Kostenloses Angebot „Brücke in den Alltag“:

„Menschen nach Klinikaufenthalten werden nicht alleine gelassen“

FILDERSTADT. Dieses Gefühl der Verunsicherung und Angst kennen gerade viele ältere Menschen: Kann ich nach einem Krankenhausaufenthalt in mein häusliches Umfeld zurückkehren? Schaffe ich alleine die alltäglichen Herausforderungen? Ist es möglich, dass mich jemand dabei unterstützt? Die Antwort auf all‘ diese Fragen könnte ganz einfach lauten: „Brücke in den Alltag“. Dieses kostenlose Angebot der Stadt Filderstadt (in Kooperation mit Ehrenamtlichen und der Filderklinik) für alle Bürger*innen über 60 Jahre lässt Betroffene und deren Angehörige in dieser sensiblen Situation nicht alleine und begleitet sie auf ihrem Weg zurück ins „normale“ Leben – patientenorientiert, aufmunternd, wertschätzend.

Es sind oft die kleinen Dinge im Leben, die nach einem Klinikaufenthalt zu einer großen Herausforderung werden können: Wer erledigt dringende Einkäufe? Wer besorgt wichtige Medikamente? Wer packt meinen Koffer für die Reha? Wer begleitet mich auf einem ersten Spaziergang? Und nicht weniger wichtig: Wer hat ein offenes Ohr für meine Sorgen und Bedürfnisse? Wer hilft mir, die dringendsten Angelegenheiten zu regeln? In dieser emotionalen Phase voller Unsicherheit und Fragen gilt es im wahrsten Sinne des Wortes, eine Brücke zurück in den Alltag zu bauen.

Dr. Susanne Omran, die Leiterin des zuständigen städtischen Referats für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit, bringt die Antworten auf den Punkt: „Damit es älteren Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt wieder gut geht, werden sie von unserem Projekt Brücke in den Alltag einfühlsam begleitet.“ Sie dankt allen Kooperationspartnern, die die Genesung von älteren Menschen aktiv fördern – allen voran den Ehrenamtlichen sowie dem so genannten „Entlassmanagement“ der Filderklinik. Für Susanne Omran steht eines im Vordergrund der Unterstützungsoffensive für die Bürger*innen: „Uns geht es immer um den Menschen und seine ganzheitliche Versorgung.“

Hilfe für die ersten Schritte im Alltag

Und so funktioniert der Bürger*innen-Service konkret… Ein Beispiel: Eine Patientin hat ihre Operation in der Filderklinik gut überstanden und darf in Kürze das Krankenhaus verlassen. Kolleg*innen aus dem dortigen „Entlassmanagement“ melden die betagte und alleinstehende Filderstädterin für das Angebot „Brücke in den Alltag“ an. Noch in der Klinik kommt es in der Regel zum Erstkontakt mit einer städtischen Gesundheitslotsin. Gemeinsam werden die Bedürfnisse, Anliegen und Wünsche der Patientin für die Zeit nach ihrem Krankenhausaufenthalt besprochen, erste Weichen für eine erfolgreiche Rückkehr ins „normale“ Leben gestellt. Denn: Die Bewältigung der anstehenden Herausforderungen ist für die meisten eines - Stress pur.

Zurück in den eigenen vier Wänden, begleiten die Lotsinnen sowie Ehrenamtliche die Patientin bei ihren ersten Schritten im Alltag. Während die Freiwilligen Handreichungen erledigen (zum Beispiel Einkäufe tätigen, Rezepte beim Arzt abholen oder in die Apotheke bringen, Koffer für Reha-Aufenthalte packen oder anderes), kümmern sich die Hauptamtlichen der Stadt um Vermittlungsdienste wie beispielsweise das Organisieren einer Haushaltshilfe oder die Bestellung von „Essen auf Rädern“.

Zur Klarstellung: „Brücke in den Alltag“ sei, so Susanne Omran, weder eine Hauswirtschaftshilfe noch eine Krankenpflege. Die ehrenamtlich Engagierten schenkten den Patient*innen vielmehr ihre Zeit und ein offenes Ohr, führten aufmunternde Gespräche, begleiteten Betroffene auf Spaziergängen oder erledigten kleinere Alltagshandgriffe. Und dies über einen begrenzten Zeitraum von vier bis maximal sechs Wochen.

„Gab mir ein Gefühl der Sicherheit. Danke!“

Die Vermittlung von Patient*innen zur „Brücke in den Alltag“ kann jedoch ebenso durch die Hausärzt*innen bereits im Vorfeld eines Krankenhausaufenthalts erfolgen. Dann wissen die Betroffenen schon vor ihrer Operation, dass sie in ihrer klinischen Nachsorgephase zu Hause gut betreut und versorgt werden. Dieses Angebot fördert die Genesung von Patient*innen nachweislich. „Die Menschen wissen, dass sie in dieser Ausnahmesituation nicht alleine gelassen werden und sind dafür unendlich dankbar“, erfahren die beiden städtischen Lotsinnen Nina Reckziegel und Petra Kümmel immer wieder in ihrem Berufsalltag.

Die Resonanz auf ihre Arbeit und das Engagement der Ehrenamtlichen für Bürger*innen ist überwältigend. Anbei ein paar Originalzitate von ehemaligen Patienten*innen, die den kostenlosen Service in Anspruch genommen haben: Die Initiative „Brücke in den Alltag“ „ist hilfreich und sehr wertvoll“, „hat mir wahnsinnig weitergeholfen“; „nimmt den Druck, immer alleine dazustehen“, „gab mir ein Gefühl von Sicherheit“, „hat die Stadtverwaltung nochmals von einer anderen Seite gezeigt“,… Dieses Lob gilt allen Projektbeteiligten gleichermaßen.

„Wie Sterne in der Nacht“

Die städtischen Lotsinnen, Vermittlerinnen und Gesprächspartnerinnen Nina Reckziegel (Gesundheitsmanagerin, Logopädin, Gerontologin) sowie Petra Kümmel (Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe, Gerontologin) wissen, dass sich manche Patient*innen leider scheuen, Hilfe von Dritten anzunehmen. Ein weiteres Problem bestehe darin, so die Expertinnen, dass einige Betroffene ihre eigene Hilfsbedürftigkeit selbst gar nicht erkennen oder falsch einschätzen. Auch seien viele Angehörige mit der Versorgung oder Pflege überfordert. 

Das „böse Erwachen“ käme dann oftmals erst zu Hause. Die Folge: Viele Betroffene kommen mit ihren (vorübergehenden) Einschränkungen alleine nicht zurecht, manche landen in Kürze erneut im Krankenhaus. Carola Riehm von der Filderklinik spricht in diesem Zusammenhang von dem bekannten „Drehtüreffekt“ (erneute Wiederaufnahme von Entlassenen): „Kaum haben die Patient*innen unser Haus verlassen, sind sie auch schon wieder da.“ Sie erhält immer wieder positive Rückmeldungen zum Projekt „Brücke in den Alltag“. Carola Riehm: „Die Patient*innen fühlen sich durch diese Art der Unterstützung unglaublich wertgeschätzt und sind sehr dankbar dafür.“

Die Menschen, die an dem Projekt teilnehmen, sind froh über die fachlichen Kompetenzen aller Beteiligten – auch der städtischen Hauptamtlichen. In einer Befragung haben sie auf die Frage „Was ist die Lotsin für mich?“ folgende Antworten gegeben: „…Zuversicht und Beruhigung“, „…ein Gefühl der Sicherheit“, „…jemand, der mir seine Zeit schenkt“, Zuhörerinnen“, „…etwas Zuverlässiges, das mich sehr beruhigt“, „Wertschätzung“, „wie Sterne in der Nacht“,…

Weitere Ehrenamtliche gesucht

Die Arbeit der Gesundheitslotsinnen wird ergänzt durch das ehrenamtliche Engagement – ohne welches wäre. Das Freiwilligenteam benötigt noch dringend weitere Mitstreiter*innen. Wer Lust und Freude hat, Betroffene nach ihrem Krankenhausaufenthalt mit kleinen Einkäufen, Besorgungen, Spaziergängen und aufmunternden Gesprächen zu unterstützen, meldet sich bitte bei Nina Reckziegel oder Petra Kümmel unter der Rufnummer: 0711/7003-376 oder unter: pkuemmel@filderstadt.de. Natürlich werden die Ehrenamtlichen für ihre Tätigkeit geschult sowie vom städtischen Fachpersonal begleitet und unterstützt. Eine Exkursion in die Filderklinik, Austauschtreffen und Fortbildungen sowie ein Auslagenersatz runden das Angebot für die Engagierten ab, die während ihrer Einsätze auch über die Stadt unfall- und haftpflichtversichert sind.

Die „Brücke in den Alltag“ ist ein Baustein des städtischen Zukunftsprojekts „Gesundheit vor Ort gemeinsam gestalten“, das vom Referat für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit entwickelt und betreut wird. Dieses baut in seiner Lotsenfunktion ein Netzwerk in der Großen Kreisstadt auf. Dessen Ziel: die Versorgung von Patient*innen aus einer Hand – bürgerfreundlich, bedarfsgerecht, zielgerecht. Die Initiative wird derzeit vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Erklärvideo zur „Brücke in den Alltag“

Jede Menge Informationen rund um die Dauerbrenner Gesundheit, Versorgung, Pflege und Betreuung finden Interessierte auf der Website: www.gut-versorgt-in-filderstadt.de – und dies schnell und einfach. Ein besonderer Service des Referats für Chancengleichheit, Teilhabe und Gesundheit: ein Erklärvideo zum Thema „Brücke in den Alltag“. Dort sind die wichtigsten Schritte der Unterstützung für die Nachsorgephase zu Hause dargestellt und erklärt. Sehr empfehlenswert! Gerne mal reinklicken! Ein weiterer Tipp für Interessierte: Die Thematik „Brücke in den Alltag“ wird am 18. Oktober 2021 auch im städtischen Verwaltungsausschuss behandelt. Ort und Zeit stehen rechtzeitig im Amtsblatt (Rubrik: Amtliches)! (sk)

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