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Jacob Brodbeck

Der amerikanische Flugpionier aus Plattenhardt ist hierzulande weitgehend unbekannt, in den USA hingegen wird er mehr denn je als Konstrukteur des "First Successfull Airplane Flight in the World 1865" in Ehren gehalten.
 
Am 13. Oktober 1821 wird Jacob Brodbeck in Plattenhardt geboren. Sein Geburtshaus ist das Gebäude Kirchstraße 26. Er besucht das Lehrerseminar in Esslingen und ist anschließend sieben Jahre in Württemberg als Lehrer tätig. In seiner Freizeit betätigt er sich als Organist und Pianist. Außerdem sucht er Lösungsmöglichkeiten für technische Fragestellungen jener Zeit (Versuch: eine immerwährende Uhr für Schifffahrtszwecke zu bauen; später in den USA Bau einer Eismaschine).
 
Bedrängt von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 1840-er Jahre suchen auch die Brodbecks nach Möglichkeiten für einen Neuanfang. So treffen dann auch die Schriften des "Vereins zum Schutz deutscher Einwanderer in Texas" auf offene Ohren, eines Vereines, der 1842 von deutschen Adligen gegründet worden war, um Ausreisewilligen die Emigration in das soeben von Mexiko abgetrennte Texas zu erleichtern.
 
So plant die ganze Familie Brodbeck die Ausreise; sie verlassen 1846 die Filder in Richtung USA. Durch Beziehungen erhält Jacob Brodbeck schon im März 1847 den Ruf auf die vakante Lehrerstelle im knapp acht Monate zuvor unter großen Mühen gegründeten Fredericksburg. Doch auch hier findet der aufstrebende Geist keine Ruhe, 1849 verläßt er Fredericksburg wieder, um in Castell 10 acre Land zu übernehmen, das er bereits 1851 wieder verkauft. Erst im Jahr 1958 nach der Heirat mit der jungen Christina Behrens (Tochter eines durch Indianerpfeile getöteten Bekannten)  wird wieder eine Farm in Grape Creekdie Heimat der Brodbecks, wo er später auch als Lehrer tätig ist.
 
Ab jetzt beginnt er sich mehr und mehr der Idee zu widmen, die ihm seit seiner Schiffspassage nach Amerika, keine Ruhe mehr gelassen hat:

"Die genaue Beobachtung des Fluges der Vögel überzeugte mich, dass sie nach dem Prinzip der vereinigten Wirkung des Papierdrachens und Fallschirms fliegen. Untersuchen wir diese Wirkung ..."
 
Die Umsetzung der Ideen beginnt 1863 mit seinem ersten, durch Uhrfedern angetriebenen Modell, dem etliche weitere Konstruktionen folgen. Um seine Versuche zu finanzieren, verlässt er zeitweise seine Familie und lebt als Arbeiter in San Antonio. Am 7. August 1865 wagt er sich mit einem langen Artikel im "Galveston Tri-Weekly" an die Öffentlichkeit. Er erläutert den technischen Aufbau seines "Air-ships" und bietet Anteile (shares) zu 5 Dollar für die Ausführung dieses Projekts an.
 
Wesentliche Bauteile sind:

  • ein Bootskörper (mit Schraube für Wasserlandungen) zur Aufnahme der Antriebsmaschine und des "Aeronauten" (Pilot),
  • Flügel, teils beweglich,
  • zwei Propeller zum Vortrieb, ein Höhenruder, ein Seitenruder,
  • Kompass, Barometer und Geschwindigkeitsmesser; er rechnet mit Geschwindigkeiten von 30 bis 100 miles pro Stunde.

Durch den Verkauf der Anteile erhält er dann tatsächlich genügend Geld, um sein Projekt zu verwirklichen. Da ihm natürlich in jenen Jahren noch kein leichter und effektiver Antriebsmotor zur Verfügung steht (verschiedene Pläne mit Dampfmaschinen mussten aus Gewichtsgründen wieder verworfen werden), greift er bei seiner Neukonstruktion erneut auf Federspulen zurück.
 
Zum groß angekündigten Pionierflug finden sich viele Zuschauer ein. Nach verschiedenen Ansprachen wird Brodbeck in seinem "Air-ship" von der eigens konstruierten 20 Fuß hohen Plattform gestoßen und segelt einige Minuten über die Baumwipfel. Aber ebenso schnell wie die Begeisterungsstürme der Zuschauer entbrennen, geht das "Air-ship" den Weg alles Irdischen, nachdem es Brodbeck nicht wie geplant gelungen ist, die Federspulen kontinuierlich während des Fluges wieder aufzuziehen.
 
Dieser Misserfolg kann seinen Tatendrang jedoch keineswegs bremsen und 1874 startet er mit einem neuen, ebenfalls federgetriebenen "Air-ship" zu einem diesmal laut Zeitzeugen "einige Minuten dauernden" Flugversuch, der schließlich jedoch wie der erste Versuch 1865 endet. Mangelnde finanzielle Möglichkeiten erlauben nun keine weiteren Konstruktionen unter Verwendung der von Brodbeck sehnlichst erwarteten kleinen, leichten Antriebsmotoren.
 
Im Jahr 1893 unternimmt er dann noch einen letzten Versuch, Finanzquellen für seine Konstruktionen aufzutun, indem er beim Schultheiß von Plattenhardt nach dort lebenden Verwandten und einem eventuellen Erbe nachfragt. Er erfährt, dass noch zwei seiner Neffen (Johannes und Christian Brodbeck) am Leben seien und dass seine Schwester Barbara Henzler ein Erbe von 700 Mark hinterlassen habe, auf dessen Auszahlung er aber mit Rücksicht auf die große Armut in seiner Heimatgemeinde verzichten möge.
 
Es ist ihm vor seinem Tod am 8. Januar 1910 noch vergönnt, Zeitzeuge des offiziellen ersten Motorfluges 1904 zu werden - der Traum, der sein Leben geprägt hatte, war von den Gebrüdern Wright verwirklicht worden.

Geblieben ist, vor allem in Texas, die Erinnerung an den so genannten "Pionier der amerikanischen Luftfahrt", sichtbar an mehreren Veröffentlichungen und auch in Form des 1986 in Fredericksburg errichteten Brodbeck-Denkmales.
Am 13. Oktober 1996 wurde ihm aus Anlass seines 175. Geburtstags in seinem Geburtsort Plattenhardt ein Denkmal gesetzt.

Am 19. September 2010 fanden zu seinem 100. Todestag szenische Lesungen an verschiedenen Plattenhardter Schauplätzen statt.

Lit.: Carsten Wagner/Nikolaus Back: Jacob Brodbeck, ein amerikanischer Flugpionier aus Plattenhardt. In: Schwäbische Heimat 4/2011, S. 475-479.