer städtischen Anlaufstelle (dem Referat für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit). Die Lösung des Problems steht im Mittelpunkt, aber fast immer bleibt auch Zeit für ein Gespräch. Digitale ehrenamtliche Unterstützung bietet Gerd Zimmermann über die Familienbildungsstätte Filderstadt und weitere Kooperationspartner regelmäßig im Internet-Café ,Digitale Hilfen‘ in der Alten Mühle in Bonlanden an. Dieses Prinzip – hinschauen, ordnen, erklären – setzt sich auch im digitalen Raum fort – als Co-Administrator der Facebook-Gruppe „Treffpunkt Filder“ mit über 13.000 Mitgliedern.“ (sk)