Sonderausstellung im FilderStadtMuseum:
„Süßes Handwerk – Ein Osterfest für alle Sinne“
FILDERSTADT. Ostern ist ein Fest der Sinne. Und nach der langen Fastenzeit ab Aschermittwoch ist Naschwerk aus Zucker oder Schokolade eine Wohltat für Körper und Seele. Das FilderStadtMuseum widmet dem süßen Handwerk eine österliche Sonderausstellung. Noch bis 19. April 2026 besteht die Möglichkeit, diese zu besuchen. Es lohnt sich – nicht nur für Naschkatzen.
Die Sonderausstellung „Süßes Handwerk“ widmet sich dem traditionellen Handwerk der (Zucker-)Bäckerei im österlichen Umfeld. Zahlreiche Kuchen-, Zucker- und Schokoladenformen sowie Werkzeuge des Bäckerhandwerks geben Einblicke in die Herstellung saisonaler Köstlichkeiten und Kalorienbomben.
Hasen aus Zucker oder aus Schokolade?
Lange Zeit galten Zuckerhasen als Luxus, den sich nur wohlhabende Familien leisten konnten. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Zucker erschwinglich und fand seinen Weg in alle gesellschaftlichen Schichten. Süßwaren wie der Zuckerhase verbreiteten sich rasch: Ab den 1850er‑Jahren begann man, sie in größerem Umfang zu produzieren. Neben den klassischen roten Hasen erfreuten sich auch braunlich‑gelbe Karamellhasen großer Beliebtheit.
Auf den Fildern hat die Herstellung von Zuckerhasen eine lange Tradition. In Plattenhardt bestand seit 1907 die von Karl Fritz und seinen Nachkommen betriebene Konditorei, die 1929 den Handel mit Schokolade und Zuckerwaren anmeldete. Ihre Spezialität waren die beliebten Zuckerosterhasen, die weit über die Filder hinaus – bis in die Schweiz – verkauft wurden. „Viele kamen eigens nach Plattenhardt, um die süßen Figuren zu erwerben“, erzählt Romy Heyner, Ausstellungsleiterin im FilderStadtMuseum. Ein Großteil der gezeigten Zuckerhasenformen stammt aus dem Nachlass der Konditorei Fritz.
Ab den 1960er- und 1970er‑Jahren wurde der Zuckerhase zunehmend vom Schokoladenhasen verdrängt, der nun meist seriell produziert wurde. Auch die Bäckereien in den Filderstädter Stadtteilen – allen voran die Bäckerei Kurfess in Plattenhardt – stellten Schokoladenhasen in zahlreichen Varianten her. Unterschiedliche Formen können in Bonlanden besichtigt werden.
Kleine Kunstwerke mit großer Tradition
Ein weiterer Schwerpunkt der Sonderausstellung liegt auf den Springerle – einer süddeutschen Tradition. Obwohl damit häufig vor allem die Adventszeit verbunden ist, wurden sie ursprünglich auch zu Ostern gebacken. Im FilderStadtMuseum sind zahlreiche dieser filigranen Model ausgestellt – jede Form ein handwerklich gefertigtes Unikat. Wie Spekulatius zählen Springerle zu den Bildgebäcken, die nicht nur durch ihren Geschmack, sondern vor allem durch ihre kunstvoll gestalteten Motive begeistern. Neben floralen Mustern finden sich Tiere, Heilige, Glückssymbole und Szenen des täglichen Lebens – kleine essbare Kunstwerke, die von handwerklicher Tradition und regionaler Festkultur erzählen.
Osterkunst vom Feinsten
Ein Highlight der Ausstellung: drei außergewöhnlichen Ostereier aus echten Gänseeiern, die mit Gipsabdrücken traditioneller Springerlemodel verziert wurden. Die feinen Reliefs – ursprünglich für das gleichnamige Gebäck verwendet – wurden hier kunstvoll auf die Eierschalen appliziert und anschließend farbig bemalt. Ein echter Hingucker sind auch die beiden Zuckereier der Konditorei Fritz, die innen und außen sehr beeindruckend verziert sind.
Zur Ausstellung bietet Romy Heyner erneut einen Museumskoffer an, mit dem das FilderStadtMuseum „auf Tour“ in Pflegeeinrichtungen, Seniorentreffs und andere Begegnungsorte geht. Dieser Service ist über die vhs Filderstadt buchbar (Kurs D1080A). Und Heyner wirbt: „Man kann bei mir auch Führungen außerhalb unserer regulären Öffnungszeiten buchen. Gerne können Interessierte einen individuellen Termin vereinbaren.“
Das FilderStadtMuseum an der Klingenstraße 19 in Bonlanden ist immer sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Am kommenden Sonntag laden die Landfrauen Bonlanden von 13.30 bis 16.30 Uhr zum Museumscafé ein. Gerne vorbeikommen zum „Osterfest für alle Sinne“! (ab)