Gesamtstrategie für eine Zusammenführung aller Bereiche der Kernverwaltung beschlossen

Klares Ziel: zentrales Verwaltungsgebäude auf dem Bernhäuser Festplatz

FILDERSTADT. Eine Adresse, viele Fachbereiche: Filderstadts Verwaltung soll zentralisiert werden. Nach langjährigen Überlegungen, Planungen, Diskussionen und der sorgfältigen Prüfung von Alternativflächen hat der Gemeinderat am Montag mit großer Mehrheit (bei einer Gegenstimme) die Stadt beauftragt, den Standort für ein zentrales Verwaltungsgebäude auf dem Festplatz P2 in Bernhausen zu entwickeln.

Der Status quo: Bisher verteilen sich die unterschiedlichen städtischen Dezernate und Fachbereiche dezentral – das heißt sie sind überwiegend über Bernhausen und Plattenhardt verstreut. Die Zusammenführung der gesamten Verwaltung – sprich der Umzug auf den P2 – zieht eine Reihe von weiteren grundsätzlichen Entscheidungen nach sich. Was passiert mit den zurückgelassenen Grundstücken? Verkauf oder Nachnutzung in Eigenregie? Wo wird in der Interimsphase das städtische Personal untergebracht? Auf welcher Fläche ist die Realisierung eines zentralen Gebäudes überhaupt möglich? All‘ diese Folgeschritte umfasst eine Gesamtstrategie, der der Gemeinderat nun zugestimmt hat.

Quo vadis Stadtverwaltung Filderstadt? Diese Frage beschäftigt das Gremium schon viele Jahre. Angesichts der Zersplitterung der Verwaltung, von hohen Kosten für die Anmietung von Gebäuden sowie von nicht mehr wirtschaftlich vertretbaren Sanierungsbedarfen städtischer Liegenschaften, von „langen Wegen“ für die Mitarbeitenden und die Bevölkerung ist nach zeitgemäßen, effizienzsteigernden Lösungen gesucht worden. Zudem eröffnen die Digitalisierung, verbesserte Kommunikationsstrukturen sowie modernes Arbeitsmanagement neue Perspektiven. 

Traub: „Kein Baubeschluss, ein Arbeitsauftrag für die Verwaltung“

Frühere Planungen (Zentralisierung der Verwaltungsstandorte in Bernhausen) sind inzwischen verworfen worden. Nach gemeinsamen Überlegungen mit dem Gemeinderat stand schließlich fest: „Plattenhardt (der technische Bereich) soll künftig mitgedacht werden“, erinnerte Oberbürgermeister Anfang der Woche vor dem Plenum. Der Rathauschef betonte, dass es sich bei der Vorlage mit dem Titel „Gesamtstrategie Verwaltungszentralisierung“ um keinen Baubeschluss, sondern um einen Arbeitsauftrag für die Stadtverwaltung handle. Christoph Traub: „Wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses. Jetzt gilt es, die ersten vorbereitenden Planungsschritte einzuleiten.“

Natürlich sei ihm bewusst, dass den Gemeinderat wie die Bevölkerung eine Frage umtreibe: „Was kostet das Ganze? Können wir uns dies angesichts der prekären Haushaltslage überhaupt leisten?“ Traub bat um Verständnis, dass eine verlässliche Antwort zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sei. Dass sich die Stadt aber ihrer finanzpolitischen Verantwortung sehr wohl bewusst sei – dessen könne man sich sicher sein. Traubs Ergänzung: „Wir sind realistisch unterwegs. Wir stellen kein großes Bauwerk auf einmal hin.“ Das Vorhaben werde Schritt für Schritt umgesetzt.

Gesamtstrategie umfasst vier Bausteine

Zur Ausgangslage: Im Zuge des Stadterneuerungsprozesses in Bernhausen soll der bisherige Verwaltungsstandort an der Aicher Straße 9 (Gebäude ist völlig marode) aufgelöst werden. Im Anschluss daran wird dieses Gelände im Stadtteilzentrum anderen Nutzungen zur Verfügung gestellt: beispielsweise der Schaffung von Wohnraum sowie den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung. Nach Räumung des Hauses bis Ende 2026 soll die Fläche neu überplant und bebaut werden.

Für die neuen Entwicklungen (Auszug, Umzug, Interimslösungen, Nachnutzungen, Veräußerungen) braucht es eine Gesamtstrategie: Diese umfasst vier Bausteine – das geplante zentrale Verwaltungsgebäude auf dem Festplatz P2, das Nachnutzungskonzept für das Areal Aicher Straße/Bernhäuser Hauptstraße (jetziger Sitz des Oberbürgermeisters samt Teilen der Innenverwaltung, Bürgerzentrum Bernhausen,…), die Zukunft des ehemaligen Bahnhofgebäudes auf dem Dr.-Peter-Bümlein-Platz sowie die verwaltungsinterne Interimslösung an der Rosenstraße (Altes Rathaus).

Neuer Wunschstandort: P2

Baustein 1: Der Festplatz P2 ist das Ergebnis eines strukturierten Auswahlverfahrens. Insgesamt hat die Verwaltung acht potenzielle Standorte geprüft, die anschließend anhand eines mit Vertretenden des Gemeinderats entwickelten Kriterienkatalogs (bezüglich Funktion, Umsetzung, Städtebau, Prozess) gegenübergestellt und bewertet wurden. Der Großparkplatz im südlichen Stadteingangsbereich gehört zum Anlagevermögen des städtischen Eigenbetriebs FILharmonie. Dessen Pluspunkte: Dieser Standort liegt – bezogen auf die Gesamtstadt – zentral, bietet perspektivische Entwicklungsspielräume für etwaige Erweiterungen, kann an bereits bestehende oder geplante Projekte angeschlossen werden und weist ausreichend Platz für die Realisierung des Großprojekts auf. Gesamtfläche: und 10.500 Quadratmeter. In unmittelbarer Nachbarschaft des künftigen zentralen Gebäudes wird derzeit die Gotthard-Müller-Halle samt neuem Jugendhaus gebaut. Ferner entsteht dort gegenüber der Erweiterungsneubau der Schullandschaft des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums (ESG).

Schaffung eines starken und attraktiven Zentrums 

Baustein 2: Das bisherige Verwaltungsgebäude an der Aicher Straße 9 (2016 mit Mitteln aus der Städtebauförderung erworben) kann aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr saniert werden. Die geplante Zentralisierung auf dem P2 sowie der Auszug erfordern neue Überlegungen in Sachen Nachnutzung der Flächen – auch an der Bernhäuser Hauptstraße (siehe Seite 3). Die Grundstücke befinden sich im Sanierungsgebiet „Innenstadt Bernhausen“. In diesem Quartier (die Weiterentwicklung des „Krone-Areals“ inklusive) wünschen sich Verwaltung und Gemeinderat eine attraktive Ortsmitte. Es gelten weiterhin folgende Ziele: die Schaffung eines starken und qualitätsvollen Zentrums, die Verbesserung der Aufenthalts- und Gestaltungsqualität sowie der Einzelhandels- und Dienstleistungssituation plus die Stärkung der Wohnfunktion. Die Fortschreibung erfolgt in enger Einbeziehung der Anwohnerschaft.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung: die Belegung der Erdgeschosszone mit Einzelhandel sowie hochwertiger Gastronomie. Die Obergeschosse könnten mit Wohnungen ausgestattet werden – zum Teil gefördert und barrierefrei. Durch die besondere städtebauliche Lage des Standorts in der Innenstadt ist ein qualitätssicherndes Verfahren für die Erstellung eines Neubaus erforderlich – vorzugsweise ein Realisierungswettbewerb.

Altes Bahnhofsgebäude, neue Nutzungen

Baustein 3: Auslöser für eine Nachnutzung der Räumlichkeiten im „Alten Bahnhof“ von Bernhausen ist die räumliche Neuordnung von Verwaltungseinheiten. Nach dem Auszug von Teilen des Ordnungsamtes (Bürgeramt, i-Punkt, Gemeindevollzugsdienst) sowie diverser Gebäudeuntersuchungen steht das Haus nun für weitere Nutzungen zur Verfügung. Der Denkmalschutz schreibt allerdings vor, dass es keine gravierenden Eingriffe in den Bestand geben darf. Die Vorstellungen der Verwaltung: eine Begegnungsstätte (samt Teeküche) im Erdgeschoss, die Mobile Jugendarbeit (plus sanitäre Einrichtungen) in der darüber liegenden Etage sowie eine Küche und kleine Räume für eine flexible Nutzung im zweiten Stockwerk.

Altes Rathaus: neuer Sitz des Oberbürgermeisters

Baustein 4: Ordnungsamt raus, Oberbürgermeister samt Teilen der Innenverwaltung interimsweise rein. So lässt sich der Baustein Nummer 4 kurz und knapp auf den Punkt bringen. Nach notwendigen Sanierungsarbeiten (insbesondere im Elektrobereich) sollen im Alten Rathaus an der Rosenstraße in Bernhausen bis zur Fertigstellung des zentralen Rathauses auf dem P2 das Büro des Stadtoberhauptes sowie das Amt für Klimaschutz, Steuerung und Kommunikation einziehen. Darüber hinaus wird das Gebäude auch weiterhin für Eheschließungen genutzt (im bestehenden Trauzimmer). Damit das Haus den künftigen Anforderungen gerecht wird, sind umfassende Sanierungs- und Umbaumaßnahmen erforderlich. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt. Diese sollen – läuft alles nach Plan – bis Jahreswechsel abgeschlossen sein, sodass das Alte Rathaus von den neuen Nutzenden bezogen werden kann.

Stimmen aus dem Haupt- und Personalamt sowie dem Personalrat

Das große Ziel einer Verwaltungszentralisierung erfordert viele einzelne kleine Schritte, die es in den nächsten Jahren sukzessive umzusetzen gilt. Wie sehen das Haupt- und Personalamt sowie der städtische Personalrat diese Entwicklung?

Nadine Hoss, die Leiterin des Haupt- und Personalamts der Stadtverwaltung Filderstadt: „Wer heute in unserer Verwaltung arbeitet, weiß: Die Wege sind weit – nicht nur zwischen den Gebäuden, sondern auch zwischen den Menschen. Viele Kolleginnen und Kollegen sitzen verstreut über die ganze Stadt. Das erschwert spontane Abstimmungen, bremst gute Ideen aus und kostet Kraft, die wir eigentlich für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen möchten. Ein zentraler Standort wäre für uns mehr als ein neues Gebäude. Er wäre ein Ort, an dem Zusammenarbeit wieder selbstverständlich wird: kurze Wege, schnelle Rückfragen, ein echtes Miteinander. Das macht den Arbeitsalltag leichter – und es stärkt das Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen. Gerade weil die Haushaltslage angespannt ist und wir wissen, dass der demografische Wandel uns fordert, müssen wir klug investieren. Ein gemeinsames Verwaltungsgebäude hilft uns, attraktiv zu bleiben, neue Fachkräfte zu gewinnen und unsere Aufgaben auch in Zukunft zuverlässig zu erfüllen. Wir wollen eine moderne Arbeitswelt schaffen, die den Menschen in Filderstadt zugutekommt – und denjenigen, die täglich für sie arbeiten.“

Jutta Grillhiesl, Vorsitzende des Personalrats der Stadtverwaltung Filderstadt: „Der Personalrat hält ein zentrales Verwaltungsgebäude für dringend erforderlich, weil dadurch die Kommunikation zwischen den Beschäftigten verbessert und die Effizienz der Arbeitsabläufe erhöht wird, was sich auch positiv auf die Servicequalität für unsere Bürgerinnen und Bürger auswirkt. Der Arbeitsalltag wird spürbar erleichtert und trägt somit zur Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten bei. Es macht einfach Sinn!“ (sk)